26. Kapitel
Am nächsten Morgen stand ich früh auf. Ich war motiviert und gut gelaunt, dass ich endlich wieder zur Arbeit gehen konnte. Ich zog mir hübsche Unterwäsche an und war gerade dabei, meine Strumpfhose die Beine hochzuziehen, als Elli in mein Zimmer kam. Sie pfiff anerkennend.
„Für wen machst du dich denn so schick?", neckte sie mich.
„Ich hab einfach gute Laune", antwortete ich lächelnd.
„Oder die Hoffnung, dass Adrian dich in der Mittagspause ein wenig befummelt?" Ich lief rot an, woraufhin Elli kicherte. „Mach nur, hab deinen Spaß. Ich hoffe aber, er ist ein guter Kerl, denn du bist auf dem besten Weg, dich in ihn zu verlieben."
Ich verdrehte nur die Augen. Ich war nicht in Adrian verliebt und er auch nicht in mich. Wir genossen einfach unsere Gesellschaft.
Ich zog mir ein enges Kleid an, welches einen geschlossenen Kragen hatte, aber ärmellos war. Dazu lockte ich meine Haare und schminkte mich dezent. Als ich mich im Spiegel ansah, war ich richtig stolz, dass ich so etwas aus mir hervorbringen konnte.
„Wow. Na wenn ihn das nicht von den Socken haut, ist er wohl blind", staunte Elli, die bereits im Wohnzimmer an ihrem Laptop saß.
Ich lächelte, während ich mir meinen Trenchcoat schnappte und ihn zuknöpfte.
„Bis später", verabschiedete ich mich von Elli und ging die Treppen hinunter. Meine Absätze hallten im Flur wider. Als ich die Haustür hinter mir schloss, erblickte ich bereits Nate, der mich erwartete. Ein leises Gefühl der Enttäuschung machte sich in meinem Bauch breit, da ich insgeheim gehofft hatte, dass Adrian mich abholen würde.
„Guten Morgen, Gianna. Wieso so aufgehübscht heute?", begrüßte mich Nate, während er mir die Autotür öffnete.
„Das impliziert ja schon fast, dass ich sonst hässlich aussehe", lachte ich, sobald er im Auto saß.
„Das hast du auch richtig verstanden", antwortete Nate und ich warf ihm einen vernichtenden Blick zu, woraufhin er zu lachen begann.
Mit Nate konnte man einfach nicht anders als Späßchen zu machen. Daher waren die Fahrten mit ihm auch immer lustig.
In der Firma angekommen begleitete mich Nate nach oben, da er zu Adrian musste, um etwas mit ihm zu besprechen.
„Morgen", begrüßte ich Adrian und ging direkt durch in mein Büro. Ich konnte es wirklich kaum erwarten, dass ich endlich meine eigene Tür bekam.
Ich hörte, wie Adrian und Nate nebenan ein Gespräch begannen. Ich kümmerte mich nicht weiter darum, sondern fuhr meinen Computer hoch und hing meinen Mantel an den Haken an der Tür.
Ich druckte mir einige wichtige Unterlagen aus, die Adrian mir unterschreiben musste, packte sie in einen Aktenordner und ging hinüber in Adrians Büro.
Nate war bereits wieder weg und Adrian arbeitete am Schreibtisch.
„Ich bräuchte bei einigen Papieren deine Unterschrift. Hast du gerade Zeit oder soll ich sie dir hier liegen lassen?", fragte ich.
„Lass sie liegen." Adrian schaute nicht auf, also musste er wohl viel zu tun haben. Gerade, als ich die Akte auf den Schreibtisch gelegt hatte blickte er auf und legte augenblicklich den Stift weg. „Was glaubst du eigentlich, was du da anhast?"
„Ein Kleid, oder nicht?", fragte ich verwirrt.
„Bist du noch bei Sinnen, das für die Arbeit anzuziehen?", fragte er geschockt und lockerte seine Krawatte.
Ich beugte mich ein wenig vor und stützte mich auf den Schreibtisch. „Dann sag ich dir wohl lieber nicht, was ich darunter trage." Einen kleinen Spaß durfte man sich ja zwischendurch wohl noch erlauben.
„Du beginnst gerade ein Spiel, dass du nicht beenden kannst, meine Kleine", warnte mich Adrian, bevor er sich zurücklehnte und meine Kleidung betrachtete.
„Ich fahre später. Wir fahren zu mir", sagte Adrian gerade, als ich mich abwenden wollte.
„Und was, wenn ich schon etwas vorhabe?", fragte ich und verschränkte die Arme vor der Brust. „Ich war mit John verabredet, wir wollten telefonieren."
Als Adrian mich anblickte, wich ich automatisch einen Schritt zurück. In seinem Blick lag so eine brennende Wut, dass sich auf meinem ganzen Körper eine Gänsehaut bildete. „Du denkst wohl, es ist eine gute Idee, mich mit solchen Scherzen auf die Palme zu bringen? Wenn ich sowas heute noch einmal von dir höre, leg ich dich später übers Knie, das verspreche ich dir." Adrian griff nach seinem Stift und nahm die Arbeit wieder auf, während ich nach Luft schnappte.
Ich drehte mich auf der Stelle um und flüchtete in mein Büro, damit er nicht seine Meinung ändern und sein Vorhaben hier in die Tat umsetzen konnte.
Obwohl ich heute Morgen so motiviert war, schien es mir, als würde der restliche Tag unglaublich langsam vorbeigehen. Nicht nur einmal ertappte ich mich dabei, dass ich mir bereits den Feierabend herbeisehnte. Ich schob es darauf, dass ich unglaublich neugierig war, wie Adrian privat lebte.
Ich schickte Elli eine Nachricht, damit sie sich keine Sorgen machte und hinterließ auch bei der Polizei eine Nachricht, damit sie nicht dachten, ich wäre entführt worden.
Als ich mich richtig in die Arbeit hineinstürzte, merkte ich, dass es doch mehr zu tun gab, als es zunächst den Anschein machte. Deswegen war ich überrascht, als es klopfte und Adrian eintrat.
„Du machst jetzt Feierabend, Gia. Das war genug für einen Tag. Wir haben schon 18:30 Uhr und du bist immer noch am arbeiten", sagte er und nahm meinen Mantel in die Hand, während ich die Programme schloss und den Computer herunterfuhr.
Adrian half mir in den Mantel und knöpfte ihn bis zum letzten Loch zu, bevor er ihn in der Mitte zuband. „Damit auch niemand auf falsche Gedanken kommt, wenn du hier so aufreizend rumläufst."
„Als würde es sich jemand trauen, mich anzusprechen, wenn du neben mir stehst und jeden mit deinen Blicken auffrisst", kicherte ich.
Adrian griff in den Stoff meines Mantels und zog mich so ruckartig zu sich, dass ich gegen seine Brust stolperte. „Vorsicht", sagte er leise in mein Ohr. „Man könnte meinen, du legst es heute wirklich drauf an, mich zu provozieren."
Ich sah ihn mit einem Hundeblick an. „Niemals."
Adrian lächelte und schon mich aus seinem Büro hinaus.
Wir begaben uns schweigend auf den Weg zu seinem Auto. Erst als wir auf den belebten Straßen New Yorks fuhren, fand ich meine Stimme wieder.
„Wo lebst du eigentlich?"
„Du wirst es gleich sehen", sagte Adrian und legte eine Hand auf mein Bein. „Ich habe ein Apartment in der Stadt, falls ich mal länger arbeite und ein gemütliches Haus außerhalb der Stadt."
„Wo fahren wir hin?", fragte ich neugierig.
„Zum Haus. Ich sehne mich nach meinem Kamin", scherzte er.
Ich liebte Kamine abgöttisch. Sie verliehen einem Haus einen ganz anderen Flair und erzeugten immer eine gemütliche Atmosphäre.
„Wir gehen morgen übrigens nicht in die Firma. Wir können ein bisschen länger schlafen, wir treffen uns nämlich mit einigen Geschäftspartnern zum Brunchen", erklärte er mir.
„Aber ich hab gar nichts zum Anziehen", wandte ich ein.
„Ich hab alles zu mir bringen lassen. Ich möchte, dass du heute bei mir schläfst, Gia. Natürlich nur, wenn du möchtest", fügte er hinzu.
„Gern." Ich lächelte. Nun freute ich mich umso mehr auf den Abend.
Bạn đang đọc truyện trên: AzTruyen.Top