6. Kapitel

Die Aufzugtüren öffneten sich nicht automatisch. Die Suite Royal war offenbar eine Penthouse-Suite. Mr Burton musste einen vierstelligen Code eingeben, damit sich die Türen öffneten.

Ich stand mit vor der Brust verschränkten Armen so weit es ging von Mr Burton entfernt. Ich konnte es immer noch nicht fassen, dass er so dreist war.

"Nun gehen Sie schon", sagte Mr Burton und wollte seine Hand erneut in meinen Rücken legen.

"Nicht", sagte ich warnend und entschied mich, selbst zu laufen, bevor er mich womöglich noch an den Haaren in die Suite zerrte.

Das Erste, was ich sah, war der Esstisch, wo bereits meine Pasta auf mich wartete. Mr Burton nahm am anderen Ende des Tisches Platz und starrte mich geradezu an.

"Hab ich etwas im Gesicht?", fragte ich und griff nach dem Glas Apfelschorle, welches auf dem Tisch stand.

"Ich will Sie ficken", sagte er, während er mich weiterhin mit seinem eisernen Blick fixierte.

Mir kam die Apfelschorle fast wieder aus der Nase heraus. Bitte was?

Ich hatte mich ordentlich verschluckt und bekam einen heftigen Hustenanfall. Ich klopfte mir auf die Brust und konnte mich allmählich wieder beruhigen. Voller Hoffnung, dass mir meine Fantasie gerade eben einen gewaltigen Streich gespielt hatte, blickte ich zu Mr Burton.

"Miss Maxwell, ich wollte Sie nicht erschrecken. Sie müssen wissen, dass ich seit dem ersten Moment eine gewisse sexuelle Anziehung zwischen uns verspürt habe. Wir sollten dem für eine Nacht nachgeben, damit wir beide unserer Wege gehen können", sagte er und sah mich unentwegt an. Ich konnte einfach nicht fassen, was er da von mir wollte.

"Sie machen doch Witze", sagte ich schließlich und sah meinen Chef entgeistert an. "Sie müssen Witze machen, weil das vollkommen absurd ist. Das kann unmöglich Ihr Ernst sein."

"Ich scherze nie, Miss Maxwell." Mr Burton sah mich todernst an. "Sie können die Anziehung nicht leugnen. Ich halte es für klug, sie zu beseitigen, bevor Komplikationen entstehen."

Ich musste mich räuspern, bevor ich antwortete, da ich meiner eigenen Stimme nicht mehr über den Weg traute. "Ich möchte nicht unhöflich sein, aber ich kann die Anziehung, von der Sie sprechen, nicht bestätigen. Es tut mir leid, aber das wird niemals passieren. Sie sind mein Chef, da halte ich das für absolut unangebracht." Ich errötete ein wenig.

"Sie haben noch nie Sex gehabt?" Nun sah er mich überrascht an. "Sie sind wie alt? 27? Was haben Sie Ihr ganzes Leben lang getan?"

Nun zierte eine flammende Röte meine Wangen. Es stimmte nicht ganz, was er gesagt hatte, und doch war er mit seiner Aussage so nah an der Wahrheit dran, dass ich mich fragte, woher er das wusste.
"Ich wüsste nicht, was Sie das angeht", sagte ich und trank mein Glas in einem Zug leer. Auf einmal war mir ziemlich warm und ich musste tief durchatmen, um mich zu beruhigen.

"Das müssen Sie mir erklären. Wie kann eine Frau wie Sie durchs Leben marschieren, ohne flachgelegt zu werden?" Mr Burton nahm einen Schluck aus seinem Whiskeyglas, wobei die Eiswürfel dagegen klirrten.

Plötzlich hatte ich das dringende Bedürfnis, auf mein Zimmer zurückzukehren und Elli anzurufen. Ich wollte diese Unterhaltung unter keinen Umständen weiterführen.

"Nein, das muss ich nicht. Wenn Sie keine Einwände haben, würde ich nun gerne auf mein Zimmer zurück", sagte ich und stand im gleichen Augenblick auf, um ihm keine Chance zu geben, mir zu widersprechen.

Eilig ging ich zum Aufzug, doch ehe ich den Knopf drücken konnte, umfasste er mein Handgelenk und wirbelte mich herum.

"Ich habe Einwände", sagte er und drückte mich mehr oder weniger sanft gegen die Wand. Er hielt mich mit seinem Körper gefangen. Jede Stelle meines Körpers, die er berührte, begann zu kribbeln und ich spürte ein leichtes Ziehen in meinem Bauch.

"Lassen ... lassen Sie mich los, ich möchte das nicht", sagte ich mit belegter Stimme.

Schmunzelnd sah er mich an und urplötzlich begann er, sein Becken an meinem zu reiben. "Hören Sie auf zu lügen. Ich weiß genau, was Sie gerade fühlen."

Ich schnappte nach Luft. Diese Berührungen waren mir neu. Einen Mann so nah an mir zu spüren war ich nicht gewohnt. Ich konnte die Gefühle, die ich empfand, nicht zuordnen. Auf irgendeine Art und Weise machten sie mir Angst. Ich wand mich und versuchte, mich zu befreien, doch vergeblich. Alles, was ich tat, brachte nichts. Er hielt mich mit seinem eigenen Körper gefangen und ich wurde immer nervöser und nervöser.

"Bitte, lassen Sie mich los", keuchte ich und schnappte nach Luft. Die Situation verängstigte mich mehr und mehr und schließlich bekam ich Panik.

"Loslassen!", rief ich schon fast. "Bitte, ich krieg keine Luft!"

Mr Burton schien zu erkennen, dass es mir ernst war und wich einige Zentimeter zurück. Panisch fasste ich mir an den Hals und versuchte, normal zu atmen und meinen Körper zu beruhigen.

"Was ist Ihnen geschehen?"

Ich blickte auf und sah Mr Burton ins Gesicht. Seine sonst so vollen Lippen waren zusammengepresst und sein Kiefer war angespannt. In seinen normalerweise ausdruckslosen Augen konnte ich einen Funken von Zorn erkennen.

"Gar nichts. Ich möchte jetzt allein sein", sagte ich und wich seinem eindringlichen Blick aus. "Gute Nacht, Sir." Ich drehte mich um und drückte den Knopf, um den Aufzug zu rufen.

"Gute Nacht, Miss Maxwell." Mr Burton klang sehr angespannt, doch dann vernahm ich Schritte. Aus den Augenwinkeln heraus konnte ich erkennen, dass er sich von mir entfernte. Eine Tür wurde geöffnet und fiel wenige Sekunden später ins Schloss. In diesem Moment kam der Aufzug und ich flüchtete hinein, sobald sich die Türen auch nur einen Spalt geöffnet hatten.

"Ganz ruhig, Gia, beruhig dich!" Elli redete seit fünf Minuten beruhigend auf mich ein, doch ich vernahm ihre Stimme nur als eine Art Rauschen. Ich wusste nicht, was mit mir geschah. So eine Panik hatte ich schon lange nicht mehr verspürt. 

Weitere fünf Minuten später hatte ich mich weitesgehend beruhigt.

"Gott, Gia, du hast mir so einen Schrecken eingejagt. Was ist denn passiert?", fragte Elli besorgt.

Ich erzählte Elli alles von Anfang an. Sie hörte mir einfach nur zu und unterbrach mich nicht, was sie sonst immer tat.

"Gia, es tut mir so leid. Möchtest du nach Hause oder soll ich zu dir kommen? Du weißt, dass ich das machen würde." Ich hatte Elli so lieb. Sie zog mich auf und schimpfte mit mir, aber wenn es mir schlecht ging, würde sie alles stehen und liegen lassen, um mir zu helfen.

"Ich weiß, dass du das tun würdest, und dafür bin ich dir unendlich dankbar. Du musst nicht extra zu mir fliegen, ich hab dich einfach nur zum Reden gebraucht", sagte ich und spielte mit einer dunkelbraunen Haarsträhne.

"Du weißt, dass du immer anrufen kannst. Auch wenn es hier mitten in der Nacht ist, ich bin immer für dich da. Und solltest du nochmal Probleme mit deinem Chef kriegen, dann komm ich und trete ihm so doll in seinen Hintern, dass er sonst wo landet", knurrte Elli und ich musste auflachen.

"Ich hab dich lieb, wirklich", seufzte ich. "Es tut mir leid, dass ich dich und Mason gestört habe, ich weiß auch nicht, wieso ich so in Panik ausgebrochen bin."

"Das meinst du nicht ernst. Erstens muss dir das nicht leid tun und zweitens wissen wir beide es ganz genau", sagte sie vorsichtig, um mich nicht zu verletzen, doch ein wenig traf es mich schon. Es war nun mal ein Teil meiner Vergangenheit, den ich weder verleugnen noch verarbeiten konnte.

"Ich weiß", murmelte ich.

"Tut mir leid, ich wollte dich damit nicht aufwühlen", sagte Elli sofort und ich sehnte mich danach, bei ihr zu sein. In solchen Situationen brauchte ich meine beste Freundin. Sie war mein Anker und das schon mein ganzes Leben lang.

"Ich vermisse dich wirklich ganz furchtbar", schniefte ich. "Und ich bin nicht mal einen ganzen Tag weg."

"Ich vermisse dich auch und du wirst sehen, die Woche geht schneller vorbei, als du denkst. Ab morgen hast du genug Ablenkung durch die Weiterbildung und du wirst diesen Burton bestimmt nicht mehr so oft zu Gesicht bekommen. Und falls er dich nochmal anfassen sollte, dann zeigst du ihm, was du von mir gelernt hast und trittst ihm gehörig in die Eier!", beschloss Elli.

Wir redeten noch ein wenig über andere Dinge und ich erkundigte mich, was Elli und Mason in den nächsten Tagen geplant hatten, bevor ich müde wurde und mich schlafen legen wollte. Immerhin musste ich ausgeruht sein für die Weiterbildung.

"Schlaf gut, Baby, hab dich lieb", sagte Elli und gab mir einen dicken Schmatzer durch das Telefon.

"Love you too", grinste ich.

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