Kapitel 4


Y/n:

Die letzten fünf Minuten sprintete ich nachhause.

Mein Herz klopfte wie wild gegen meine Brust und ich atmete schwer ein und aus, doch mein Adrenalin war so hoch, dass ich meine Geschwindigkeit nicht verlangsamte. Ich hoffe, dass ich mich geirrt habe. Bitte, lass es wirklich nur einen Polizeibeamten sein.

Ich ging ins Treppenhaus und hörte in der Dunkelheit meine Schritte nachhallen. Nachdem ich einige Stöcke nach oben ging, holte ich den Schlüssel, um meine Wohnung aufzusperren. Ich bemerkte wie meine Hände zitterten und hielt für eine Sekunde inne.
Die Erinnerungen von der Pistole und den Fesseln schossen in meinen Kopf und ein kalter Schauer lief mir über den Rücken. Das ist sicher kein Polizeibeamter. Und wieso kommen mir diese Augen so bekannt vor? Die Narben..

Ich öffnete die Tür und verriegelte gleich hinter mir meine Wohnung. Während ich mich gegen die Wand lehnte und für einige Sekunden still blieb, versuchte ich von draußen irgendetwas zu hören, vielleicht Schritte, die mir gefolgt waren.
Nichts.

Okay, beruhig dich. Du bist Venatrix, niemand kennt deine Identität und sicher ist dir niemand gefolgt. Ich stieß mich von der Wand ab und lief in meiner Wohnung auf und ab. Aber das war sicher ein Verbrecher. Solche Waffen werden nicht einfach so in einem Rucksack verstaut. Vielleicht versucht er jemanden als Geißel zu nehmen, oder so. Scheiße, ich muss dem Opfer helfen, bevor es zu spät ist.

Ich ging sofort zu meinem Arbeitstisch und sperrte meine Schublade auf, wo sich meine Apparate für meinen selbstgemachten Quirk befanden. Als ich jedoch nach ihnen griff, bemerkte ich, dass diese nur noch niedriges Akku hatten. Das muss wohl reichen. Trotzdem legte ich sie um meine Handgelenke und befestigte sie.

Gleich darauf ging ich in mein Schlafzimmer, um nach meinem Anzug zu suchen. Doch als ich ihn herausnahm, um ihn anzuziehen, blieb ich instinktiv wie angewurzelt stehen. Was war das?
Ich hörte nicht selbst leise atmen, während ich reglos darauf wartete, dieses Geräusch wieder zu hören.
Dieses Klicken. Nein, das habe ich mir nicht eingebildet. Ich habe irgendetwas gehört, auch wenn es leise war.

Für ganze zwei Minuten blieb ich an der genau gleichen Stelle, bevor ich mich traute mich zu bewegen. So leise es ging griff ich erneut nach meinem schwarz-weißen Anzug, um ihn überzustreifen. Doch dann hörte ich es wieder. Klick.

Mein Herz blieb stehen. "Lauf.", hörte ich immer wieder in meinem Kopf und mir wurde Übel. Die leisen Geräusche kamen aus dem Wohnzimmer. Ich war mir zu hundert Prozent sicher. Das kam sicher nicht von den Straßen, auch wenn meine Fenster geöffnet waren.

Aufeinmal hörte ich etwas anderes.
Das Knarzen einer Tür.
Meiner Eingangstür.

Jemand war hier.
Jemand ist in meiner Wohnung.

Ohne auch nur darüber nachzudenken, öffnete ich meinen Kleiderschrank, stellte mich hinein und hielt sie atemlos zu. Ich hörte mein Blut in meinen Ohren rauschen, während ich mir eine Hand vor den Mund hielt, um ja nicht zu laut zu atmen. Okay, konzentriere dich.
Wenn der Einbrecher in mein Schlafzimmer kommt, werde ich ihn überrumpeln. Bis jetzt habe ich schon hunderte von Verbrechern bekämpft, das hier ist nichts besonders. Nur, dass diese Person in meiner Wohnung ist.

Ich wartete für einige Minuten, lauschte nach weiteren Geräuschen, während mein Adrenalin immer weiter stieg.
Während ich die Sekunden zählte, fühlte es sich so an, als würde es immer stiller werden. Eine Minute verstrich. Zwei. Drei. Zehn.

Als ich nach fünfzehn Minuten nichts wahrgenommen habe, traute ich mich, mich in Bewegung zu setzen. Ich blickte durch den kleinen Schlitz zwischen den beiden Schranktüren. Nichts.
Ich bin paranoid.

So leise es ging öffnete ich eine davon und trat auf Zehenspitzen heraus.
Das ganze Zimmer war dunkel und der Vollmond war die einzige Lichtquelle, die durch die Vorhänge in mein Zimmer strahlte. Mit langsamen Schritten, wagte ich nach vorne zu treten und atmete erleichtert auf, als ich immernoch nichts hörte.

Autos fuhren vorbei, Menschen lachten und redeten laut miteinander, wie immer. Ich seufzte. Da hab ich mir ja richtig Angst eingejagt, wie konnte ich nur denken, dass..

Am vom Mondschein behellten Boden spiegelte sich plötzlich ein weiterer Schatten ab. Doch bevor ich reagieren konnte, spürte ich wie ich an meinen Haaren gepackt wurde und mein Kopf nach hinten gezogen wurde.
Ich wollte schreien, doch mein Hilferuf wurde durch ein Tuch, welches gegen meinen Mund gepresst wurde, erstickt. Meine Lungen wurden sofort mit Luft gefüllt, die jedoch anders roch. Fuck.

Ich hielt meine Luft an, um nicht weiter das Rauschmittel, welches sich im Tuch befand, einzuatmen und versuchte die Hand des Einbrechers, der es gegen meinen Mund presste, wegzuschieben. Als das nichts brachte, bohrte ich meine Finger so fest in seine Haut, bis ich etwas flüssiges spürte. Ich wandte mich mit aller Kraft aus seinem Griff, schüttelte meinen bereits mit Drogen vernebelten Kopf, um nicht weiter dieses Zeug einzuatmen und schlug um mich herum. Mir wurde schwindelig und ich versuchte meine Augen aufzuhalten. Lauf, Lauf, Lauf.

Und dann ließ ich ihn los, um gleich in der nächsten Sekunde nach meiner Lampe auf dem Nachttisch zu greifen, bevor ich dem Einbrecher damit mit voller Wucht blind gegen den Kopf schlug. Ich hörte ihn schmerzhaft aufstöhnen und nutzte den Moment, um mich aus seinem Griff zu befreien.

Ich widmete ihn keines Blickes, sondern rannte aus dem Zimmer geradewegs zum Ausgang aus meiner Wohnung.
Als ich das Licht anschalten wollte, erinnerte ich mich erst jetzt daran, dass ich keinen Strom mehr hatte.

Doch als ich gleich danach die Tür öffnen wollte, war sie zugesperrt. Und der Schlüssel war weg. Scheiße, scheiße, scheiße!

Hinter mir nahm ich Schritte war und ich drehte mich gleich darauf um.
Ich blickte dem großgewachsenen maskierten Mann mit den allzu bekannten blauen Augen geschockt an, während er langsam auf mich zukam.

"Wer bist du?!", wollte ich wissen und presste meinen Körper gegen die Tür.
Ich erhielt keine Antwort.

Mein Kopf raste und ich spürte meine Beine nicht mehr, als ich meine Hände nach ihm ausstreckte und ihn mit meinen Spinnenweben angreifen wollte.
Der Mann zögerte für einen Moment, doch als er bemerkte, dass nichts passierte, kam er weiterhin auf mich zu.
Fuck! Ich starrte auf meine Handgelenke und erkannte, dass meine Apparate nicht einmal mehr leuchteten. Sie waren komplett am Arsch und nutzlos.

Seine Silhouette wurde immer größer und auf einmal überkam mich eine riesige Angst. Ich war ihm ausgeliefert.
Ich bekam Panik, die umso größer wurde, als ich bemerkte, dass seine Hand blau aufleuchtete. Ist das?..
Die Antwort sah ich.

Doch bevor ich von einer riesigen Feuerwelle getroffen werden konnte, duckte ich mich zur Seite und wurde von einer Explosion auf den Boden geschleudert. Ich stützte mich mit meinen Händen atemlos gegen den Boden, als ich die Stelle betrachtete, an der ich mich vor einer Sekunde befunden habe. Die Wand war komplett verbrannt und verkohlt.

"Hör mir genau zu.", befahl der maskierte Mann in einem tiefen Ton und ich erkannte seinen Schatten auf mich zukommen. Er stand genau vor mir und schaute auf mich mit einem kühlen Blick hinab. "Wenn du nicht genauso enden willst wie die Wand, komm mit. Keine Fluchtversuche und kein Schreien, sonst lösche ich deine Existenz schneller aus, als du das Wort aussprechen kannst."

Ich erkannte in seinen Augen, dass er es komplett ernst meinte.
Und das weckte mich erst so richtig auf.
Lauf. Sofort. Er wird dich sowieso töten.

Ich nickte langsam und als er sich zu mir kniete, schlug ich ihm mit voller Kraft ins Gesicht. Ohne auch nur eine weitere Sekunde zu warten, zwang ich mich auf die Beine und rannte kreuz und quer bis in meine Schlafzimmer.

Mein Knöchel schmerzte und ich spürte eine warme Flüssigkeit über meine Stirn laufen, doch ich ignorierte es und riss mein Fenster ganz auf. Wenn die Tür abgeschlossen war, dann würde ich eben aus dem Fenster springen.

Ich blickte auf die acht Stockwerke unter mir und schluckte schwer. Irgendwie würde ich das schon überleben.
Aber als ich gerade das Fensterbrett loslassen wollte, spürte ich, wie ich von hinten am Zaum meines T-Shirts gepackt wurde und so ruckartig nach hinten gezerrt wurde, dass ich hart mit den Kopf gegen den Boden aufprallte.

Ich wollte gerade aufstehen, doch da packte mich der Mann an meinem Hals und pinnte mich gegen den Boden.
"Versuche es gar nicht erst.", drohte er und hielt seine glühende Hand vor mein Gesicht.

Ich ließ ihn sofort los und atmete schwer. Eine gewaltige Angst überkam mich und ich wusste, dass das jetzt mein Ende war. "Bitte.", stieß ich aus. "Bitte, lass mich gehen."

Doch statt eine Antwort zu bekommen, spürte ich wieder dieses Tuch an meinem Mund, als er meinen Hals genau im selben Moment losließ und ich stark einatmete. Im nächsten Moment war alles schwarz.






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