Kapitel 3


Y/n:

"Willst du mich verarschen?! Du warst seit drei Wochen nicht mehr bei der Arbeit und denkst, dass du einfach wieder hineinstolzieren kannst?"

Mein Boss sah mich voller Zorn an und haute dabei mit seiner Handfläche auf den Tresen, doch ich zuckte nicht mal mit der Wimper. Aiden wäre eigentlich die perfekte Person, um sich mit ihm vollaufen zu lassen, doch leider war er mein Chef und einer der ergeizigsten Gastronomiebesitzer, die es geben konnte.

Ich arbeitete für den fast vierzigjährigen schon vier Jahren, aber eben mit ein paar "Urlaubstagen". Diesmal war es wirklich übertrieben, aber der Fall mit Mr. Blackwood hat so viel Zeit eingenommen, dass ich Tag und Nacht vor dem Rechner war und nach seinem genauen Standort gesucht habe. Wenigstens habe ich das geschafft.

"Ach komm schon, du brauchst mich doch.", erwiderte ich und warf ihm einen Hundeblick zu. "Ich nehme auch für dieses Jahr keinen Urlaub mehr."

Seine Miene verfinsterte sich nur umso mehr. "Es ist der 25 Dezember, das Jahr endet in fünf Tagen!"
Einige Gäste hinter uns drehten sich um.

"In sechs Tagen.", korrigierte ich ihn hustend und er war kurz vorm Platzen. Mathe war nie seine Stärke gewesen.

"Y/n, ich meine das ernst."

"Ich auch.", erwiderte ich und griff nach meiner Schürze, um sie mir um meine Taille zu binden.

Aiden riss sie mir aus der Hand.
"Du bist gefeuert."

Ich riss etwas meine Augen auf. Soweit sind unsere Streitigkeiten noch nie gegangen.

"Das ist eine Spaß, oder?", fragte ich und versuchte meine Befürchtung mit einem Lachen zu überspielen.

Sein Gesichtsausdruck wurde auf einmal etwas sanfter. "Y/n, ich weiß, dass es dir nicht gut geht und du noch viel mit dir selber zu kämpfen hast. Ich mag dich wirklich, aber ich kann dich so nicht weiter arbeiten lassen. Du musst dich zuerst um dein eigenes Wohlbefinden kümmern. Ich glaube, du hast das mit deiner Mutter noch nicht ganz verkraften können und das ist auch vollkommen in Ordnung. Aber du brauchst ernsthaft Hilfe, sonst wird es dir nicht besser gehen."

Seine Worte brannten sich in mein Herz.
Ich versuchte die Fassung zu bewahren und ihm in keinster Weise zu zeigen, wie sehr mich das gerade getroffen hatte.
"Das soll doch ein Scherz sein. Mir geht es gut! Ich habe meine Gründe, wieso ich mir Urlaub genommen habe, ich.."

"Egal welche Gründe das sind, du kannst dir nicht fünf von zwölf Monaten Urlaub nehmen. Außer, wenn es dir psychisch nicht gut geht und genau das denke ich.
Y/n, ich möchte, dass du zur Therapie gehst. Bitte denk darüber nach und nimm dir Zeit für dich selber. Ich möchte, dass es dir gut geht."

Die Wut in mir wurde immer größer und langsam wurde sie auch sichtbar.
"Aber ich brauche diesen Job, Aiden! Wie soll ich mir bitte eine Therapie leisten, wenn ich kein Geld habe?! Wie soll ich leben? Du weißt, dass mich niemand anderes einstellen wird! Bitte gib mir noch eine Chance, ich besser mich, versprochen!"

Aiden schüttelte nur enttäuscht seinen Kopf. "Es tut mir leid. Bitte nimm deine Sachen, du bist entlassen."

Mein Mund blieb offen stehen. Okay, damit habe ich nicht gerechnet.
Ich wusste, dass er es nicht böse meinte, aber in diesem Moment war ich zu wütend, um mir das klar zu machen.

"Gut." Ich ließ von der Schürze ab und nahm meinen Mantel vom Kleiderständer. "Aber ich bin mir sicher, dass sich das Trinkgeld um die Hälfte minimieren wird, wenn ich nicht kellnere. Die Mehrheit der Männer ist halt heterosexuell und es wird ihnen bestimmt nicht gefallen, wenn du die einzige weibliche Mitarbeiterin aus einer Bar schmeißt."

Ein leichtes Lächeln bereitete sich über seinen Mundwinkel aus. "Wenn ich kurz davor bin dicht machen zu müssen, stelle ich dich wieder ein, ja?"

Ich brachte nur ein gefälschtes Lachen zustande, bevor ich meine Tasche um meine Schulter hing und ging.
"Auf Wiedersehen, Aiden."

Mein Herz schlug heftig gegen meine Brust, als ich mich zum Ausgang der belebten Bar begab. Ich war kurz davor diesen scheiß Laden in brannt zu stecken. Und dann gab mir der Anblick auf dem Fernseher den Rest.

"Wieso denken Sie, dass Venatrix mit Mr. Blackwood zusammengearbeitet und an dem Kinderhandel beteiligt gewesen war?", wurde All Might von einem Interviewer gefragt und alle Augen waren auf ihn gerichtet.

"Dazu gibt es viele Gründe. Zum einen.."

Der Fernseher überlebte es nicht mehr.
Im nächsten Moment habe ich schon nach dem Teller eines Gastes gegriffen und ihn direkt auf den Bildschirm geworfen, der gkeich danach in tausend Teile zersplitterte. Zum Glück waren hier nur betrunkene Männer anwesend die mich eher ausbuhten statt
anschrien.

Aiden rief im Hintergrund nach meinem Namen, doch ich widmete ihn keines Blickes. "Sorry Leute, ist mir aus der Hand gerutscht." Ich zuckte mit meinen Achseln, bevor ich diese beschissene Bar verließ.

Ich wurde gefeuert und bin jetzt offiziell arbeitslos. Wer wird mich bitte einstellen? Spätestens bei der Angabe meines Wohnortes ist die Chance so hoch wie ein Lottogewinn, dass ich einen vernünftigen Job bekomme. Und ich werde sicher keine Prostituierte.
Ich war kurz davor laut aufzuschreien.

Es war bereits elf Uhr Nachts und kein Bus fuhr mehr so außerhalb des Stadtzentrums. Und da ich dachte, dass ich bis vier Uhr morgens arbeiten würde, habe ich nicht einmal meine Apprate für meinen selbstgemachten Quirk mitgenommen, um mich nachhause zu schwingen. Ich stöhnte genervt auf, als ich mich auf den Weg nachhause machte.

Ich zog meine Kopfhörer aus der Tasche und machte mir irgendeine Musik für meinen vierzigminuten Fußmarsch an.
Ich glaube, ich muss wirklich zur Therapie. So viel Unglück wie ich kann man doch nicht haben. Und dann noch diese scheiß Fernsehsendung. ICH habe für Mr. Blackwoods Verhaftung gesorgt und nicht All Might. Und jetzt wird noch das Gerücht verbreitet, dass ich mit ihm unter einer Decke stecke?

Ich schaltete die Musik auf volle Lautstärke, bis ich nichts mehr außer sie wahrnahm. Während ich versuchte gleichmäßig zu atmen, beruhigte ich mich etwas. Es würde schon alles gut gehen. Das tat es immer.

Es fing langsam an zu regnen und ich beschleunigte meine Schritte etwas, um schneller nachhause zu kommen.
Mein Blutdruck wurde etwas niedriger, als ich der beruhigenden Musik zuhörte.
Es wird alles gut. Ich schlafe einfach eine Nacht darüber und schaue mal, was passiert. Denn..

Mein Herz blieb für eine Sekunde stehen, als ich von hinten einen leichten Schatten erkannte. Ich drehte mich sofort um, doch hinter mir war nur ein leerer, regendurchnässter Weg.
Was war das? Habe ich mir das eingebildet?

Ich zog meine Kopfhörer runter und beschloss noch schneller nachhause zu gehen. Dieser Weg war düsterer als ich dachte und ich besaß keine Mittel, um mich zu verteidigen.
Eigentlich wollte ich mir einen Uber bestellen, aber ich hatte kaum Geld dabei und konnte es mir nicht leisten.

Nach dreißig Minuten war ich kurz vor meinem Zuhause und atmete erleichtert auf, als ich unter mehreren Menschen in der Stadt untertauchen konnte. Man bekam da doch ein sicheres Gefühl.
Während ich mit der Menschenmenge weiterlief kamen wir bis zu einer Ampel an, die plötzlich auf rot umsprang. Bis ich diese jedoch gesehen habe, bin ich bereits weitergelaufen und stieß dabei mit voller Kraft gegen eine Wand.
Nein, eine Person.

Ich hörte irgendetwas auf den Boden fallen und kniete mich sofort nach unten, während ich sagte: "Oh das tut mir leid, warten Sie.."

Ich konnte meinen Satz kaum zu Ende bringen, denn als ich nach der halbgeöffneten Tasche auf dem Boden griff, um sie aufzuheben, öffnete sie sich ganz und was ich darin erkannte, brachte mich zum Stocken.
Ist das.. eine Pistole?.. und Fesseln?

Mein Herz schlug wie wild gegen meine Brust und ich blieb reglos kniend in meiner Position stehen. Meine Gedanken rasten und bevor ich überhaupt in der Lage war zu reagieren, bemerkte ich bereits eine dunkle Silhouette unter der Menschenmenge vor mir stehen.

"Nicht dein Tag, was?", hörte ich eine raue, tiefe Stimme sagen und blickte sofort nach oben.

Mein Herz blieb stehen, als ich ihn die dunklen, meeresblauen Augen eines maskierten Mannes schaute. Doch das war nicht das angsteinflößende daran.
Die Augenlider und alles drumherum war benarbt und..genäht?

Mein Magen zog sich krampfhaft zusammen und ich hielt immernoch mit zittrigen Fingern den Saum des Rucksackes, während ich ihn wie versteinert mit weit aufgerissenen Augen anstarrte.

"Ich..", fing ich an, konnte aber meinen Satz nicht beenden. Beweg dich.

Der schwarz gekleidete, großgewachsene Mann nahm mir seine Tasche ab und schnürrte sie gelassen zu. "Machen Sie sich keine Sorgen, ich bin Polizeibeamter.", erklärte er, weil er sicher den Schock in meinen Augen abgelesen hatte.

Das ist eine Lüge.
Ich hoffte, dass meine Gedanken falsch lagen. Doch diese Augen.. In ihnen spiegelte sich der Albtraum höchstpersönlich ab.

Bewahre die Fassung, Y/n.
"Ah okay, ergibt Sinn.", antwortete ich und lächelte schüchtern. "Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Abend.", fügte ich noch hinzu und lächelte leicht, bevor ich mich umdrehte und so schnell es ging unter die Menschenmenge untertauchte.

Ich hörte mein Blut in meinen Ohren rauschen und irgendetwas in mir schrie mich an sofort abzuhauen. Ich lief immer schneller und schneller, versuchte komplett unterzutauchen und drehte mich immer wieder um, um zu schauen, ob ich verfolgt wurde.

Nach einigen Minuten konnte ich mich etwas beruhigen. Reg dich ab. Er war sicher nur ein Polizeibeamter, nicht mehr und nicht weniger. Es ist dunkel, du bist alleine und du bist eine Frau, natürlich stellst du dir die schlimmsten Dinge vor.

Ich machte mich so schnell es ging auf dem Weg nachhause, doch ich würde lügen, wenn ich behaupten würde, dass ich mich nicht verfolgt fühlen würde.

Dabi:

"Toga. Sie weiß es.", sagte ich in mein In-Ear-Funkgerät und schaute Y/n L/n hinterher. "Wir müssen sie schleunigst ausfindig machen."

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