40. Kapitel

Schweigend saß ich neben Adrian in seinem Auto, während er mit einer rasanten Geschwindigkeit zu meiner Wohnung fuhr. Ich hatte Elli bereits eine Nachricht geschrieben, damit sie einige Sachen packen konnte.

„Woran denkst du?", durchbrach Adrian die Stille.

„Ich mache mir Sorgen um dich", antwortete ich ehrlich und musterte sein Profil. Er blickte ruhig und konzentriert auf die Straße, doch seine Hände umklammerten das Lenkrad so fest, dass seine Knöchel weiß hervortraten.

„Du brauchst dir keine Sorgen um mich zu machen, Gia", versuchte er mich zu beruhigen, was nur halbwegs funktionierte. „Aber ich werde nicht zulassen, dass er dich weiter tyrannisiert. Und wenn ich ihm dafür eigenhändig sein Genick brechen muss, dann tue ich das."

Erschrocken sah ich ihn an. „Tu das nicht. Nicht wegen mir", bat ich ihn. „Die Polizei wird ihn irgendwann schnappen und bis dahin sind wir einfach vorsichtig."

Adrian warf mir einen kurzen Blick zu. „Es ist mir egal, was du zu dem Thema sagst. Das hat heute ein Ende."

Einige Minuten später parkte er vor meiner Wohnung und wir stiegen gemeinsam aus.

„So viel zum Thema Polizeischutz", schnaubte Adrian, als ich die Haustür aufschloss und wir das Gebäude betraten. „Eigentlich hätten sie mich filzen müssen."

„Sie wissen doch, dass wir Freunde sind", versuchte ich die Polizisten in Schutz zu nehmen.

„Freunde sind wir also, ja?", fragte er amüsiert, woraufhin ich nur eine Augenbraue hochzog.

„Das wolltest du doch, oder etwa nicht?", gab ich zurück.

„Ficken Freunde sich denn mit der Zunge und schreien den Namen des anderen beim Orgasmus?", fragte er dreckig grinsend.

„Adrian", schimpfte ich leise. „Das kannst du doch nicht so laut rumschreien!"

„Ich schrei das gerne rum, Süße", zwinkerte er. „Aber alles mit der Zeit."

Ich schloss die Wohnungstür auf und rief nach Elli, die sofort ihren Kopf aus dem Wohnzimmer streckte.

„Ich habe schon gedacht, du kommst - was hat der hier zu suchen?" Skeptisch musterte sie mich.

„Der hat einen Namen", murrte Adrian und zog die Augenbrauen hoch.

„Wie auch immer", winkte Elli ab. „Hab ich was verpasst? Vor wenigen Stunden hast du noch geschworen, er würde nie wieder eine Rolle in deinem Leben spielen."

„Ach, hat sie das?", schmunzelte Adrian. „Ich hatte aber einen ganz anderen Eindruck, als sie -", sprach er, doch bevor er seinen Satz beenden konnte, unterbrach ich ihn.

„Wir haben uns ausgesprochen", sagte ich hastig, bevor Adrian einige schmutzige Details zum Besten gab, die Elli bestimmt nur zu gern hören würde. Sie blickte bereits neugierig zu Adrian.

„Es wäre schön, wenn du ein paar Sachen packen könntest", sagte Adrian nun ernst zu Elli. „Ich habe Gianna angeboten, dass ihr beide heute Abend bei mir bleibt, während ich mich um diesen Dreckskerl kümmere. Ihr seid dort in Sicherheit. Niemand kommt ohne Erlaubnis in mein Haus."

„Wie willst du dich denn um André kümmern?", fragte Elli mit hochgezogenen Augenbrauen. „Daran sind vor dir schon viele andere gescheitert."

„Lass das mal meine Sorge sein. Ich möchte euch beide nur in Sicherheit wissen, damit er keinem von euch Schaden zufügen kann", erwiderte Adrian und zu meiner Überraschung protestierte Elli nicht, was ich eigentlich von ihr erwartet hatte.

„Ich muss zugeben, ich bin wirklich überrascht", sagte Elli, nachdem sie eine Weile nachgedacht hatte. Verwirrt sah ich sie an. „Naja, ich habe nicht damit gerechnet, dass du den Mut und das Vertrauen aufbringst, jemand anderen außer Mason und mir dieses Trauma anzuvertrauen, wofür dieser Mistkerl verantwortlich ist."

Ich sah auf meine Füße und antwortete nicht. Als Elli nichts weiter sagte und einfach anfing, ein paar Sachen in eine Reisetasche zu werfen, war ich ihr unendlich dankbar.

„Möchtest du mir irgendwann den Rest der Geschichte erzählen?", fragte Adrian leise neben mir, während wir auf Elli warteten.

„Ich möchte es schon", murmelte ich leise. „Ich muss nur den Mut dazu aufbringen und ich weiß nicht, ob ich jetzt schon bereit bin."

„Ich möchte dich nicht unter Druck setzen", antwortete Adrian. „Die Hauptsache ist jetzt, dass dieser Kerl nie wieder eine Rolle in euren und vor allem in deinem Leben spielen wird."

„Aber was hast du vor?", fragte ich verzweifelt.

„Lass das mal meine Sorge sein, Kleine."

„Ich habe wirklich Angst, dass du etwas sehr Dummes tust. Etwas, wofür die dich ins Gefängnis werfen, Adrian", sagte ich ernst.

„Das wird so schnell nicht passieren", lächelte er, doch das Lächeln erreichte seine Augen nicht. Das sorgte nicht dafür, dass die Angst in mir verschwand.

„Ich finde es wirklich schön, dass du etwas unternehmen willst. Aber es ist nicht dein Problem, Adrian, sondern meins. Also tu bitte nichts, was dich in Gefahr bringt. Das ist er nicht wert", sagte ich. „Und ich bin es auch nicht."

„Sag sowas nie wieder. Natürlich bist du es wert, meinst du, dass ich mich sonst einmischen würde?" Adrian klang gereizt. „Dieser Mistkerl hat es ganz dringend nötig, dass ihm jemand zeigt, bis wohin er gehen darf."

Ein kleiner Stich durchfuhr meine Brust. Niemals hätte ich es für möglich gehalten, dass ein Mann wieder solche Gefühle in mir wecken könnte. Der Gedanke, dass ich Adrian verlieren könnte, auf welche Art auch immer, brach mir mein Herz.

„Lass die Polizei ihre Arbeit machen", flehte ich erneut. „Die werden ihn kriegen, früher oder später. Du musst das nicht tun."

„Die Polizei hat mehrfach bewiesen, dass sie niemals dazu in der Lage sein werden, ihn zu fassen", brummte Adrian. „Und jetzt hör auf, dich mit mir zu streiten, sonst werd ich sauer."

„Ach, die Turteltäubchen streiten?" Elli grinste, woraufhin ich ihr einen finsteren Blick zuwarf.

„Nein, tun wir nicht", fauchte ich. „Er ist bloß ein Idiot."

„Ein Idiot, der dich liebt", flüsterte Adrian mir ins Ohr.

Mein Herz hörte in diesem Moment wortwörtlich auf zu schlagen.

Es tut mir wahnsinnig leid, dass so lange nichts kam. Das Kapitel ist auch eher kurz, aber ich wollte euch nicht noch länger warten lassen. Ich versuche heute Abend noch einiges zu schreiben und falls ich ein Kapitel fertig bekomme, dann lade ich es direkt hoch ❤️
Hab euch alle lieb 🫶🏼

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