Prolog


Dabi:

Ich nahm einen tiefen Zug von meinem Joint, während ich die leisen Regentropfen auf den Boden prasseln hörte. Sofort spürte ich die allzu bekannte Leichtigkeit in mir, wenn der Stoff innerhalb von Sekunden in meinen Kreislauf kam.

Während ich den Rauch wieder ausstieß, betrachtete ich von der Gasse aus, an einer Wand gelehnt, ein kleines Mädchen mit ihren Eltern die Straße überqueren. Sie hielten das Kind mit jeweils einer Hand, während sie glücklich immer hochsprang und erfreut aufschrie. Meine Augen folgten ihnen so lange, dass ich meinen Kopf nach ihnen drehte, ehe ich es bemerken konnte. Eine perfekte Familie.

"Papa, bitte! Hör auf! ..", ehe ich meinen Satz beenden konnte, schrie ich schmerzerfüllt auf, als er mich an meinen Schultern packte und mich so fest nach hinten stieß, dass ich hart auf die Boden aufknallte.

"Hör auf zu schreien!", fuhr Endeavor, mein Vater, mich an und hob bedrohlich seine Hand, um mich zu schlagen.

Sofort vergrub ich reflexartig mein Gesicht in meinem Armen, die sich gegen den kalten Boden stützten, um mich zu schützen. Meine Schläfe pochte und ich spürte eine warme Flüssigkeit runterrinnen, die leicht nach Metall roch.
Tränen strömten über mein Gesicht und mein ganzer Körper zitterte.

"Schau mich an, wenn ich mit dir rede!", hörte ich nur, bevor er mir in die Seite trat und ich erneut aufschrie.

Der stechende Schmerz zog dich durch meinen ganzen Brustkorb und ich hatte für einen kurzen Moment das Gefühl, nicht mehr atmen zu können.
Doch das war nicht wegen dem Tritt, sondern vor Angst.

Wie antrainiert, schaute ich ihn mit brennenden Augen an und presste meine bebenden Lippen aufeinander. Papas große Gestallt bereitete mir Angst.
Seine Augen waren gerötet und er hatte wieder diesen Blick. Hass.
Ich schluckte schwer, weil ich wusste, was mich erwartete.
Mein Herz schlug schwer gegen meine Brust und drohte stehen zu bleiben.

"Bitte tu mir nicht weh.", wisperte ich und schluchzte, während ich zu ihm aufblickte und mich kaum traute ihm in die Augen zu blicken.

"Was hast du gesagt?", fragte er scharf und kniete sich zu mir runter, dass wir auf Augenhöhe waren.
Mir wurde Übel, als ich seine lodernten roten Augen sah. Reiner Hass.

"Wieso tust du mir weh? Du bist mein Papa, wieso willst du, dass ich Schmerzen habe? Das ist doch falsch, oder?" Ich bereute meine Worte sofort.

Mein Vater packte mich energisch an mein T-Shirt und zog mich näher zu sich.
"Willst du wirklich wissen, wie sich Schmerzen anfühlen?"

Ich schüttelte energisch meinen Kopf, doch als ich ihn ironisch auflachen hörte, lief mir ein kalter Schauer über den Rücken.

"Doch Toya, anscheinend bin ich ein scheiß Vater in deinen Augen. Aber jetzt werde ich dir mal zeigen, wie sich ein richtiger Rabenvater verhält. Danach wirst du erst wissen wie gut du es hast.", erwiderte er und seine Stimme wurde immer bedrohlicher.

Ich versuchte mich aus seinem Griff zu befreien, aber mit gerade mal acht Jahren war ich zu schwach, um irgendetwas auszurichten.

Als ich bemerkte, wie er langsam seine Hand hob und sie anfing zu glühen, verstand ich, was er vorhatte und schrie so laut ich konnte. Doch dann übertönte schon sein Feuer mein Schreien und dann habe ich herausgefunden, was wirklich ein Rabenvater war.

Es klingelte.
Erst dann bemerkte ich, dass ich wieder daran zurückgedacht habe. Fuck.

Ich zog mein Handy aus meiner Tasche, während ich erneut an meinen Joint zog und diesmal noch länger den Rauch in meinen Lungen hielt.

Als ich Shigaraki's Namen sah, blies ich ihn wieder aus und ging ran. "Ja?"

"Dabi, wo bist du?", fuhr mein Boss mich sofort an und ich stöhnte innerlich genervt auf.

"Darf ich mir etwa keine Mittagspause gönnen?", wollte ich wissen und hielt mir den Joint an die Lippen.

"Es ist neun Uhr Abends, schwing jetzt deinen Arsch hier her, sonst schneiße ich dich wirklich noch heraus und verpfeiffe dich an All Might.", knurrte er und ich musste grinsen.
Das war jetzt das achte Mal, dass er mir genau das gleiche angedroht hat, aber nie wirklich in die Tat umgesetzt hatte.

"Ich bin in zehn Minuten da.", antwortete ich kühl und legte ohne zu zögern auf. Ich stöhnte genervt auf und hatte wirklich gar keine Lust auf diese Konferenz zu gehen, aber ich war Shigaraki noch einiges schuldig.

Als ich den Joint auf den Boden schmiss und drauftrat, drehte ich mich um und ging los. Ich würde mich belügen, wenn ich leugnen würde, dass ich mich nicht nochmal in die Richtung der glücklichen Familie gedreht habe. Was ein beschissener Tag.

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"Und wieder einmal hat Venatrix zugeschlagen und für einen weiteren Bankraub gesorgt. Diesmal im meist bekanntesten Viertels von Tokios, Ginza, wo die unbekannte Schurkin, die jedoch immer alleine arbeitet, den sichersten Safe mit insgesamt zwei Milliarden Yen aufgebrochen und beraubt hat. Wie sie das geschafft hat ist der Polizei, wie den Helden, Kachan, All Might und weiteren nicht klar. Es gibt zwar Videoaufnahmen, wo Venatrix sich am Überfallsort aufgehalten hat, jedoch war es ihr möglich zu fliehen. Weitere.."

Shigaraki schaltete den Fernseher aus, ehe er in einem kühlen Ton sagte: "Diese Schlampe hat es wieder geschafft zu entkommen."

"Aber ist das nicht gut? Ich meine, auch wenn sie nicht zur Schurkenliga gehört, schadet sie den Helden und der Bevölkerung mit ihren Raubzügen.", meinte Twice und verschränkte seine Arme.

"Falsch.", fuhr Shigaraki in an und schlug mit seiner Handfläche hart auf den Tisch, an dem einige Schurken von uns saßen. "Vor ein paar Tagen hat sie sich nämlich irgendwie in unsere Computersysteme gehackt und uns ein Haufen Viren auf die Datenbanken gesetzt. Unsere Systeme sind jetzt im Arsch."

"Woher willst du wissen, dass sie es war?", fragte ich gelassen und lehnte mich im Stuhl zurück, während ich meine Arme vor meiner Brust verschränkte.

"Wirst du gleich sehen.", antwortete er eingeschnappt und schaltete den Computer neben dem Fernseher an.

Er sirrte bereits ungewöhnlich laut und als der Bildschirm aufhellte, lachte Toga
laut auf. Die grüne Oberfläche leuchtete immer wieder stark auf und das einzige, was auf dem Bildschirm zu sehen war, waren die fettgedruckten Buchstaben, die immer wieder aufhellten:
Frohe Weihnachten, ich bin mir sicher, dass mein Geschenk euch erfreuen wird
~ Venatrix

"Also ich mag sie.", gab Toga zu und alle anderen warfen ihr einen genervten Blick zu.

"Sie ist keine Schurkin, sondern ein Antiheld.", fuhr Shigaraki fort. "Sie tut nur das, was ihr zugunsten kommst, egal welcher Seite oder Moral es entspricht. Und das heißt, dass sie genauso ein Feind von uns wie die Helden es sind."

"Dann töten wir sie halt.", schlug ich gelangweilt vor, doch Shigaraki schüttelte seinen Kopf.

"Nicht einmal die Helden konnten sie fangen, niemand kannte ihre Identität. Davon abgesehen ist sie nicht nur ein Genie, sondern sie besitzt auch die Fähigkeit Spinnenweben aus ihren Handgelenken zu schießen und damit sich schnell fortzubewegen oder auch anzugreifen.", entgegnete er.

Ich schmunzelte. "Also ist sie nichts weiteres als Spiderman aus den Comics?"

"Sozusagen."

"Warte mal." Wir drehten uns alle zu Twice, als er das sagte. "Hast du nicht gerade "kannte" gesagt, Shigaraki?"

In seinen Augen blitzte was auf und Shigaraki stand auf. "Du verdienst mit deiner Aufmerksamkeit offiziell eine Gehaltserhöhung, Twice.", sagte er und der Rest von uns stöhnte genervt auf.
"Du hast Recht, niemand kannte Venatrix's Identität. Bis jetzt."

"Warte mal.. heißt das?..", fing Toga an, doch er ließ sie nicht ausreden.

"Ja, ich habe ihre Identität herausgefunden. Mit ein paar Hilfsmitteln." Shigaraki schaltete den Fernseher ein und schaltete auf eine Galerie um, bevor er ein Foto von einer jungen, wunderschönen Frau, vielleicht Anfang zwanzig ein Foto zeigte. Sie hatte lange honigblonde Haare und jadefarbene grüne Augen. In ihrem Blick war etwas festes, was mich irgendwie in den Bann zog. Ihre..

"Venatrix ist Y/n L/n, 19 Jahre alt und lebt irgendwo im Viertel von Chuo-Dori.
Sie schlägt nur in bestimmten Vierteln zu und ich möchte, dass wir das für uns nutzen.", sagte er, bevor er sich zu mir drehte. "Dabi, du wirst sie zu uns bringen."

Ich richtete mich ruckartig auf und glaubte, mich verhört zu haben. "Was? Ich soll sie kidnappen?"

"Genau."

"Du verarscht mich doch. Was hat das für einen Sinn?"

"Y/n L/n könnte für uns potentiel sehr wichtig sein. Wenn wir sie auf unsere Seite bringen, wird sie sich sicherlich als sehr effektiv für uns erweisen.", erklärte er und ich lachte ironisch auf.

"Dazu wird sie niemals einwilligen.", entgegnete ich und ich erkannte, wie sich sein Gesicht zu einem grausamen Grinsen verzog.

"Wir werden sie auch nicht darum bitten."

Ich zog meine Augenbrauen ungläubig hoch und fragte: "Und wie genau soll ich sie entführen?"

"Das ist dir überlassen, du kannst sie quälen und sie somit zwingen zu dir zu kommen, sie ohnmächtig schlagen, oder sie höflich bitten. Das wichtigste ist, dass sie lebt. Wir geben dir noch weitere Informationen über sie."

"Und was ist, wenn ich es nicht tun will?" Wieso sollte ich es nicht tun wollen? Ich bin doch ein Schurke, aber was ist das für ein Gefühl in meinem Magen? Ich starrte auf ihr Bild, auf ihr schelmisches Grinsen, was doch etwas Gutes versteckte.

"Vielleicht sollte ich dir zuerst mal sagen, was für dich dabei rausspringen würde.", fing er an. "Ich glaube die ganze Schurkenliga weiß, was dein größtes Ziel ist. Warum du eigentlich hier bist."

Meine Lippen verzogen sich zu einem dünnen Strich, doch ich ließ mir meine aufsteigende Wut nicht anmerken.
"Warum denn genau?"

Shigaraki legte etwas seinen Kopf schief und stützte seine beiden Hände über den Tisch. "Dein Vater ist doch Endeavor, oder? Uns ist schon seit langem bewusst, wie sehr du deinen Vater hasst und wenn man dich ansieht und eins zu eins zusammenzählt wird schnell klar, dass er dich Misshandelt hat. Sicherlich willst du es einem der besten Helden heimzahlen und hast dich deswegen dafür entschieden, ihn, als seinen Sohn zu verraten und hierherzukommen."

Mein Magen zog sich krampfhaft zusammen und mir wurde Übel. Ich versuchte meine Fassung zu bewahren, aber meine Wut war deutlich razuhören. "Laber keinen Scheiß. Es.."

"Ich verurteile dich keineswegs dafür. Der Grund, weshalb du hierhergekommen bist, ist mir um Ehrlich zu sein egal. Bis jetzt warst du der Schurkenliga ja immer treu geblieben und das reicht mir. Jedoch würde ich dir sogar dabei helfen, es deinem Vater erst so richtig heimzuzahlen, falls du Y/n L/n zu uns bringst und sie dazu bringst, dass sie ihre Seite wechselt."

Ich zögerte für einen Moment. Das ist doch krank. Ich kidnappe doch nicht ein neunzehn jähriges Mädchen nur um..
"Wie würdest du mir dabei helfen?"

"Ganz einfach. Du wirst als meine rechte Hand mit über 200 Schurken in die Heldenorganisation einmarschieren und wir werden deinen Vater umbringen."

Seine Worte hallten immer wieder in meinen Ohren nach. Mein Herz schlug wie wild gegen meine Brust und mein Kopf war kurz vorm Platzen. Nein, ich..
"Abgemacht."

Ich hörte wie einige nach Luft schnappten, doch ich war vollkommen auf meinen Boss fokussiert.
"Wo befindet sich Y/n L/n?"

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