18. Kapitel

„Du glaubst doch nicht, dass du so mit mir reden kannst, oder etwa doch Gianna?"

„Sind wir jetzt wieder per Du?", antwortete ich und überschlug meine Beine.

„Ich weigere mich, dich zu Siezen, nachdem du meinen Namen geschrien hast, während ich dich zum Orgasmus gebracht habe", gab Adrian zurück und plötzlich leuchteten seine Augen auf.

Eine leichte Röte schoss mir ins Gesicht. „Was das angeht, wäre es mir sehr lieb, wenn wir das vergessen könnten."

Adrian lachte rau auf. Dieses Lachen fuhr direkt in meine Mitte und ließ sie zucken. Verräterin. „Nein. Ich habe dir lange genug Zeit gegeben, um selbst deinen Fehler einzusehen. Du hast mich nur von dir gestoßen, weil du Angst hast. Du kannst es dir nicht eingestehen, dass du dich zu mir hingezogen fühlst. Aber ich kann es mir eingestehen. Ich fühle mich zu dir hingezogen und würde dich gerade in diesem Moment am liebsten gegen die Fensterfront ficken." Mit jedem Wort, was seinen Mund verließ, wurde ich immer röter. Ich musste aussehen wie eine Tomate. „Ich werde nicht aufhören, Gianna, bis du dir eingestehst, dass du mich willst und es zulässt."

„Du kannst mich zu nichts zwingen", protestierte ich und könnte vor Wut gegen die Wand schlagen, dass meine Stimme so zittrig klang.

„Das brauche ich gar nicht. Du wirst von alleine zu mir kommen, wenn du es nicht mehr aushältst", grinste Adrian. Selbstverliebter Sack.

„Ich bin wegen den Ergebnissen hier", sagte ich und spürte, wie meine Nervosität zurückkam.

„Ach, stimmt", sagte Adrian, als wäre meine Prüfung nur Nebensache des Gesprächs. „Du hast bestanden. Herzlichen Glückwunsch, Liebes."

Innerlich jauchzte ich vor Freude, doch äußerlich versuchte ich professionell zu bleiben und setzte ein etwas breiteres Lächeln auf.

„Damit steht deiner Beförderung nichts mehr im Wege. Allerdings habe ich dir eine winzig kleine Veränderung mitzuteilen", sagte er und in seinen Augen blitzte etwas Belustigung auf.

„Wenn du mich zu deiner Assistentin machen willst, lautet die Antwort Nein", sagte ich vorweg, bevor Adrian zu Wort kommen konnte.

„Schade. Das hätte durchaus auch etwas Gutes. Wieso bin ich da nur nicht drauf gekommen?"

Erleichtert atmete ich aus.

„Ich möchte mit dir eine neue Stelle erschaffen. Vielleicht auch eine neue Abteilung, mal sehen, was sich so ergibt. Mir fehlt grundsätzlich die Kommunikation zwischen den einzelnen Fachabteilungen. Würde die flüssig laufen, wären wir viel effizienter und vor allem zeitsparender. Ich traue dir durchaus zu, eine Abteilung zu leiten, daher würde ich gerne versuchen, ein paar Leute für Korrespondenzangelegenheiten zusammenzustellen. Würdest du dir die Leitung zutrauen?"

Ich musste schlucken. Eine ganz neue Abteilung auf die Beine zu stellen wäre mit Sicherheit kein Zuckerschlecken, aber auch eine große Chance.

„Prinzipiell ja, aber für den Anfang bräuchte ich auf jeden Fall Unterstützung, da ich dann einiges dazulernen müsste", antwortete ich nach kurzer Nachdenkzeit.

„Natürlich wirst du Unterstützung bekommen. Für Genaueres kannst du dich an Steve wenden, ich habe mit ihm schon einiges für das Projekt besprochen und er kennt sich gut aus. Er soll dir ein paar Sachen erzählen."

„Werden sich nicht alle wundern, wieso ich auf einmal auf so eine hohe Stelle rutsche? Ich will nicht, dass Gerüchte in der Firma kursieren", dachte ich laut.

„Gianna, es ist mir komplett egal, wo welche Gerüchte kursieren. Wenn ich mein Leben nach dem richten würde, was andere über mich sagen, wäre ich jetzt nicht da wo ich bin. Es ist mir also egal, ob sie sagen, du hättest dich hochgefickt. Und ich will das nochmal deutlich machen, du wirst nicht befördert, weil ich dich gerne im Bett haben würde. Du wirst befördert, weil du verdammt gute Arbeit leistest."

Ich konnte nicht anders als mich von dem Kompliment etwas geschmeichelt zu fühlen. „Danke."

„Keine Ursache, Liebes. Allerdings gibt es einen Haken. Du musst dich sofort entscheiden und den Vertrag unterschreiben. Sonst wird es ziemlich schwer, die Berater bei Laune zu halten. Heute ist der letzte Tag, bevor die Frist abläuft", sagte er mir.

„Ich weiß nicht, das ist mir ehrlich gesagt zu überstürzt. Wieso hab ich nicht vorher davon erfahren?", sagte ich zweifelnd. Wenn ich mich jetzt entscheiden müsste, hätte ich nicht mal genug Zeit, den Vertrag vernünftig zu lesen, geschweige denn mit Steve über den Plan zu sprechen.

„Das ist mir bewusst. Und ich habe dir nicht eher etwas gesagt, weil du in den letzten Tagen in London sowieso zu allem Nein gesagt hättest, was aus meinem Mund kommt. Ich lasse dir den Vertrag hier liegen, damit du ihn in Ruhe lesen kannst. Wenn du fragen hast, dann frag einfach", sagte Adrian und holte von seinem Schreibtisch einen Haufen Blätter, den er mir über den Tisch schob.

„Lass dir Zeit. Willst du ein Glas Wasser?", fragte er mich.

Verwirrt sah ich von den Papieren auf. „Soll ich den Vertrag hier lesen?"

„Natürlich, wo denn sonst?", schmunzelte Adrian.

An meinem Schreibtisch vielleicht? „Ich kann mich nicht konzentrieren, wenn mich jemand die ganze Zeit anschaut", sagte ich, während ich auf die Blätter sah.

„Ich habe noch Einiges an Arbeit zu erledigen, ich werde wohl kaum Zeit haben, dich anzuschauen, obwohl ich das sehr gerne tun würde." Eine Reihe weißer Zähne blitzten auf, als er grinste.

Etwas widerwillig willigte ich ein. Ich hatte die Dicke des Vertrages deutlich unterschätzt. Es gab so viele Seiten mit den verschiedensten Klauseln, dass mir bereits nach 20 Minuten der Kopf schwirrte.

„Die letzten zehn Seiten kannst du dir übrigens sparen, das sind genau die gleichen wie in deinem jetzigen Vertrag", warf Adrian zwischendurch ein. Dankbar lächelte ich ihm zu. Mein Kopf stand kurz davor, zu explodieren.

Kurz bevor die Mittagspause beendet war, war ich fertig. Zugegebenermaßen hatte ich nichts gefunden, was mir suspekt vorkam. Auch die letzten zehn Seiten hatte ich überflogen, weil mir unterschwellig der Verdacht kam, dass er eine gemeine Klausel dazwischengemogelt hatte.

„Und? Hast du Sexklauseln gefunden?", fragte Adrian mich belustigt, als ich den Kopf hob. Ich errötete etwas. „Gia, ich führe ein renommiertes Unternehmen, meinst du, ich riskiere meine gesamte Zukunft, um dir Sexklauseln unterzujubeln?"

„Nein, ich ... das hab ich auch nicht gedacht", sagte ich leise und schämte mich ein wenig für meine Vermutung. Adrian schmunzelte wissend.

„Was sagst du?" Etwas ernster richtete er sich in seinem Stuhl auf.

„Ich hab nichts gefunden, was dagegen sprechen würde", antwortete ich langsam.

„Aber du bist dir trotzdem nicht sicher", schlussfolgerte Adrian.

„Natürlich nicht. Das ist viel zu kurzfristig. Ich würde gerne mit Steve darüber sprechen und mir das alles auch nochmal durch den Kopf gehen lassen. Ich mag meine Abteilung und ich weiß nicht, ob ich schon wirklich bereit bin, eine eigene zu führen", sprach ich meine Zweifel aus.

„Du kannst es nicht wissen, da du sowas noch nie gemacht hast. Aber Liebes, mir gehört ein Unternehmen und glaub mir, wenn ich dir sage, dass du dazu bereit bist. Denkst du, ich würde dir eine Abteilung in den Schoß legen, wenn ich mir nicht vollkommen sicher wäre?"

Tief atmete ich durch. Das alles klang ziemlich verlockend und trotzdem hatte ich ein mulmiges Gefühl.

„Es tut mir leid, aber du musst dich entscheiden. Ich brauche jetzt eine Antwort von dir, das Meeting beginnt in fünf Minuten", sagte Adrian und legte mir einen Stift hin.

Zögernd sah ich auf den edlen Stift.

„Unterschreibst du?"

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