Kapitel 45
"Spinnst du?", fuhr ich Niall an. Es war ja mal absolut typisch, dass er die Tür zufallen ließ. Das war alles seine Schuld. Niall zog eine Augenbraue hoch, sagte aber nichts. Stattdessen betrachtete er gleich darauf eingehend die Balkontür. "Wieso sollte ich spinnen?", fragte er schließlich. "Tu nicht so", zischte ich. Ich versuchte die Tür von draußen aufzustoßen, vergeblich. Sie besaß keinen Henkel und der Wind hatte sie so fest zugeschmissen, dass sie sich keinen Millimeter bewegte. Niall ging mir auf die Nerven. Schade, dass ich die Pistole, die er mir überlassen hatte, nicht mit nach draußen genommen hatte. "Wenn wir wieder rein kommen, kriegst du die Pistole zurück. Scheiß' drauf, was du damit anstellst." Bevor er darauf etwas erwidern konnte, tönte ein Kläffen durch die Balkontür. Wodka stand auf der anderen Seite. Sein Hundemaul war zu einem Grinsen verzogen. "Du brauchst gar nicht erst so zu grinsen", murmelte ich. Dann sah ich mich auf dem Balkon um. Zuvor hatte ich das nämlich nicht getan, immerhin war ich nicht davon ausgegangen, mit Niall hier zu verenden. Der Balkon war niedlich. Wäre ich in Begleitung einer anderen Person gewesen, hätte es sicherlich romantisch sein können. Neben den Kartons, die ich auf dem Boden ausgebreitet hatte, stand ein kleiner Tisch umringt von zwei Plastikstühlen. Darauf wurde eine Blumenvase platziert.Bei genauerem Betrachten fiel mir auf, dass Plastikblumen darin standen. Sehr raffiniert. Ich hob den Kopf um mir das Dach über uns anzuschauen. Zwar befanden wir uns im obersten Stockwerk des Hauses, doch der Balkon besaß trotzdem ein kleines Dach. Eine ziemlich mitgenommen aussehende Lampe leuchtete. Grant hatte sie bestimmt seit Ewigkeiten nicht aus gestellt, weswegen sie nicht mehr lange brauchen würde bis sie den Geist aufgab. Seufzend knotete ich die Decke enger um mich. Ich hatte keine Ahnung, wie wir wieder rein kommen wollten.
Die Tür hatte außen keinen Griff und innen gab es nur Wodka, der vielleicht schlau, aber nicht groß oder fähig war eine Tür zu öffnen. Außerdem tippte ich darauf, dass er es genoss, meine Misere zu beobachten. Eine Sekunde überlegte ich, hinab zu springen. Also, ein Bein über das Balkongeländer zu schwingen, danach das andere, die Decke auszubreiten wie einen Umhang und Supermanmäßig nach unten zu fliegen - obwohl das eher ein kurzes Vergnügen gewesen wäre. Genauso gut hätte ich Nialls Seele besuchen und mich von den Nebelschwaden in die Tiefe schubsen lassen können.Der Adrenalinkick wäre in etwa gleich gewesen. Ich setzte mich zurück auf den Boden - wenigstens war dort eine Art Teppich ausgebreitet worden - und war im Inbegriff, Niall zu ignorieren, sowie die nächste Kiste zu durchwühlen, als er sich neben mich plumpsen ließ. "Da drüben sind Stühle", sagte ich und wiederlegte somit mein Vorhaben, ihn zu ignorieren. Auf diesem engen Raum konnte ich das sowieso gleich vergessen. Er sollte sich von mir fern halten. "Ich sitze aber lieber auf dem Boden", gab er zurück. Klar, und ich war ein waschechtes Marsmännchen. Sah er denn nicht meine grüne Haut und die Fühler?
"Also, Ruby, wo steckt denn Grant?" Fast beiläufig hob er den Deckel des Kartons an und lunste hinein. "Wieso sollte dich das interessieren?" Er stutzte. Der Inhalt des Kartons musste interessant sein. Aus diesem Grund nahm ich ihm den Deckel aus der Hand und warf ebenfalls einen Blick hinein. Das gab es nicht. "Vielleicht, weil er der einzige ist, der uns befreien kann?" Nialls Stimme klang weit weg. So weit weg, obwohl wir uns so nahe waren. "Er wurde verhindert", röchelte ich. Meine Stimme versagte, weshalb ich nicht weiter sprechen konnte. Ich schnappte mir das oberste Foto. Davon war die Rede gewesen. Grant hatte gewollt, dass ich diese Fotos fand. Nicht die von ihm und seiner Tochter oder von ihm und meiner Englischlehrerin. Auch nicht die Babyspielzeuge. Meine Hand begann zu zittern. Er wollte mir zeigen, dass er die Wahrheit sagte. Vermutlich hatte er nicht gewusst, wie ich reagieren würde. Denn hätte er es gewusst, hätte er mich nie in diese Situation gebracht. Dachte ich zumindest. "Wer ist das?", fragte Niall. Er rutschte näher an mich heran und ausnahmsweise war ich ihm dafür dankbar. Mein Zittern hörte nicht auf, stattdessen verstärkte es sich nur noch. Niall deutete auf den Mann, dessen Haar meinem verwechselnd ähnelte. Eines seiner Ohren war sichtbar, zeigte mehrere kleine Muttermale, die ich sofort mit meinen eigenen identifizierte. Neben ihm stand eine Frau, deutlich kleiner, mit großen Augen, die dank dem schwarz-weiß des Bildes grau wirkten. Aber ich war mir auch so sicher, dass sie es in Wirklichkeit tatsächlich waren.
Beide trugen Klamotten, die man heutzutage nicht mal mehr auf einem Kostümfestival anziehen würde. Sie, eine Bluse, die in einem engen Bleistiftrock steckte, dazu eine grässliche Pilotenmütze. Er, eine Latzhose und darunter ein kariertes Hemd. Die Frau hatte diese berühmte Marylin Monroe Frisur und grinste glücklich in die Kamera und da erst fiel mir ihr Bauch auf, der sich deutlich durch die Bluse wölbte. "Das sind meine Eltern", flüsterte ich. Ich zweifelte daran, dass er meine Stimme hörte, so leise sprach ich. Diese beiden Menschen waren unverkennbar die beiden, die mich gezeugt hatten, die beiden, die diesen Fehler begingen und laut Grant niemals in einem Bett hätten schlafen sollen. Obwohl ich sie nicht sehr ausgeprägt in Erinnerung hielt, wusste ich, dass sie es waren. Niall löste das Foto aus meinem Griff und betrachtete es. Ich erwartete einen Kommentar. Doch er sagte nichts. Immer wieder wanderten meiner Gedanken zu den Fragen, die ich mir all die Jahre gestellt hatte. Wie sahen meine Eltern aus? Würde ich sie erkennen, wenn ich sie wiedersah? In diesem Moment wünschte ich mir nichts sehnlicher, als sie in Echt vor mir zu haben. Ich sehnte mich danach, Dads Hand zu ergreifen, ihn zu umarmen und dabei die Hände in seinen Haaren zu vergraben, die einfach exakt den meinen entsprachen. Ich träumte davon, meine Mum an mich zu ziehen, ihr die Marylin Monroe Frisur zu zerstören, gleichzeitig eine Jeans zu reichen und festzustellen, dass ich ihre Augenfarbe richtig eingeschätzt hatte.
Erst zu spät merkte ich, dass mir mehrere Tränen über die Wangen kullerten. Richtig geweint hatte ich noch nie. Ich erahnte früher nicht ein mal, was richtig zu weinen überhaupt bedeutete. Jetzt wusste ich es. Es fühlte sich an, als bekäme ich keine Luft. Alles in mir zog sich zusammen. Dabei bekam ich sehr wohl Luft. Allerdings fehlte ein Faktor, den ich gebraucht hätte um richtig atmen zu können. Meinem Herzen fehlte die Fähigkeit zu klopfen. Es war gebrochen.
Hello, say hello. Heute bin ich im Flow, obwohl ich dieses kap vor zwei Wochen geschrieben hab unso hahahaha. Ferien sind und werden immer was tolles sein. Naja momentan hab ich Schule, like most of you too. Übrigens teile ich euch mal mit, wie viele Kapitel bereits bestehen. 60. fucking unbelievable oder? Heute denglishforlife. So viel hab ich noch nie innerhalb von 1 1/2 Monaten geschrieben. Ende September hab ich angefangen nh. Okay ich laber too much xxx
Bạn đang đọc truyện trên: AzTruyen.Top