12. Kapitel

Ich wälzte mich auf die andere Seite und sah auf die Uhr. 01:32 Uhr. Seit einer Stunde lag ich wach und rollte mich von einer Seite auf die andere.

Missmutig blickte ich meinen Wecker an und sah zu, wie er auf 01:33 Uhr sprang. Als ich an die morgige Weiterbildung dachte, könnte ich glatt anfangen, zu weinen. So müde, wie ich morgen sein würde, wäre es nicht einmal sinnvoll, die Weiterbildung überhaupt zu besuchen.

Ich schloss meine Augen und versuchte erneut, Schlaf zu finden. Eine halbe Stunde später schlug ich meine Augen auf und seufzte entnervt.

Wieso musste mich Adrian mit seinen Worten so durcheinander bringen? Ich hatte vorhin mit Elli telefoniert und sie war mehr als überrascht, dass ich es zugelassen hatte, dass mich ein Mann intimer berührte. Ihrer Meinung nach zu urteilen sollte das etwas bedeuten. Elli hatte mir wortwörtlich gesagt, dass ich zu ihm gehen und abwarten sollte, was er tun würde.

Es war verlockend, das gab ich zu. Doch wenn ich zu ihm gehen würde, würde ich mich wie ein Flittchen fühlen, das den Chef anbaggerte.

Ich setzte mich auf und schnaufte. Ich wusste nicht, was ich tun sollte. Ich wusste, wie Elli über die Situation dachte, doch andererseits traute ich mir nicht zu, meine Zurückhaltung zu überwinden.

Irgendwann fielen mir dann doch die Augen zu und es kam mir so vor, als hätte ich bloß fünf Minuten geschlafen, als mein Wecker klingelte. Müde blinzelte ich und befahl meinem Körper, aufzustehen. Wie gerne hätte ich mich einfach wieder umgedreht.

Auch die kalte Dusche half meinen Gemütern nicht auf die Sprünge, was sonst immer funktionierte. Als ich in den Spiegel sah, entdeckte ich dunkle Ringe unter meinen Augen. Na toll.

Eine halbe Stunde später war ich bereits auf dem Weg zur Weiterbildung. Nur mühsam hatte ich mein Frühstück verspeist. Der Wind hauchte mir wieder etwas Leben ein, doch die Müdigkeit konnte er nicht vollständig vertreiben.

„Lange Nacht?", zwinkerte John mir zu, als ich mich mürrisch dreinblickend auf den Stuhl neben ihm plumpsen ließ.

„Halt die Klappe", sagte ich murrend. Wenn ich nicht genug Schlaf bekam, konnte ich ziemlich unausstehlich werden.

„Hat dich dein Boss wachgehalten?"

„Wie bitte?" Entrüstet hob ich meinen Kopf und blickte John an.

„Du hast mich schon verstanden", meinte er und sah mich weiter auffordernd an.

„Nein und selbst wenn würde es dich absolut gar nichts angehen", knurrte ich und kramte einen Stift hervor, als der Dozent die Lektion begann.

Die Mittagspause verbrachten John und ich wie immer in einem Café. Dauernd stellte er mir Fragen, weshalb ich so müde war und wollte sich mit der Antwort, die ich ihm gab, nicht zufriedengeben.

„Zum allerletzten Mal", fauchte ich entnervt. „Ich konnte nicht einschlafen. Das passiert jedem mal und jetzt hör auf mich damit zu nerven!" Es war zwar nicht freundlich, doch wenigstens ließ er mich danach in Ruhe.

Zurück im Hotel wollte ich nur noch schlafen und doch zwang ich mich, zuerst meine Lernnotizen fertigzustellen.

Als ich fertig war, stellte ich mit einem Blick auf die Uhr fest, dass es eigentlich Zeit zum Abendessen war, doch ich war so müde, dass ich entschied, es einfach ausfallen zu lassen.

Wie ein Zombie bewegte ich mich auf das Bett zu und ließ mich hineinfallen. Sekunden später war ich bereits im Reich der Träume.

Ein dumpfes Geräusch, welches immer lauter wurde, riss mich aus meinem Schlaf. Verschlafen hob ich den Kopf und stellte fest, dass dieses Geräusch ein Klopfen an meiner Zimmertür war.

Ich schlurfte zur Tür und öffnete sie. „Was ist?", sagte ich gereizt. Wenn ich nicht geweckt worden wäre, hätte ich bestimmt bis morgen früh durchschlafen können.

„Wo bist du gewesen?" Zornig sah Adrian mich an.

„Wie wo bin ich gewesen? Ich wusste nicht, dass ich mich bei dir abmelden muss, um zur Weiterbildung zu gehen", giftete ich zurück.

„Ich spreche von gestern Nacht, Gianna. Wo bist du gewesen?", fragte Adrian erneut und trat in mein Zimmer, während er der Tür mit dem Fuß einen Stoß versetze, sodass sie ins Schloss fiel.

„In meinem Zimmer natürlich, wo sonst", gab ich zurück.

„Hab ich dich nicht aufgefordert, die Nacht bei mir zu verbringen?" Er sah mich immer noch wütend an.

„Ich lasse mich nicht behandeln wie eine Edelnutte", zischte ich und verschränkte die Arme vor der Brust. „Glaub ja nicht, dass ich sofort springe wenn du rufst."

Ich täuschte mich bestimmt, doch für den Bruchteil einer Sekunde konnte ich flammenden Zorn in seinem Blick wahrnehmen.

„Wenn ich dir sage, dass du zu mir kommen sollst, dann tust du das. Ich bin dein Chef", fuhr er mich an.

„Ich bin mir sicher, dass es sich letzte Nacht nicht um geschäftliche Dinge gehandelt hätte", antwortete ich eisig. Ich wusste nicht, woher auf einmal meine Schlagfertigkeit kam, doch ich wollte sie nicht missen. Offenbar kam Adrian der gleiche Gedanke.

„Wieso sehe ich auf einmal keinen einzigen Funken Schüchternheit mehr in dir?", fragte er und sah mich mit schräg gelegtem Kopf an.

„Weil du mich wütend machst, ganz einfach. Übrigens musst du nicht wie ein Bescheuerter gegen meine Tür hämmern, sodass der ganze Gang dich hört. Willst du noch was von mir?", fragte ich genervt. „Wenn nicht, wär es sehr nett, wenn du wieder gehen könntest, ich hatte gerade einen sehr schönen Traum, den du unterbrochen hast."

„Ich hoffe doch wohl nicht von diesem John", knurrte Adrian plötzlich auf.

„Und was wenn? Was willst du dagegen machen? Was geht es dich überhaupt an? Ich -"

So schnell, wie Adrian mich gepackt und an die Wand gedrückt hatte, konnte ich gar nicht reagieren. Seine kräftige Hand umschloss meinen Hals, doch ich bekam problemlos Luft.

„Ich warne dich ein letztes Mal, Gianna, spiel nicht mit mir und provozier mich nicht. Das endet nicht gut." Er war mir so nah gekommen, dass ich seinen Atem auf meiner Haut spüren konnte.

„Lass mich los", krächzte ich nervös, da ich mich kein bisschen rühren konnte.

Adrian löste seine Hand von meinem Hals und sah mich mit einem unergründlichen Blick an. „Wenn du nur wüsstest, was du mit mir anstellst ..."

Mit einem Ruck stieß er sich von der Wand ab und hatte den Türgriff in der Hand. „Zieh dir was an und komm zu mir. Und ich warne dich, wenn du nicht kommst, werde ich dafür sorgen, dass du eine Woche lang nicht sitzen kannst."

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