36. Kapitel

Ich habe Zeit gefunden, ein kleines Kapitel zu schreiben. Leider hat sich die Situation immer noch nicht gebessert. Ich versuche die wöchentlichen Updates beizubehalten, weil ich merke, dass mich das Schreiben ein wenig ablenkt und aufmuntert. Trotzdem kann es teilweise noch ein wenig unregelmäßig sein.

Viel Spaß mit dem Kapitel ❤️

Am Mittwochmorgen machte ich mich für die Arbeit zurecht. Mein Krankenschein ging bis gestern und obwohl mir etwas mulmig zumute war, freute ich mich wieder auf meine Arbeit. Zuhause rumsitzen und nichts zu tun war einfach nichts für mich.

Adrian hatte mehrmals versucht mich anzurufen, doch ich hatte nicht abgenommen. Geschrieben hatte er mir ebenfalls und auch darauf hatte ich nicht reagiert. Es tat mir in der Seele weh und ich ertrug es kaum, doch Elli zuliebe würde ich alles tun. Auch wenn sie nichts dergleichen von mir verlangte.

Elli wünschte mir einen schönen Tag und versicherte mir, sie würde jederzeit erreichbar sein. Vielleicht war das auch nötig, denn in den letzten Nachrichten von Adrian konnte ich förmlich spüren, wie wütend er war, dass ich mich mit keinstem Wort meldete.

Das schwarze Auto vor meiner Tür, in dem mit Sicherheit Nate saß, ignorierte ich geflissentlich und lief zu dem zivilen Auto der Officer. Wir hatten eine neue Auflage bekommen, dass wir längere Wege in Polizeibegleitung zurücklegten.

Im Büro angekommen stellte ich erleichtert fest, dass Adrian noch nicht da war. Zufrieden setzte ich mich und strich über meinen Schreibtisch. Ich hatte das Arbeiten mehr vermisst, als mir klar war.

Zunächst arbeitete ich einige Mails ab und sah in meinen Terminkalender. Heute musste ich Gott sei Dank nicht an Meetings teilnehmen, also hatte ich einen eher ruhigen Tag vor mir. Einige Minuten später rief ich Melissa an.

„Es ist schön, dass du wieder da bist", sagte sie und ich hörte die Aufrichtigkeit in ihrer Stimme. „Der Boss hatte in letzter Zeit ganz schön schlechte Laune. Das bessert sich dann hoffentlich ab morgen."

„Ab morgen?", fragte ich verwirrt.

„Er arbeitet heute im Home Office. Hat er gestern mit einer Miene angekündigt, die den Teufel das Fürchten lehrt", kicherte Melissa.

Dass Adrian Home Office machte, ließ mich stutzig werden. Er ließ es sich eigentlich durch nichts nehmen, im Büro aufzuschlagen und alle herumzukommandieren. Aber mir sollte es ganz recht sein, da es für mich hieß, dass ich mich erst ab morgen mit seiner schlechten Laune herumschlagen musste. Ich redete noch einige Minuten mit Melissa, bevor ich auflegte, um mich meiner Arbeit zu widmen.

Eine Stunde später dachte ich, eine Bombe wäre in meinem Büro eingeschlagen. Die Tür wurde so stark aufgerissen, dass sie gegen die Wand knallte und dort mit ziemlicher Sicherheit eine Kerbe hinterlassen hatte. Nur mit viel Mühe konnte ich einen Aufschrei unterdrücken.

„Wieso gehst du mir aus dem Weg?", knurrte Adrian und sah mich wütend an. „Wenn du genug hast, schön! Aber dann hab wenigstens den Anstand und sag es mir!" Er stemmte seine Hände auf den Tisch und seine Augen blitzten. Er sah nicht gut aus. Adrian hatte tiefe Augenringe und hatte sich wohl seit Tagen nicht mehr rasiert. Sein Hemd war zerknittert, als ob er es schnell aus der Wäsche geschnappt und übergestreift hatte.

„Ich dachte, du bist im Home Office", sagte ich, nachdem ich meine Stimme wiedergefunden hatte.

„Das war ich. Stell dir vor, wie überrascht ich war, als ich durch Melissa zufällig erfahren habe, dass du wieder arbeitest", knurrte er. „Weißt du eigentlich, was ich mir für Sorgen gemacht habe? Du reagierst weder auf Anrufe noch auf Nachrichten, nicht mal auf E-Mails. Die verdammten Polizisten haben mich nicht durchgelassen, als ich zu dir wollte. Stell dir vor, sie haben mir gesagt, dass ihr beide von niemandem Besuch haben möchtet. Was zum Teufel ist passiert, Gianna?"

Ich schluckte. Nachdem ich seine Worte verarbeitet hatte, fühlte ich mich hundsmiserabel. Erst jetzt realisierte ich, was ich Adrian durch mein Ignorieren angetan hatte.

„Du hast Recht, ich hätte dir sagen sollen, dass mir das alles zu viel wird", sagte ich und sah auf meine Finger. „Das war nicht fair dir gegenüber, entschuldige."

„Und wieso?", wollte er wissen.

„Wieso was?", erwiderte ich.

„Ich will wissen, wieso du mich abservierst. Hast du jemanden kennengelernt?" Mit nun verschränkten Armen taxierte Adrian mich finster.

„Nein, habe ich nicht. Nicht, dass es dich was angehen würde", murmelte ich leise vor mir hin.

„Es geht mich nichts an?", schnaubte Adrian. „Ich dachte, wir wären Freunde, Gianna. Ich hab dich ins Krankenhaus gebracht, bin nicht einen Moment von deiner Seite gewichen, hab dich getröstet und mit dir gelacht. Ich dachte, es wäre mehr wert. Ich dachte, dir wäre es mehr wert."

Ich spürte, wie mir die Tränen kamen. Verdammt, und wie viel mehr wert er mir war. Doch ich durfte nicht so dumm sein, zu denken, dass die Polizei alles regeln würde. Das hatte ich schon mal getan und war damit übel auf die Nase gefallen. Außerdem musste ich an Elli denken. Unmöglich konnte ich egoistisch sein, was sie anging, nicht, da sie so viel für mich geopfert hatte.

„Ich wollte dich nie verletzen, Adrian, es tut mir wirklich leid", sagte ich und versuchte mit aller Kraft, meine Tränen zurückzuhalten.

„Ich glaube dir nicht."

Verzweifelt schloss ich die Augen. Mein Herz machte einen Hüpfer, da er mich anscheinend mittlerweile so gut kannte, dass er wusste, wenn ich log.

„Ich werde mich nicht weiter rechtfertigen, Adrian", sagte ich leise. „Bitte. Mach es nicht noch schwerer."

„Was nicht schwerer machen?" Ich hörte das Misstrauen in seiner Stimme. „Was ist passiert, Gianna? So bist du nicht, das würdest du niemals tun."

„Dann kennst du mich wohl ziemlich schlecht", sagte ich mit kühler Stimme und spürte gleichzeitig, wie mein Herz bei meinen Worten in tausend Stücke zerbrach. Wenn er nicht in der nächsten Minute mein Büro verlassen würde, würde ich mich vor ihm in einen menschlichen Wasserfall verwandeln.

„Vielleicht hast du recht", sagte Adrian ebenfalls kalt. „Ich sollte meine Wahl für die Abteilungsleitung wirklich nochmal überdenken bei mangelnder Persönlichkeit."

Ich zuckte zusammen. Das hatte wirklich wehgetan. Gegen meinen Willen schaute ich auf und begegnete seinem eiskalten Blick.

„Das ist deine Firma, Adrian. Wenn du mich hier nicht haben willst, ist das deine Entscheidung", sagte ich und merkte, wie meine Stimme zu brechen begann.

Er sah mich mit einem kühlen Blick an, doch ich bemerkte seinen Argwohn. „Sie sollten sich vielleicht wirklich nach anderweitigen Angeboten umsehen, Miss Maxwell. Ich bekomme den Eindruck, dass Sie für meine Firma untragbar werden." Mit diesen Worten drehte er sich um und verließ mein Büro, ohne zurückzublicken.

Mir war klar, dass ich ihn durch mein Verhalten sehr verletzt hatte, doch er hatte mich nicht weniger verletzt. Ich hatte nicht erwartet, dass die ganze Situation Einfluss auf meinen Job nehmen würde, aber da war ich anscheinend wirklich blauäugig gewesen.

Ich wusste nicht recht, ob er erwartete, dass ich sofort meine Sachen packen und gehen würde, daher rief ich Melissa an.

„Sag mal, hat Adrian dir gegenüber etwas wegen einer Kündigung erwähnt?", fragte ich vorsichtig.

„Hm, nein, aber ich schaue kurz in meine Mails", sagte Melissa und ich hörte, wie sie auf der Tastatur tippte. „Um wen geht es denn?"

„Um mich", sagte ich resigniert.

„Bitte?", hustete sie. „Wieso das denn?"

„Wir haben uns ziemlich gestritten und ich weiß nicht, ob ich das jetzt als Kündigung interpretieren soll", sagte ich. „Deswegen frage ich bei dir nach."

„Nein, ich hab nichts dergleichen gehört. Was Kündigungen angeht, ist der Boss ziemlich zielstrebig, wenn wir es mal so nennen. Dabei fackelt er nicht lange und normalerweise drückt er sich sehr deutlich aus, also denke ich mal nicht, dass seine Worte so gemeint -"

Die Leitung brach ab. Verwundert starrte ich auf den Hörer und stand auf, um zu Melissa nach vorn zu gehen. Ich öffnete meine Bürotür und wurde sofort ins Zimmer zurückgedrängt. Erschrocken taumelte ich ein paar Schritte rückwärts. Adrian baute sich finster starrend vor mir auf.

„Ich bin wahnsinnig wütend auf dich, Gianna, so wütend, dass ich förmlich an die Decke gehen könnte. Aber das gerade eben war keine Kündigung", knurrte er. „Du machst einen guten Job und bist für mein Unternehmen Gold wert. Ich hab Mist gesagt, okay?"

„Ich - okay", stammelte ich verwundert und erleichtert zugleich. Es wäre wirklich schrecklich gewesen, hätte ich gehen müssen.

„Ich würde dir niemals kündigen und ich hoffe, dass ich ebenfalls in den nächsten Tagen nichts dergleichen auf meinem Schreibtisch sehen werde", sagte er.

Ich schüttelte den Kopf, unfähig, etwas zu sagen.

„Was habe ich getan?", fragte Adrian plötzlich.

„Ich verstehe nicht - du hast nichts getan, Adrian", sagte ich und sah ihn schuldbewusst an. „Es liegt nicht an dir."

„Komm mir nicht mit dem Scheiß", fluchte Adrian. „Es liegt nicht an dir, es liegt an mir - wer's glaubt! Sei verdammt nochmal ehrlich zu mir, das hab ich verdient."

Er hatte recht. Adrian hatte wirklich die Wahrheit verdient, doch ich konnte Elli nicht in Gefahr bringen.

„Adrian, ich kann mit dir darüber nicht sprechen. Ich will dich nicht verletzen und ich will das nicht tun, aber ich kann nicht anders." Flehentlich sah ich ihn an.

„Wieso kannst du nicht anders? Bedeutet dir das alles hier gar nichts?", spuckte er aus und sah mich zornig und verletzt zugleich an.

„Mehr als du ahnst", murmelte ich. Eine Sekunde danach bereute ich meine Worte und ich war wütend auf mich selbst.

„Was heißt das?", fragte Adrian nach und machte einen Schritt auf mich zu.

„Kannst du bitte gehen?" Ich sah aus dem Fenster und suchte verzweifelt etwas, worauf ich mich konzentrieren konnte, um ihm nicht in die Augen sehen zu müssen.

„Nein. Was heißt das?" Adrian machte noch einen Schritt auf mich zu und drehte mein Gesicht mit einer Hand zu ihm. Ich starrte ihm auf die Brust. „Sieh mich an, Gianna."

Ich blickte hoch in seine Augen und meine Knie wurden weich. Sein Blick machte mich fertig und sorgte dafür, dass mein Unterleib zu pochen begann.

„Was heißt das?", fragte Adrian mit mehr Nachdruck.

„Du siehst uns als Freunde, Adrian." Betreten schaute ich erneut auf seine Brust.

„Was ist so verkehrt - oh." Er ließ mein Kinn los und wich einen Schritt zurück.

Das war mir Antwort genug. Schnell drehte ich mich um, damit er nicht sah, dass mir die Tränen nur so über die Wangen strömten.

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