Kapitel 33
Seine Nähe verschaffte mir eine Gänsehaut auf den Armen und ein seltsames Gefühl in der Magengegend. Er stand fast so nah bei mir, dass er mich hätte berühren können. Kurz bevor seine Hände meine Taille berührten, hielt er inne. Ich atmete tief durch. Wieso wurde ich so nervös, nur weil er mich mal eben fast anfasste? Dieses Gefühl gefiel mir nicht. Das Gefühl der...Machtlosigkeit. Ich konnte mich nicht bewegen. Und das nicht aufgrund meiner Nervösität. Mein Körper reagierte nicht auf die Befehle, die ich ihm gab. "Was zum..", wisperte ich. Erschrocken wollte ich nach Luft schnappen, aber auch hierbei verlief nicht alles so wie ich es wollte. Er ließ die Hände auf meine Seite sinken. Jetzt grub er seine Fingerkuppen hinein, direkt in meine Taille. An den Punkt, an dem mich jemand aus dem Rauch gezogen hatte. Mein Körper wollte erschaudern, aber er konnte nicht. Gar nichts funktionierte!
"Hör mir mal zu, Prinzesschen." Nialls Stimme klang nicht länger gefühlskalt. Er klang sogar sehr sehr gefühlvoll. Insbesondere aufgebracht. Menschen, die so taten, als besäßen sie keine Gefühle, fühlten am meisten. Niall stellte das beste Beispiel dafür dar. "Ich weiß nicht, was mit dir nicht stimmt, aber du beendest deine Spionagemission auf der Stelle." Er hatte gemerkt, dass ich begann, ihn zu stalken? Blöder ging's nicht. Da half nur noch eins. Leugnen. "Wo liegt dein Problem?", presste ich unter zusammengekniffenen Zähnen hervor. Er fuhr mit den Fingern höher, überbrückte jede meiner Rippen einzeln. Es war schauderhaft und...schön zugleich. "Mein Problem?", raunte er in mein Ohr. "Ich soll ein Problem haben?" Allerdings. "Kerle wie du haben doch immer Probleme." Er drückte fester zu, schnitt mir für einen Moment die Luft ab. "Stopp", keuchte ich. Es tat mir weh. "Erläutere Kerle wie ich." Ich wollte schnauben, aber es ging nicht. "Unverschämt, frech, gemein, überzeugt von ihrem Ego, reden von sich in der dritten Person." Und gutaussehend.
"Ich bin immer noch der Meinung, dass du zu viel liest." Verzweifelt versuchte ich, seine Hände abzuschütteln oder mich in irgendeiner Art und Weise zu bewegen. "Warum?", hakte ich nach. Wieso fand er, ich las zu viel? "Weil es Kerle wie mich nicht gibt. Ich bin einzigartig." Ohja. Sowas hatte ich schon mal gehört. Jeder Kerl wie er dachte, er sei einzigartig. Dabei glichen sie einander wie ein Ei dem anderen. "Von wegen." Sein Mund war jetzt ganz nah an meinem Ohr. Ich spürte seinen Atem, der meinen Hals erwärmte. Er hatte aufgehört, zu versuchen mir die Rippen zu brechen. Welch ein Glück. "Ich bitte dich nur um einen Gefallen." Ein kleiner Kniff folgte noch. "Lass mich in Ruhe."
Er ließ von mir ab und ich krachte beinahe sofort in mich zusammen. "Weil ich auch dich angegriffen habe", grummelte ich, während ich mich darum bemühte, zumindest einen Teil meiner Rippen gerade zu rücken. Himmel, er hatte mich wirklich verletzt. Nicht nur körperlich. Seine Art war so seltsam, verrückt. Ich erinnerte mich an unseren Blicketausch im Unterricht, als es um das Thema Phänomen ging. Da schienen wir irgendwie eine Verbindung zu einander aufzubauen. Niall war ein Phänomen, so schmeichelhaft sich das anhören mochte. Er war außergewöhnlich, das stand fest.
Leider stand der Idiot noch vor mir, als ich mich aufrichtete. "Hättest du dich nicht wenigstens ein bisschen zurückhalten können? Ich wollte noch weiter leben." Er verzog die Lippen zu einem Lächeln, das weder seine Augen noch mich erreichte. "Das wirst du schon überleben." In dem Moment schien er abhauen zu wollen, doch ich hinderte ihn daran. Noch einmal kam er mir nicht davon. Ich griff nach seinem Handgelenk, was ihn scheinbar so sehr überraschte, dass er unaufmerksam war. Er drehte mir den Kopf zu und ich konnte ihm direkt in die Augen sehen. Zum ersten Mal witterten sie Gefahr und ich erkannte die Angst, sowie Verblüffung in ihnen. So schaffte ich den Weg in seine Seele, als er nicht aufpasste.
Sein Seelenraum sah exakt genauso aus wie bei meinem letzten Besuch. Schwarz, schwarz und schwarz. Mit Sicherheit war auch sein Zimmer zuhause komplett schwarz. Er und Kim waren Ying und Yang. Nur gemeinsam perfekt, einzeln zum Kotzen. Okay, das stimmte nicht. Kim war mein absolut bester Internetfreund. Ihn konnte ich leiden, auch alleine. Doch bei näherem Betrachten fiel mir auf, dass die Dunkelheit nicht ganz so stark war wie üblich. Wenn ich mit meiner Hand vor meiner Nase herumwedelte, konnte ich sie gut wahrnehmen. Der Schatten war nicht anwesend. Anstelle von ihm, sah ich etwas anderes durch die Luft fliegen. Etwas...menschliches. Eine Person. Niall? Würde ich dieses eine Mal seine Seele sehen? Aber dazu kam es wieder nicht, denn im nächsten Moment schleuderte mich etwas, besser gesagt, jemand aus der Dunkelheit heraus. Einen positiven Aspekt gab es immerhin. Ich fiel nicht.
"Du...Du...Du..." Niall schüttelte den Kopf, als ich ihn das nächste Mal ansah. Sowas hatte ich definitiv nicht erwartet. Der sonst so gelassene Niall strahlte eine Unruhe aus, die mir durch Mark und Bein ging. "Ich...ich...ich?", fragte ich. Also bitte. Er entriss mir seine Hand. "Ach du Scheiße", sagte er. Eine Mutter, samt Kind, drehte sich bei diesen Worten zu uns um. Ich musste ihr nicht in die Augen sehen um die Missbilligung mitzubekommen. "Hallo?", machte ich und wedelte vor Nialls Gesicht herum. Er war komplett ausgewechselt. Kein Geld der Welt hätte diesen Moment übertroffen. Nialls Sprachlosigkeit erfüllte mich mit Genugtuung. Endlich. Fehlte nur noch, dass er gestand, dass er mein Retter in Not gewesen und sein Bein nicht von selbst geheilt war. Dann wäre ich vollständig zufrieden gewesen. "Scheiße", sagte er wieder. Ich hielt es nicht mehr aus, ihn so verwirrt zu erleben. Da hatte ich den eisigen Niall doch lieber. "Verdammt, Schneescheißchen, hör auf mit dem Geschwafel und sei wieder du selbst", motzte ich.
Glücklicherweise legte das einen Schalter um. Er hörte auf zu fluchen und starrte mich an. Okay, ich würde dann jetzt mal verschwinden. Hatte Kim nicht gesagt, ich könne gehen, wann ich wollte? Dieser Zeitpunkt war soeben eingetroffen. Die Situation machte mich verrückt. "Schwierig, wenn du mir eine wichtige Information enthältst." Er vergrub das Gesicht in seinen Händen. "Das könnte das Ende der Menschheit sein", jaulte er. Ich unterdrückte ein Kichern. Das Ende der Menschheit? Er war ein bisschen melodramatisch. "Schön, dass du anscheinend doch fühlen kannst, aber ich würde dann gerne weiter gehen", meinte ich achselzuckend. Vielleicht probierte ich später noch mal, ihm auf den Zahn zu fühlen. Bisher hatte es sichtlich nicht so gut geklappt. "Du wirst nirgendwo hingehen, Cherubyn." Wieder dieser Name. Was hatte es zu bedeuten? "Diesmal hast du meinen Namen aber nicht doof daher gesagt", entgegnete ich. "Nein." Er schüttelte den Kopf. "Diesmal nicht." Sollte ich mich jetzt vorsehen?
Es wird, es wird. Wir kommen der Sache näher. Any guesses on how the story will go on? Jedenfalls hab ich es bisher noch nie so weit geschafft hier auf watty. Das ist erst die zweite Geschichte mit ca 34k Wörtern und aahhhhhhhhhhhhhh. und wir haben 1k reads. unbelievable thank youuuuuuuuu xxx
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