44. Kapitel
Adrian hatte mir versprochen, mich heute Nacht nicht allein zu lassen. Es war rührend, wie er sich um mich sorgte. Er begleitete mich zum Badezimmer, stellte mir die Dusche an und legte mir währenddessen meinen kuscheligsten Pyjama auf die Heizung, um ihn vorzuwärmen. Als ich angezogen war, ging ich ins Schlafzimmer zurück und sah Adrian mit dem Kopf in den Händen auf der Bettkante sitzen. Ihn so zu sehen, versetzte mir einen Schlag. Er wirkte gebrochen. Als Adrian meine Schritte hörte, hob er seinen Kopf und kam mir entgegen. Wortlos standen wir uns gegenüber.
„Darf ich dich in den Arm nehmen, Kleine?", fragte er zögerlich. Ich nickte bloß, da ich im Moment kein Wort herausbrachte und fand mich keine Sekunde später in seinen Armen wieder. Er hielt mich auf eine Art fest, die mir sagte, dass er mich nie wieder loslassen wollen würde. Sanft strich er über meinen Hinterkopf. Adrian schob mich ein kleines Stück zurück und sah auf meine Haare. „Die sind ja noch nass." Mit den Worten nahm er meine Hand und zog mich sanft ins Badezimmer, wo er mich anwies, auf einem Hocker Platz zu nehmen. Fragend sah ich ihn durch den Spiegel hinweg an.
Mir traten Tränen in die Augen, als er den Föhn anschaltete und mir mit langsamen, beruhigenden Bewegungen geduldig die Haare föhnte.
Verdammt, ich liebte diesen Mann so sehr, dass mir mein Herz wehtat. Als ich in diesem Moment in den Spiegel blickte und Adrian beobachtete, wie er meine Haare kämmte und föhnte, wusste ich, dass ich es nicht überleben würde, ihn zu verlieren. Mir das einzugestehen machte mir eine Heidenangst, da ich mir vor vielen Jahren geschworen hatte, nie wieder einen Mann so nah an mich ranzulassen und mich so verletzbar zu machen. Adrian hatte sich irgendwie in mein Herz gestohlen und sich dort so festgekrallt, dass ich ihn niemals wieder loswerden würde. Und damit hatte ich nicht das geringste Problem.
Als er den Föhn ausschaltete und ein letztes Mal meine Haare kämmte, sah ich ihn mit tränenden Augen kann und schniefte: „Ich liebe dich, Adrian."
„Und ich liebe dich, Gianna. Mehr als du ahnst", antwortete er, bevor wir gemeinsam die Zähne putzten und ins Schlafzimmer zurückgingen.
„Soll ich dir noch einen Kakao oder so machen?", fragte Adrian, nachdem er sorgfältig überprüft hatte, dass ich dick in die Decken eingekuschelt war.
Angewidert sah ich ihn an, woraufhin er schmunzelte. „Wir haben doch gerade die Zähne geputzt."
„Macht doch nichts, dann putzen wir sie danach eben nochmal." Adrian zuckte mit den Schultern. Ich stellte mir vor, wie der Kakao wohl in Kombination mit der Pfefferminzzahnpasta schmecken würde und verzog mein Gesicht.
„Nein danke", lachte ich und klopfte leicht neben mich. „Leg dich zu mir."
Adrian machte es sich neben mir im Bett bequem und schaltete mit einer Fernbedienung das Licht aus. Ich wartete darauf, dass er mich wie gewohnt an sich zog, doch es passierte nichts, außer dass er mir vorsichtig eine Hand auf die Seite legte.
„Adrian?"
„Mmh?"
„Bitte behandel mich nicht anders ... wie ein rohes Ei", sagte ich kaum vernehmbar. „Ich bin immer noch die Gleiche."
„Das weiß ich, meine Kleine. Ich möchte nur nicht, dass du dich in irgendeiner Weise bedrängt fühlst", antwortete er in die Dunkelheit.
„So fühle ich mich bei dir nicht", sagte ich und robbte ein Stück zu ihm heran. Sofort überbrückte Adrian die letzte Distanz zwischen uns und schloss mich fest in seine Arme.
„Versprich mir, dass du mir sagst, wenn dich etwas bedrückt. Egal was, ich möchte es wissen", bat er mich. Ich nickte, bis mir einfiel, dass er mich im Dunkeln ja gar nicht sehen konnte. Innerlich schlug ich mir die Hand vor die Stirn und konnte Elli lachen hören.
„Versprochen."
„Versuch zu schlafen, Kleine", erwiderte Adrian mit rauer Stimme. „Dir wird nie wieder etwas geschehen."
„Ich danke dir, dass du mir zugehört hast. Das war bestimmt nicht leicht für dich", sagte ich und malte Kreise auf seiner Haut. „Irgendwie hat es gut getan, darüber zu sprechen. Dass ich kein Geheimnis mehr vor dir haben muss."
„Das musst du nie wieder", erwiderte Adrian sofort. „Alles was dich betrifft, betrifft auch mich und du sollst wissen, dass du über alles mit mir sprechen kannst. Ich werde vielleicht nicht immer perfekt reagieren, aber ich verspreche dir, dass ich immer für dich da sein werde. Selbst wenn ich vielleicht gerade nicht bei dir bin, sag ein Wort und ich komme."
Schon wieder spürte ich meine Tränen aufkommen. Ich seufzte. Auf weitere Tränen hatte ich heute keine Lust mehr. Meine Augen brannten bereits und waren leicht geschwollen.
„Was ist los, woran denkst du?", fragte Adrian sofort.
„Alles in Ordnung", sagte ich beschwichtigend. „Du sagst immer so schöne Sachen, das macht mich emotional."
„Ich will dich nicht zum weinen bringen", kam es entsetzt von Adrian.
„Ich meinte das im positiven Sinne", sagte ich und konnte mir ein kleines Lachen nicht verkneifen.
„Achso", grummelte er. „Pass auf, ich werd bald zum sensiblen Romantiker."
„Wäre das denn so schlimm?", fragte ich lächelnd, was er natürlich nicht sehen konnte.
„Für dich werde ich alles, was du willst", war seine Antwort darauf.
„Süßholzraspler", kommentierte ich, woraufhin mir Adrian in die Seite kniff. Ich schrie leise auf, da ich an den Stellen total kitzelig war.
„Ist meine Kleine da etwa kitzelig?", fragte Adrian spielerisch und knuffte mir erneut in die Seite. Ich quiekte abermals auf.
„Lass das", lachte ich und griff nach seiner Hand, damit er mich nicht weiter kitzeln konnte.
„Ich liebe dein Lachen", kam es auf einmal von ihm. „Nach heute glaube ich sogar noch mehr als vorher."
Darauf fand ich erstmal keine Antwort. Ich hatte einen dicken Kloß im Hals sitzen, der mich am Sprechen hinderte.
„Mach die Augen zu. Du brauchst wenigstens ein bisschen Schlaf", gähnte Adrian.
„Okay. Unternehmen wir morgen etwas? Mir egal, was, aber ich denke, etwas Ablenkung würde uns beiden gut tun", schlug ich vor.
„Alles was du willst."
Das waren die letzten Worte, die ich von ihm hörte, bevor ich in einen zu meinem Erstaunen traumlosen Schlaf glitt.
Mitten in der Nacht wurde ich durch ein kratzendes Gefühl im Hals wach. Schläfrig griff ich nach der Wasserflasche neben dem Bett und trank einige Schlucke, bevor ich auf die Uhr sah, die mir 3:47 Uhr anzeigte. Ich gähnte und rückte ein Stück nach hinten, um mich wieder an Adrian zu kuscheln, doch ich rutschte ins Leere. Verwirrt rollte ich auf den Rücken und tastete mit meiner Hand nach ihm, doch vergebens. Ich lag allein im Bett.
Leise stöhnend streckte ich meine Hand nach der Fernbedienung aus, um das Licht anzuschalten. Wo war Adrian bloß? Vielleicht war er zur Toilette gegangen oder konnte nicht schlafen und wollte mich nicht wecken.
Ich blinzelte gegen das helle Licht an und rieb mir die verschlafenen Augen. Als ich neben mir auf die Bettseite schaute, fand ich ein in der Mitte gefaltetes Papier. Stirnrunzelnd griff ich danach und setzte mich auf.
Es dauerte einige Augenblicke, bis meine Sicht nicht mehr verschwommen war und ich die Worte, die dort in Adrians Handschrift geschrieben standen, lesen konnte.
Verzeih mir, Liebes. Ich ertrage es keine Sekunde länger zu wissen, dass dieser Wichser frei herumläuft und dich terrorisiert. Das hat noch heute Nacht ein Ende.
Ich liebe dich, A.
Langsam steuern wir auf das Ende der Geschichte zu. Ich hoffe, sie hat euch bis jetzt gefallen!
Es wird wahrscheinlich auch noch einen zweiten Teil geben, da ich den ersten Teil nicht unnötig in die Länge ziehen möchte.
Love y'all ❤️
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