Kapitel 15: Lothlorien

Die Begegnung mit den Orks lag schon fast einen Tag zurück. Seitdem gingen Legolas und Gimli ausschließlich geradeaus,  ohne sich an Pfade und Wege zu halten. Zweimal hatten sie bis jetzt eine Pause eingelegt:  Einmal um sich nachts auszuruhen, das zweite Mal um ihre Wasservorräte aufzufüllen. Sie hatten keine Spuren oder sonstiges von den Orks gesehen oder gehört, blieben aber dennoch achtsam. 

Es war schon Vormittag des nächsten Tages, als Legolas und Gimli endlich Lothlorien erreichten. Ein dichter Nebelschleier hatte sich niedergelegt, sodass man nicht all zu weit in die Ferne schauen konnte. Von den Mallornbäume konnte man in dem dichten Nebel nur die dunkeln Baumstämme erkennen, die sich seit ihrem letzen <besuch in Lothlorien nicht verändert hatten. Es herrschte eine mystische, gleichzeitig beunruhigende Stimmung. Der einstige Reichtum Lothloriens war fast vollständig verblichen. Niemand pflegte die Wege und schnitt die Pflanzen zurück, die sich in den letzten Jahren über sämtliche Überbleibsel und Bauwerke der Elben gelegt hatten. Der große Strom wirkte nicht mehr lebhaft und farbenfroh, sondern grau und trüb. Zwischen dem kahlen Gestrüpp am Ufer, hingen zahlreiche Spinnennetze, auf die sich Tau niedergelegt hatte. Legolas und Gimli waren nicht sehr glücklich über das, was sie vorfanden. Doch sonderlich überrascht hatte es sie auch nicht. Was würde man von einem verlassenen Reich schon erwarten? 

Trotz des enttäuschenden Anblicks, entschieden sich beide dazu einige Nächte hier zu bleiben. "Wir müssen die Bäume erklimmen um einen sicheren Platz zum übernachten zu finden", sagte Legolas, während er vor einen Baum stand, seine Augen zusammenkniff und nach oben starrte, wo der trübe Nebel die Baumwipfel verschlang. "Du erwartest doch etwa nicht von mir, dass ich da hochklettere. Was bin ich -ein Eichhörnchen? Wir Zwerge sind nicht für so etwas gebaut", entgegnete Gimli stur. "Dann grab die doch ein Lock und übernachte da, wie es für Zwerge üblich ist. ", antwortete der Elb schnippisch ohne den Zwerg auch nur in die Augen zu blicken.

 Aus einem Rucksack holte der Elb ein leichtes, silbrig schimmerndes Seil, welches auf dem ersten Blick sehr filigran wirkte, aber wie man Elben kennt so stabil wie Stahl war.  Legolas schwang das Seil wie ein Lasso und konnte es über einen der höheren Äste werfen. "Ich persönlich benötige kein Seil, doch du wirst es wahrscheinlich benötigen", sagte der Elb, als würde er jemanden belehren. Der Elb blieb unten und hielt eines der Seilenden fest, während Gimli das andere zum klettern verwendete. Als Gimli mit viel Mühe endlich den Baum hinaufgeklettert war, kam Legolas mit dem Gepäck mit Leichtigkeit hinterher. Sogar Gimli (obwohl er es nicht zugeben wollte) war ziemlich erstaunt, wie stark Elben sein können. 

Nur wenig von dem Ast entfernt, befand sich ein Baumhaus, welches einst von den Elben bewohnt wurde. Es war nicht sonderlich groß, jedoch gemütlich und bat einen sicheren Platz zur Ruhe. Oben befand sich ebenfalls eine Strickleiter und einige ältere Werkzeuge, die die Bewohner anscheinend nicht mehr brauchten. Dort verweilten beide erstmal eine Nacht, bevor sie ihre Vorräte auffüllten.

"Legolas", sagte Gimli, der neben Legolas ging. 

"Ja was ist", entgegnete dieser. 

"Kennst du dich mit Pilzen und Pflanzen aus?".

"Ja, wieso fragst du?"

"Ich habe Pilze gefunden. Sind die essbar?" (Gimli deutete auf gelbliche Pilze mit dunkelbraunen Flecken)

"Fass sie nicht an, Gimli! Sie verätzen deine Haut und sind hochgifitg." (Legolas setzt ein besorgtes Gesicht auf)

"Ich brauche aber etwas  richtiges zu Essen. Ich kann doch nicht nur von Blättern und ... und Erde  leben wie ihr Elben"

"Wir Elben essen auf gar keinen Fall Erde. Ich habe keine Ahnung, wie du auf so etwas kommst."

"Ich habe in Bruchtal euer "Festmahl" (ironischer Unterton) probiert." (Gimli verzieht sein Gesicht)

"Das Essen bei euch Zwergen ist auch nicht besser. Ihr habt barbarische Tischmanieren und....

....

So stritten die beiden immer noch weiter, bis sie endlich zurück kamen. Es hatte sich kein Wild blicken lassen, jedoch hatten sie (zu Gimlis Enttäuschung) viele essbare Pflanzen gefunden. Die Vegetation in Lothlorien war anders. Es herrschten andere Jahreszeiten als in der Außenwelt. Somit stiegen die Temperaturen, obwohl es gerade einmal Februar war. 

Die Zeit ging schnell voran. Ihre Ankunft ist schon eine Woche her, doch Legolas und Gimli haben sich nach vielen Diskussionen dazu entschieden noch etwas zu bleiben, sich aber langsam  auf ein neues Ziel festzulegen. 

Langsam ging die Sonne unter und tauchte Lothlorien in ein goldgelbes Licht, das in dem leichten Nebel, der die Baumkronen verhüllte, gedämpft wurde und somit eine atemberaubende Atmosphäre erschuf.  

Je mehr Sonnenuntergänge Legolas und Gimli über Lothlorien sahen, desto näher kam der Tag der Abreise. Die Tage vergingen doch schneller als gedacht und irgendwann musste es dazu kommen, dass sie sich trennen, oder etwa nicht? Denn Legolas war ein Elb und muss irgendwann in den Düsterwald zurückkehren und Gimli war ein Zwerg, der ursprünglich aus Moria kam.

 Beide beobachteten von dem Baumhaus aus, wie die Sonne langsam am Horizont verschwand. "Ich will die abgelegensten Ecken Mittelerdes erkunden.", erklärte Legolas Gimli, der sich darüber anscheinend noch keine Gendanken gemacht hatte. "Dabei habe ich an die abgelegene Region Khand gedacht. " "Khand?", fragte Gimli unglaubwürdig. "Da wo die Variags und die Büffel leben. In diese Einöde willst du ziehen?" "Ja,warum nicht", antwortete Legolas. "So haben wir endlich ein richtiges Ziel." Nach einigen Minuten stimmte Gimli zu. 

Sie entschieden sich, eine weitere Woche in Lothlorien zu bleiben um ihre Vorräte bestmöglich aufzufüllen und danach, im Schutz der Dunkelheit, loszuziehen. 




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