# 13

Er wachte in einer für ihn unbekannten Gegend auf. Wie kam er hierher? Er wusste es nicht mehr. Plötzlich bekam er einen Schlag ins Gesicht. "Sie ihn dir an, wie so eine kleine Pussy", vernahm er schwach die russische Stimme. Ganz langsam öffnete er die Augen und hob den Kopf. Vor sich konnte er nur grobe Umrisse ausmachen. "Was ... Was wollt ihr?", fragte er mit schwacher Stimme.

„Zeigen, wo dein Platz in dieser Welt ist! Meinem Boss gefällt es nicht, dass du ihm in die Karten spielst", sprach wieder diese Stimme. Er kannte sie, konnte sie aber nicht genau zuordnen. Er hörte, wie eine Tür aufging und wie jemand den Raum betrat. Langsam kam Leben in seine Augen und er riss diese auf, als er sah, wer vor ihm stand.

Verdutzt schaute sie den Mann an, der ihr nur allzu bekannt war.

"Dr. Jäger, was führt sie persönlich, denn aus der Gerichtsmedizin zu mir?", fragte sie ihn überrascht. Der Ältere setzte sich unaufgefordert auf einen von sich herangezogenen Stuhl und kam so zu ihr an den Tisch. „Nun, ich wollte frische Luft schnappen und da dachte ich, ich komm dich besuchen." Antwortete er und schenkte ihr ein sanftes Lächeln.

Mittlerweile wusste auch Yuuri, warum ihr der Name Jäger so bekannt vor kam. Er war der Vater von Eren. Sie hatte es eher durch Zufall erfahren, als sie Eren in dem Institut für Rechtsmedizin gesehen hatte. Na, wie gesagt, seit diesem Tag waren Yuuri und Grisha per du, sie waren ja fast sowas wie Verwandte. "Das freut mich. Was hast du für mich?", sprach sie erfreut und deutete auf die Mappe in seiner Hand.

„Nun, eure Wasserleiche hat leider nichts mit den aktuellen Morden zu tun und doch gibt es Gemeinsamkeiten." Yuuri sah ihn verwirrt an. „Es gibt Unterschiede", erklärte er. „Und die wären", fragte sie neugierig und nahm sich die Mappe, die Grisha ihr hinhielt. „Zuerst hier, an der rechten Hand, sind der vierte und fünfte Finger gebrochen. Zudem sind zahlreiche Hämatome am ganzen Körper, so als hätten sie ihn vorher halb totgeprügelt." „Mh, ok. Noch was?" „Nein, wie auch bei den Anderen Leichen, Augen auf dem ganzen Körper und die Organe wurden entnommen. Alles postmortal, außer das mit den Fingern und den Hämatomen, das passierte noch zu Lebzeiten", führte er fort.

„Weißt du, was mir nicht in den Kopf will", sagte sie, als sie aufgestanden war. „Was sie mit den Organen machen? Ich habe meine Kontakte spielen lassen, aber keiner wusste was über illegale Organe. Nichts. Das mit den Augen kann ich ja noch einigermaßen nachvollziehen, aber die Organe?" Yuuri war genervt, schon wieder, wie so oft in letzter Zeit. Viktor hatte sich seit 3 Tagen nicht mehr gemeldet, außer einer kurzen Nachricht, dass er ihr einen schönen Arbeitstag wünschte, hatte sie nichts von ihm gehört. Und dann war da noch ein Verrückter der Menschen wahllos umbringt und ihnen ihre Organe zu nehmen. "Mhh da bin ich auch leider überfragt, Liebes. Aber ich bin mir sicher du wirst dieses Schwein finden", machte er ihr Mut und stand auf, um sich zu verabschieden. Abwesend nickte sie und versank wieder in Gedanken, denn Farlan und sein Verhalten an den Docks ließ sie ebenfalls nicht los, denn seit diesem Tag hatte er sich krankgemeldet. Sie hatte sich zwar bei ihm gemeldet aber er nahm ihre Anrufe nie an. Sie wusste nicht mehr weiter.

„Yuuri", abwesend drehte sie sich zu der Stimme um und schaute ins Leere. Vor ihren Augen tauchte plötzlich Viktor auf. „Tzz, jetzt fang ich auch schon an zu halluzinieren", sagte sie abfällig und schüttelte den Kopf.

„Nein, mein Engel, tust du nicht", Viktors Grinsen wurde immer klarer. Dann spürte sie weiche warme Lippen auf ihren. Genüsslich schloss sie die Augen. Vielleicht wurde sie langsam wirklich verrückt, aber der leichte Atem auf ihren Lippen sprach eine andere Sprache.

"Ich habe dich vermisst, mein Engel", hauchte er, als er sich von Yuuris Lippen löste.

Die junge Frau registrierte es erst langsam, dass Viktor wirklich hier vor ihr stand und sie küsste. „Vic, was ... was machst du hier?", fragte sie leicht weinerlich. Nicht, weil sie traurig war, sondern weil sie sich freute. "Ich habe dich vermisst und ich wollte mich entschuldigen, dass ich mich nicht mehr gemeldet habe. Chris, der Penner, hat mein Handy mit einem Stöckchen verwechselt, aber das ist eine andere Geschichte. Sag, wann hast du Pause?", redete er drauf los. „Ehm, ich ... Eh' wann ich Pause habe? Viktor, du bist auf einem Polizeirevier, hier gibt es sowas wie Pause nicht. Gegessen und getrunken wird nebenher, wenn man die Zeit dazu hat.", gab sie kichernd von sich. Ihr entging der enttäuschte Blick von dem Platinblonden nicht, er wollte schon das Feld räumen, als sie sagte: „Vic, warte, lass uns in das Diner in der zweiundsiebzigsten gehen." Schlagartig erhellte sich sein Gesicht. Schnell nahm er ihre Hand und zog sie aus dem Revier.

Vor der Tür stand ein silberner Honda. Viktor ging auf die Beifahrer Seite und öffnete die Tür für Yuuri, er machte eine einladende Handbewegung. Lächelnd stieg sie ein, kurz darauf fiel die Türe leise ins Schloss. Schnell beeilte sich Viktor um auf die Fahrerseite zu kommen und stieg ebenfalls ein. "Na dann wollen wir mal, ich hoffe, du hast Hunger", sagte er glücklich und startete den Wagen.

Nach einer gefühlten Ewigkeit kamen sie endlich an dem Diner an. "Wenn ich irgendwann mal einen Mord begehe, mein Engel, dann wegen diesem Verkehr", sprach er verschwörerisch und stieg aus, um die Tür für Yuuri zu öffnen. Er reichte ihr seine Hand, die sie dankend annahm. "Ohho", fing sie lachend an. "Das würde ich dir nicht raten. Dann könntest du unter Umständen Probleme mit mir bekommen und dann werde ich vom Engel zum Teufel höchstpersönlich", sagte sie und grinste ihn an, ehe sie sich auf ihre Zehenspitzen stellte und in küsste. Genießend legte er seine Arme um ihre Taille. Sie lösten sich, als ihnen die Luft ausging. "Das nehme ich gerne in Kauf, los lass uns reingehen, ich habe einen Mordshunger", sagte Viktor und nahm ihre Hand in seine.

Drinnen setzten sie sich in eine ruhige Ecke. Die Kellnerin kam auf Rollschuhen angesaust und reichte ihnen die Speisekarte. "Wisst ihr schon, was ihr wollt?", fragt diese lächelnd. Wenn die mal keinen Muskelkater in ihrem Gesicht bekommt, dachte Yuuri sich, als sie die Karte studierte. „Nein, wir brauchen noch einen Moment", hörte sie Viktors Stimme. Sie wusste mittlerweile, was sie wollte und legte die Karte auf den Tisch. Dann schaute sie sich Viktor genauer an. Er hatte einen Verband an der linken Hand und an seinem Hemdkragen konnte sie einen kleinen Blutspritzer sehen. "Was sagtest du vorhin? Chris hat dein Handy als Stöckchen benutzt? Wie kam es dazu?", begann sie ein Gespräch. Ihr gegenüber lachte kurz auf, als er anfing zu erzählen. „Naja, wir waren neulich abends weg, etwas trinken und wir hatten ein bisschen zu tief ins Glas geschaut. Dann sind wir nach Hause gelaufen, über den Park und naja, keine Ahnung, wie er darauf kam, plötzlich sagte er zu mir >> ey gib mir mal dein Handy<< was ich nichtsahnend tat. Er nahm es, schaute es an und fragte dann, ob es versichert ist. Dann schmiss er es einfach und es fiel auf die angrenzende Straße. Ich hatte gedacht, puh, Glück gehabt. Naja, die wurde dann auch zerstört, als ein kleiner Transporter darüber rollte", schloss er seine Erzählung und senkte traurig den Blick. Yuuri, deren Augen immer größer wurden, bei seiner Erzählung, fing auf einmal an zu lachen und musste sich schon den Bauch halten, weil der anfing weh zu tun. "Hahahaahaha ... Vic ... ", sie musste sich die Lachtränen aus den Augen wischen. "Hahaha ... Entschuldige, Vic, aber ... Hihi das kann ich mir so gut vorstellen bei euch zwei. Jetzt kann ich auch verstehen, warum du dich nicht gemeldet hast und warum du dann heute im Revier aufgetaucht bist", sagte sie noch immer halb lachend. Viktor war glücklich, dass er seine Yuuri wieder zum Lachen bringen konnte. Zeitgleich zerfraß ihn aber auch das schlechte Gewissen, denn das er sie gerade anlog, ohne dabei rot zu werden, plagte ihn dann schon.

„Aber was ist mit deiner Hand passiert und von wem ist das Blut an deinem Hemd", vernahm er nun die ernste die Stimme seiner Liebe. Oh, shit. Er hatte das Hemd heute Morgen vergessen zu wechseln, verdammt. Er musste eine Ausrede finden. Ohne dabei Rot zu werden schaute er in braune Augen. "Das ist von Chris, nachdem er das tat, habe ich ihm eine verpasst", er log ihr dreist ins Gesicht. Sie brauchte nicht wissen, woher er das hatte und unweigerlich wurde ihm klar, dass er einer der besten Polizistinnen im Land gegenüber saß. Denn jemandem wie Yuuri entging nichts. Sie bekam alles, was sie wollte, das wusste er. Er musste vorsichtiger sein als eh schon. 

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