Kapitel 8


Y/n:

"Dann wird es wohl die zweite Option sein."

Ich konnte es einfach nicht fassen, dass ich diese Worte laut ausgesprochen habe. Natürlich habe ich das nur aus einem reinem Überlebensinstinkt getan, aber ich würde alles daran setzen einen Weg zu finden, um von hier abzuhauen.
Das Problem dabei war jedoch, dass ich keinen Quirk besaß.

"..und das ist unser gemeinschaftliches Wohnzimmer. Dort schauen wir immer Fußball und wetten wer gewinnt. Twice hat bis jetzt am meisten gewonnen, keine Ahnung wie er das geschafft hat."

Ich riss mich sofort aus meinen Gedanken und blickte zu dem blonden, kleinem Mädchen, die sich vorhin mit dem Namen Toga vorstellt hatte. Sie sah unfassbar jung aus und wirkte durch ihre aufbrausende Art förmlich wie ein Kind. Was hatte sie nur hier zu suchen?

Ich nickte knapp und schaute mich um.
Das große Wohnzimmer war mit roten Backsteinen tapeziert und an der Wand war ein Kamin eingebaut. Rundherum war ein Fernseher und schwarze, bequeme Sofas. Ich konnte einfach nicht glauben, dass hier wirklich Schurken hausten. Es wirkte zu "normal".

Toga wurde von Shigaraki beauftragt mir das ganze Penthouse zu zeigen, welches sich über drei Stockwerke zog.
Die Frage, die ich mir stellte war dabei, ob unter uns unschuldige Bürger wohnten oder weitere Schurken, denn das Hochhaus besaß 18 Etagen.

"Und wie gefällt es dir bei uns?", wollte Toga wissen und lächelte mich erfreut an.

"Gut.", antwortete ich knapp und sie wirkte merklich enttäuscht über meine kurze Antwort. Ich wollte nicht zu viel reden, weil diese Leute immer noch meine Feinde waren.

"Ich bringe dich jetzt auf dein Zimmer. Du kannst dir immer in der Küche was zu Essen holen oder hier Fernseher schauen. Aber dir ist noch nicht erlaubt, dass Penthouse zu verlassen, okay?"

Ich nickte erneut und folgte ihr auf mein Zimmer. Dabei versuchte ich mir jedes einzelne Detail dieses Penthouses einzuprägen. Für eine Flucht müsste ich mich hier perfekt auskennen.

"Also deine Idee einfach einen Quirk zu fälschen hört sich echt mega an. Ich meine niemand konnte deine Identität herausfinden, weil alle annahmen, dass du wirklich einen besitzt und somit in keiner Datenbank gefunden werden konntest. Du bist wirklich schlau!"

Ich musste ihnen erzählen, dass ich diese ganzen Aparate selber hergestellt habe. Sowohl meine Waffen als auch meinen Anzug. "Danke."

"Bist du immer so ungesprächig?", fragte sie und drehte sich zu mir.
Bist du immer so nervig.

"Ja."

Sie zog ungläubig ihre Augenbrauen hoch und öffnete meine Zimmertür. "Wie konntest du dann früher Freunde finden?"

"Ich habe keine." Okay, das klingt jetzt echt mitleidserregend.

"Hm, dann wäre es doch gut, wenn du gesprächiger wirst. Aber das ist nicht schlimm wir können doch Freundinnen werden. Ich rede gerne, da kann ich auch für dich mitreden.", schlug sie vor und ich war kurz davor laut aufzulachen, riss mich aber zusammen.
Ist sie so naiv zu glauben, dass ich mich mit Schurken anfreunden würde?

Bevor ich antworten konnte, kam uns ein großer maskierter Mann entgegen. "Toga hör doch auf das arme Mädchen solange anzuquatschen, sie ist sicher nach ihrer Anreise sehr müde geworden." Anreise. In ihren Augen ein anderes Wort für Entführung.

Gleich darauf wandte er sich zu mir und streckte seine rechte Hand vor. "Ich bin übrigens Twice. Schön dich kennenzulernen, Y/n."
Ich nahm sie widerwillig an und er schüttelte sie erfreut.

Diese Schurken benehmen sich wirklich wie stinknormale Menschen. Die wollen mich doch verarschen.

"Na dann, wir lassen dich mal in Ruhe.", meinte Toga und wartete bis ich in mein Zimmer trat. Als ich die Tür schloss, lehnte ich mich gegen sie und horchte ihre Schritte, bis sie nicht mehr zu hören waren.

Danach drehte ich mich in Richtung meines Zimmer und schaute mich um. Es war bequem gestaltet, hatte ein großes Bett und.. ich rannte schnell zu den Fenstern, die eine wunderschöne Aussicht über die große Stadt boten und versuchte sie zu öffnen. Als ich sie nur kippen konnte, fluchte ich auf. Sie wussten, dass ich versuchen würde zu fliehen.

Ich öffnete die Schränke und fand nur normale Klamotten wieder. Danach ging ich in mein Badezimmer, öffnete die Schubladen und hoffte etwas scharfes zu finden. Fuck, fuck, fuck.

Mein Herz schlug schnell gegen meine Brust, während ich meine ganzes Zimmer analysierte, um irgendetwas zu finden, was mir helfen könnte
zu entkommen. Keine Scheren, keine Büroklammern, einfach nichts.
Nach 15 Minuten stieß ich die Schublade fest mit meinem Fuß zu und war kurz davor laut aufzuschreien.

Ich ließ mich auf den Fußboden sinken und lehnte mich gegen die Badewanne an, ehe ich meine Knie zu meinem Körper zog und meine Arme um meinen Oberkörper schlang. Meine Hände zitterten und ich bemerkte wie meine Augen feucht wurden. Weine nicht. Gib ihnen nicht diese Genugtuung. Dir wird schon etwas einfallen. Irgendwie.

Ich fing an zu grübeln, holte die ganzen Bilder über das Apartment hoch und versuchte mir einen Fluchtweg zusammenzubauen. Meine Panik wurde immer größer, als mir nichts einfiel und einige Tränen flossen automatisch über meine Wange. Verdammt.

Meine Brust bebte. Ich wurde entführt.
Wahrscheinlich wochenlang gestalkt ohne es bemerkt zu haben. Und ich besitze keinen Quirk. Fuck.

Plötzlich hielt ich inne. Ein einziger Gedanke flog rasend an die Oberfläche meines Bewusstseins und ich blickte auf.
Ich hatte eine Idee.

----------------------------------------------------------‐---

Tick, tack, tick, tack.

Ich starrte bereits seit Stunden auf die Uhr, die an meiner Wand hing.
Es war vier Uhr morgens.

Meine Muskeln schrien bereits danach sich endlich zu erholen, doch ich saß eine Ewigkeit angespannt auf meinem Bett und hatte nur Augen auf den Zeiger.
Meine Anspannung wurde immer größer, während ich den Plan tausendmal in meinem Kopf durchging. Es war die einzige Möglichkeit.

Es gab nur einen Ausgang und zwar die Haupttür. Diese war nur mit meinem Schloss versperrt. Natürlich würden dort bestimmt Leute aufpassen, mindestens eine Person, die ich irgendwie aus dem Weg schaffen müsste. Wahrscheinlich schliefen die meisten um diese Uhrzeit, weswegen ich bis jetzt gewartet habe, dass hieß ich durfte niemanden aufwecken.

Mein Magen zog sich zusammen, als ich aufstand und leise die Tür öffnete. Ich horchte kurz, ob ich irgendwelche Schritte oder Gespräche hörte, aber es war still. Danach trat ich auf den Gang und ging so leise wie möglich die Treppe runter ins Wohnzimmer Richtung Küche. Ich hörte mein Herz so laut gegen meine Brust pochen dass ich fürchtete, dass es die anderen aufwecken würde.

Der Fußboden unter meinen Füßen knarzte leicht und ich zuckte zusammen. Als ich die Küche erreichte, hörte ich auf eimmal schnelle Schritte hinter mir, bevor ich eine Stimme wahrnahm: "Was tust du da?"
Ich drehte mich hastig um und erkannte einen Schurken, der mich mit verengten Augen ansah und angriffbereit war.

Ich schluckte, versuchte jedoch so gelassen wie möglich zu bleiben. "Ich habe Hunger und wollte mir ein Toast machen."

"Es ist vier Uhr Morgens. Du kannst in ein paar Stunden essen. Geh auf dein Zimmer.", befahl er schroff, doch ich ließ mich nicht einschüchtern.

"Toga hat mir gesagt, dass ich um jede Uhrzeit in die Küche gehen darf, um mir etwas zu essen zu holen. Davon abgesehen sind wir jetzt Verbündete, deswegen wünsche ich, dass du mich auch wie eine behandelst. Ich meine, ich kann auch zu Shigaraki gehen und ihm erzählen, wie unfreundlich du mich.."

"Na gut, du hast zehn Minuten dir ein scheiß Toast zuzubereiten.", knurrte er und verschränkte seine Arme.

"Dankeschön.", gab ich grinsend zurück und öffnete einige Schubladen, um nach einmal Teller zu suchen.
Währenddessen beobachtete mich der Mann ohne auch nur mit einer Wimper zu zucken. Verdammt.

Ich entspannte meine Schultern und und öffnete den Kühlschrank, um mir ein paar Sachen rauszuholen. Danach stellte ich alles auf den Tisch, bevor ich ein Messer und eine Gabel auf meinen Teller legte.

Ich blickte auf die obigen Schubladen und drehte mich zu dem Mann. "Ähm könntest du mir bitte den Toaster von da oben holen? Ich komme da leider nicht ran."

"Sicher doch.", gab er zähneknirschend von sich und kam auf mich zu.
Gleich darauf streckte er seine Arme nach oben, um nach ihn zu greifen und das war mein Stichwort.

Ich griff nach dem Messer und rammte es ihm ohne zu zögern in seine Seite.
Eigentlich habe ich geplant es ihm in die Hals zu stoßen, aber ich konnte nicht.
Er schrie laut auf und zuckte zusammen, doch griff nach einem Tuch und presste es gegen seinen Mund, während ich das Messer gegen seine Kehle hielt.
"Noch ein Wort und du bist tot.", drohte ich leise und er atmete schwer.

"Hol den Schlüssel von der Eingangstür aus deiner Hosentasche und gib sie mir.", befahl ich und ich bemerkte, dass seine Finger zitterten, während er seine Hand nach unten bewegte.

"Und wage es ja nicht deinen Quirk gegen mich anzuwenden, sonst bringe ich dich schneller um, als dass du blinzeln kannst.", fügte ich noch hinzu und er spannte sich verkrampft an.
Natürlich war das eine reine Lüge.
Meine Reflexe waren nicht schnell genug, um ihm wirklich die Kehle aufzuschlitzen, aber solange ich es glaubwürdig rüberbrachte, hatte ich den Kerl unter Kontrolle.

Als er mir den Schlüssel gab, zog ich ihn zum Eingangstür und versuchte mit einer Hand sie zu öffnen. Nachdem sich die Tür öffnete, sprang mein Herz auf und ich wollte gerade raustreten, als..

"Sie ja einer an, meine Vermutungen haben sich also doch bestätigt.", hörte ich meinen Entführer - Dabi - sagen, der plötzlich vor mir stand und mich amüsiert anschaute.
Ich riss meine Augen auf und trat einen Schritt zurück. Hat er hinter der Tür auf mich gewartet?

Er holte mich schnell auf.
"Lass das Messer fallen oder ich verbrenne dich mit diesem Typen innerhalb von einer Sekunde zu Asche.", drohte er gelassen, aber ich wusste, dass er nicht bluffte. Er hatte vor meinen Augen einen Mann erschossen.
Langsam ließ ich den Kerl los und ließ das Messer mit zittrigen Fingern auf den Boden fallen.

Der Typ spuckte sofort das Tuch aus. "Was eine Schlampe.", knurrte er und humpelte auf mich zu, um mich zu schlagen, doch Dabi stellte sich vor mich. "Fass sie ja nicht an."

"Wieso nicht? Sie hat mich mit einem Messer erstochen!", zischte er und hielt sich mit einer Hand die Seite.

"Weil ich es sage. Geh jetzt und sorge für deine Wunde, ich regle alles.", befahl er und nach ein paar Sekunden ging der Typ fluchend weg.

Als sich Dabi danach zu mir drehte, starrte er mich kurz mit seinen meeresblauen Augen schweigend an.
Ich atmete schwer und er musste lachen.
"Anscheinend ist dir bewusst, dass du am Arsch bist oder?"

Ich antwortete nicht.

"Geh auf dein Zimmer."

Du bist nicht mein verdammter Vater.
Natürlich würde ich diese Worte nie im Leben laut aussprechen.

"Jetzt.", fügte er hinzu, als ich nicht reagierte. Ich setzte mich in Bewegung und stieg die Treppen rauf. Er folgte mir.
Eine riesige Angst packte mich und ich versuchte mich so gut es ging zu beruhigen.

Ich öffnete langsam die Tür und blieb abrupt stehen. Er stieß mich hinein.
"Hände hinter den Rücken."

Ich gab ihm einen todesblick, bevor ich das tat, was er mir sagte. Was konnte ich sonst tun? Ich hörte wie er etwas aus seiner Seitentasche rausholte und kurz darauf meine Hände am Bett fesselte. Er band sie so fest zusammen, dass es wehtat.
Ich musste mich aufs Bett setzen und zog meine Füße an meine Knie, während ich ihn hasserfüllt anstarrte.

Er setzte sich mit einer gewissen Distanz vor mich und zündete sich eine Zigarette an. "Wie kommst du nur auf die Idee, dass es schlau wäre einen Fluchtversuch zu starten? Bist du etwa so dumm?"

"Fick dich.", zischte ich ohne vorher darüber nachgedacht zu haben.

"Willst du wirklich so gerne sterben, dass du dich sogar traust mich zu beleidigen?" Er klang leicht amüsiert.
Was ein Dreckskerl.

"Ich würde lieber sterben, als dir noch eine Sekunde ins Gesicht sehen zu müssen.", entgegnete ich.

"Blendet dich meine Schönheit etwa, Spidermanfreak?"

Spidermanfreak? "Du bist hier der Freak. Wie alt bist du? 18? Und du gehst mit so einem jungen Alter zur Schurkenliga?"

"Ich bin 24."

Ich schwieg. Er sah recht jung für sein Alter aus.

"Was ist mit dir? Hast du dir gedacht, dass es lustig wäre, dich mit 19 Jahren als eine weibliche Form von Spiderman zu verkleiden und sowohl Helden als auch Schurken den Tag zu vermiesen?" Er zog an seiner Zigarette und starrte auf den Sonnenaufgang, der langsam die Stadt behellte. Natürlich kennt er mein Alter.

"Was interessiert es dich?"

"Tut es nicht. Ich will nur wissen, was dich zu so einem Zirkusclown gemacht hat.", erwiderte er und ich wurde immer wütender. Leider war ich aber nicht in der Position, um meinen Emotionen freien Lauf zu lassen.

"Lass mich einfach in Ruhe und geh, okay?" Meine Worte klangen bereits etwas flehend, was mich erniedrigte.

"Sag mir nur eins. Wie fühlt es sich an hilflos und unbeholfen zu sein?", wollte er wissen und grinste.

"Du bist ein Arschloch.", zischte ich.

"Es ist mein Beruf ein Arschloch zu sein. Weißt du, wie ich ein größerer sein könnte? Wenn ich meine Zigarette an dir ausmache, wie wärs damit?", schlug er vor und meine Brust bebte.

Dabi merkte meine aufsteigende Panik. "Alles gut, ich habe heute einen guten Tag." Er ließ sie auf den Boden fallen und trat auf sie drauf, bevor er aufstand.

"Ich wünsche dir viel Spaß hier. Du wirst es bereuen mich rausgebeten zu haben."

"Sicher doch.", entgegnete ich ironisch und lachte.

"Gute Nacht."
Danach ging er aus dem Zimmer und schloss die Tür hinter sich.

Und als die Stille mich einholte, die Dunkelheit mich umgab und ich aus dem Fenster schaute, merkte ich, dass ich es doch bereute die Einsamkeit gewählt zu haben.

Von Minute zu Minute wurde mir immer klarer, dass ich hier nie rauskommen würde und meine einzige Chance auf Freiheit zerstört habe. Ich konnte nicht anders, als meinen Tränen freien Lauf zu lassen. Ich war ganz alleine.

Bạn đang đọc truyện trên: AzTruyen.Top