Prolog
Die Kälte kroch meine Knochen empor, breitete sich immer weiter aus und ließ mich zittern. Frust und Wut übernahmen die Oberhand, ließen mich wieder und wieder gegen die steinernen Wände schlagen, bis meine Knöchel aufplatzten. Feine Rinnsale aus Blut liefen meine Hände hinab, tropften langsam gen Boden. Das heiße Blut auf meiner kalten Haut spürte ich nur allzu genau, während der Schmerz stumm blieb, für mich kaum wahrnehmbar.
Die Wut fraß sich mit einer Aggressivität immer weiter durch mich hindurch, wodurch ich nichts weiter wahrnahm, außer diesem glühenden Gefühl.
„Lasst mich sofort hier raus ihr verdammten Schweine. Wenn euch die anderen nicht kriegen, dann ich. Und wenn ich euch Arschlöcher erwische, dann werdet ihr bereuen, euch jemals mit mir angelegt zu haben."
Erneut schlug ich mit meiner Faust gegen die Wand. Dabei hinterließ ich ein groteskes Bild, welches mir vor Augen führen sollte, dass es kein Entkommen gab. Alles, was ich erhalten würde, wäre Schmerz. Schmerz und die Gewissheit, dass ich in diesem Spiel nicht die Regeln bestimmte.
Meine Faust schlug noch ein paar Mal gegen die kalte und feste Wand, doch weder gab sie nach, noch gab es eine Reaktion außerhalb meines Gefängnisses. Meine Haut war blutverschmiert, meine Hände wiesen mehrere Risse auf, die von der rauen Wand herrührten. Doch es war mir egal. Die Wunden, die Schmerzen und die beißende Kälte. Alles was eine Bedeutung hatte, waren meine Chancen, hier hinaus zu kommen und Rache an denen zu üben, die mich hier einsperrten.
Doch wie standen meine Chancen, wenn keiner wusste, wo ich mich befand, nicht einmal ich selbst? Zudem war mir nicht einmal bekannt, wer mich hier einsperrte, denn ein Gesicht bekam ich bisher nicht zu sehen. Sie versteckten sich, hatten offenbar Angst, erkannt zu werden. Sie waren Feiglinge, die sich nur zusammen behaupten konnten und eine hilflose Person hinterrücks angriffen. Eine Chance mich zu wehren hatte ich wohl kaum, denn ich bin nicht einmal zehn Meter weit von meinem Haus entfernt gewesen, als ich einen Stich im Hals verspürte und die Welt in Dunkelheit versank.
Seitdem saß ich hier fest, wusste weder, wie lange ich mich schon hier drin befand, noch, ob es Morgen, Mittag oder Abend war. Mein Schicksal schien besiegelt, jedoch wollte ich nicht aufgeben, denn mein Verschwinden blieb bestimmt nicht verborgen. Ich musste einfach nur durchhalten, auch wenn meine Verzweiflung immer weiter zunahm und meine Kräfte schwanden.
Ich nahm meine Hände von der Mauer, sie waren mittlerweile taub von der Kälte und sank langsam zu Boden. Mein Zittern nahm zu, es schien deutlich kälter zu werden. Das einzige, was mir dabei half mich warm zu halten, war mein dünner Pulli und meine Jeans, denn Jacke und Schuhe hatte man mir offenbar während meiner Bewusstlosigkeit ausgezogen. Vielleicht sollte es gegen eine mögliche Flucht helfen, denn draußen herrschten Minusgrade. Jedoch wüsste ich sowieso nicht, wie mir eine Flucht allein gelingen sollte.
Zitternd und verzweifelt zog ich meine Beine an meinen Körper, um mich ein wenig vor der Kälte zu schützen. Mein Mut schwand, mit jeder weiteren Sekunde, die ich hier verbrachte, allein mit meinen Gedanken, die sich hin und wieder die schlimmsten Szenarien ausdachten. Denn ich konnte nicht einschätzen, ob sie mich weiterhin in Ruhe ließen, bis ich nicht mehr wollte und konnte oder ob sie mich irgendwann hier hinaus zerrten, um mir noch schlimmeres anzutun. Ich wusste nicht, welche die bessere Option war. Einzig und allein war mir bewusst, dass ich nicht hier, einsam, in den Fängen anderer, sterben wollte.
Bei dem Gedanken daran, schossen mir Tränen in die Augen, die ich bisher zurückhalten konnte. Doch ich konnte einfach nicht mehr, wollte nur noch nach Hause, in mein Bett und mir die Decke über den Kopf ziehen. Dort war es sicher und warm. Dort konnte mir nichts passieren.
Die Tränen liefen heiß über meine kalten Wangen, viel zu viele, als dass ich sie hätte aufhalten können. Jedoch wollte ich das gar nicht, denn so ließ der Schmerz und die Angst ein wenig nach. Der Druck auf meiner Brust war auszuhalten und die Verzweiflung wurde mit jeder weiteren Träne aus mir heraus gespült. Meine Gedanken ruhten für diesen Augenblick, denn mein Kopf weigerte sich, auch nur ein weiteres Szenario zu bilden, in dem mein Leben ein Ende nahm. Er wollte mich schützen, wofür ich mehr als dankbar war. Sah ich noch solch ein grausames Bild vor Augen, würde ich endgültig zusammen brechen und mich nie wieder erholen, selbst wenn Hilfe noch rechtzeitig erscheinen würde.
Ich barg erschöpft meinen Kopf zwischen meinen Knien und schloss die Augen. Ich wollte die Welt um mich herum ausblenden, keine kahlen und grauen Wände mehr sehen. Das sollte nicht der Anblick sein, der mir für immer im Gedächtnis blieb. Schluchzer blieben mir im Hals stecken.
So saß ich dort, stumm, mit Tränen, die mir unablässig die Wangen hinunter liefen und einer Hoffnung, ganz tief in mir vergraben. Sollte ich auch diese verlieren, wäre mein Leben vorbei, bevor ich richtig leben konnte.
Bạn đang đọc truyện trên: AzTruyen.Top