Als Dave wach wurde, war sein Vater bereits wieder im Zimmer und musterte seine Frau und seinen Sohn nachdenklich.
"Wie lange habe ich geschlafen?", wollte Dave leise murmelnd wissen, um seine Mutter nicht zu wecken. Als er die Antwort seines Vaters abwartete, entfernte er sich langsam und vorsichtig aus dem Bett. Dann deckte er seine Mutter richtig zu und lächelte bei ihrem Anblick schwach, sodass es seine Augen nicht erreichte.
"Ungefähr 15 Minuten", meinte sein Vater schließlich genauso leise wie er zuvor, woraufhin Dave kurz nickte und langsam seinen Rucksack aufhob. Das war ja nicht sehr lange, aber immerhin konnte er sich ein wenig ausruhen.
"Ich gehe dann j-", setzte Dave an, wurde jedoch von dem Älteren unterbrochen.
"Warte, wie läuft es auf dem College?", erkundigte sich sein Gegenüber und es schien, als würde es ihn wirklich interessieren.
"Ganz gut, Dad. Ich-ich habe sogar ein Mädchen kennengelernt, aber darüber kann dir Mom mehr erzählen", erzählte er kurz lächelnd.
"Okay, das freut mich", erwiderte sein Vater das Lächeln, blickte dann auf seine Frau hinab und setzte sich schließlich an ihr Bett.
"Bis dann."
Nachdem er ein angedeutetes Nicken wahrgenommen hatte, drückte er die Klinke des Zimmers herunter und verließ nach einigen Minuten das Krankenhaus. Draußen zündete er sich dann eine seiner Zigaretten an, die er auf dem Weg zu seinem Wagen hin rauchte.
Als er schließlich nach einer halben Stunde Autofahrt das Haus seiner Eltern erreichte, stieg es aus und ging sich für die heutige Party zurechtmachen. Er konnte sich schlecht vorstellen, dass Julia noch kommen würde, doch er wollte seine Mutter nicht enttäuschen, indem er ihren Rat missachtete und nicht hinging. Mit einem Seufzen knöpfte er sich sein neues Hemd zu, schnappte sich nach einem kurzen Blick in den Spiegel, seine Autoschlüssel und begab sich dann wieder zu Steinem Wagen.
* * *
Bereits von Weitem konnte man die laute Musik hören, die von der Kneipe zu kommen schien. Als Dave diese schließlich betrat, wurde er sofort von einem typischen Geruch von Alkohol, Zigarettenrauch und anderen Dingen begrüßt. Viele hatten sich in mehreren kleinen Gruppen zusammengestellt und hielten relativ laut Gespräche; andere lehnten an der Theke, auf die der Student zuging, um sich etwas Hochprozentiges zu bestellen. Und obwohl er nicht in Party-Laune war, exte er die brennende Flüssigkeit herunter, als wäre es nichts. Er bestellte sich nochmal das gleiche und drehte sich dann zu den anderen Menschen um, während er das zweite Glas trank und danach dann noch eines.
Wie er selbst feststellen musste, war er wirklich nicht hier, um zu feiern, sondern seinen Kummer in Alkohol zu ertränken. Zudem schien Julia auch nicht mehr aufzutauchen, weshalb sein Gemütszustand umso mehr darunter litt. Dann stieß er sich plötzlich von dem Tresen ab, rempelte dabei aus Versehen einen Typen an, der ihn unmittelbar zur Seite schubste. Dave taumelte dadurch in einige der vielen Barhocker hinein und konnte sich gerade so mit einem schockierten Gesichtsausdruck noch festhalten. Jedoch änderte sich dieser Ausdruck innerhalb weniger Sekunden zu einem wutentbrannten und aggressiveren, da er sich sowas noch nie gefallen lassen hat und auch in Zukunft nicht gefallen lassen würde. Außerdem ging es ihm sowieso nicht gerade gut, da seine Mutter nicht mehr lange unter den Lebenden weilen würde.
Seinen Kopf schüttelnd, konzentrierte er sich, seine aufkeimenden Gedanken zu verdrängen und stellte sich währenddessen aufrecht hin. Dann täuschte er absichtlich vor, dass er sich mit einer Hand durch sein Haar fahren wollte, schlug dem Typen davor aber mit der Faust in sein Gesicht. Er sah zu, wie dieser stark schwankte, leckte sich mit einem angriffslustigen Grinsen über die Lippen und wollte erneut zuschlagen, als er plötzlich eine kleinere Hand um seine eigene spürte. Was zur? Er schaute irritiert zu der Person hinunter, wobei sich seine Augen vor Schock und Unglauben weiteten. Es war Julia!
Durch sie abgelenkt, bemerkte er nicht, wie er von dem Typen einen Schlag einkassierte und gegen den Tresen prallte. Julia zuckte stark zusammen und ließ augenblicklich seine Hand los. "Oh mein-!", rief sie halb aus und wandte sich dann dem Kerl wütend zu, den sie auf eine mädchenhafte Weise wegschubste. Das sah nicht nur etwas lächerlich aus, sondern auch verdammt süß.
"Geh!", schrie sie ihn an, wurde jedoch von diesem ausgelacht. Davon ließ sie sich aber nicht unterkriegen und trat ihm schließlich in seinen Schritt, sodass er wie ein Kartenhaus in sich zusammenklappte und die Hände schützend darauf legte, wo sie ihn soeben verletzt hatte. Geschockt von sich selbst, schlug sie die Hände vor ihrem Mund zusammen und schluckte anschließend leicht. Sie wollte doch bloß Dave beschützen. Dieser hielt sich während des Szenarios an der Theke fest und schaute ihnen ausdruckslos zu, zuckte jedoch leicht zusammen und verzog sein Gesicht als Julia dem Kerl in die Kronjuwelen trat, da er dessen Schmerz nachvollziehen konnte. Und trotzdem fing er einen kurzen Moment später an zu schmunzeln, vor Belustigung und Stolz.
Als Julia sich nun Dave zuwandte, musterte sie ihn kurz und bemerkte dabei, wie ihm sein Blut über das Kinn lief.
"Komm mit", murmelte sie und versuchte ihn an seinem Arm zu den Toiletten der Kneipe zu ziehen. Er protestierte jedoch, blieb stehen und entzog ihr seinen Arm, sodass er sich wegdrehen und auf einen Barhocker setzen konnte, welcher noch nicht umgefallen war. Währenddessen waren beinahe alle Blicke auf ihn gerichtet, was ihn aber nicht interessierte. Er stützte seinen Kopf mit einer Hand ab und spürte kurz darauf, wie ihm Tränen in die Augen stiegen, während er sich dann durch das Haar ging.
"Soll ich wieder gehen?", fragte Julia, welche sich langsam neben ihn setzte. "Ich bin nur deinetwegen hier ... Und jetzt sitzt du hier, prügelst und betrinkst dich und was weiß ich."
Ihre Stimme machte auf Dave einen beunruhigten Eindruck. Sie klang, als wenn sie ebenfalls kurz davor stünde, mit dem Weinen zu beginnen.
"Was ist los? Sag es mir, bitte."
Der Angesprochene hatte seinen Blick auf das leere Glas vor sich gerichtet, wollte das Mädchen neben sich einfach nicht ansehen. "Ich dachte, du kommst nicht ... Und den eigentlichen Grund geht niemanden etwas an." "Ich kann auch wieder gehen", meinte sie leise und schien auf eine Art und Weise verletzt zu sein, die er sich nicht erklären konnte. Dave schüttelte den Kopf und spielte schließlich kurz mit dem Glas in seiner Hand, welches einfach wieder aufgefüllt wurde, da die ganzen Leute hier sowieso schon betrunken waren, inklusive der Barkeeper, dem pausenlos Drinks ausgegeben wurden.
"Dann sag mir einfach, was los ist und wo ich bei dir stehe ... Dave?" Blut tropfte von seiner Lippe und lief teilweise auch an seinem Kinn herunter. Dann raufte er sich frustriert sein Haar, da er verzweifelt nach Worten suchte, aber keine richtigen fand. Seine Gedanken waren wie benebelt und seine Lippen wie betäubt.
"Ich-" Abermals schüttelte er den Kopf und meinte dann, dass er besser gehen sollte, ohne auf ihr Gesagtes in irgendeiner Weise einzugehen. Julia nickte leicht, wischte sich eine Träne von der Wange und stand dann auf, als sie zusehen musste, wie Dave den Inhalt des Glases in sich hineinschüttete. Dabei verzog er nicht einmal mehr das Gesicht, auch nicht, als die Flüssigkeit seine Wunde berührte. Nachdem er einige Dollar Scheine auf den Tresen abgelegt hatte, drückte er sich von diesem weg und schwankte anschließend Richtung Tür.
Draußen sicher angekommen, lief er quer über die Straße, ohne sich vorher zu erkunden, ob diese noch befahren war und kam dann an seinem Wagen an, gegen den er sich lehnte. Dann kramte er seine Zigarettenschachtel heraus, die ihm aber sogleich runterfiel, sodass er sich fluchend bücken musste, um sie aufzuheben.
"Verdammter Mist hier." Er richtete sich wieder auf, nahm eine Stange heraus und klemmte sie sich zwischen seine Lippen. Dabei bemerkte er im Schein der Laterne und des Mondes, dass die Knöchel seiner Hand bläulich geworden waren. Aber aufgrund des Alkohols konnte er den Schmerz zum Glück nicht spüren.
Seufzend griff er zu seinem silbernen Sturmfeuerzeug, mit dem er sich die Zigarette anzündete. Während er rauchte, öffnete er seinen Wagen und stieg kurz darauf ein. Dabei ließ er sich jedoch eher in den Sitz hineinfallen, als sich gezielt zu setzen. Während er sich zurücklehnte und über den Tag und Julia nachdachte, begannen mehrere Tränen seine Wangen hinabzurollen. Seinen Kopf energisch schüttelnd, hob er die Hand und wischte sich die salzige Flüssigkeit damit weg. Jedoch beruhigte er sich nicht und es schien, als wenn alles, was er bisher in sich hineingefressen hatte, einfach aus ihm herausplatzen wollte, weswegen er mit voller Wucht gegen sein Lenkrad schlug. Dann atmete er durch die Nase tief durch und rauchte die Zigarette bloß zur Hälfte, ehe er sie aus der Wagentür schmiss. Nach wenigen Sekunden startete er den Motor seines Wagens und fuhr los, ohne an die möglichen Konsequenzen zu denken, die sein Zustand mit sich bringen könnte.
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