Kapitel 13


Y/n:

Schlag. "Zu langsam"

Schlag. "Unpräzise"

Schlag. "Ist das alles, was du draufhast?"

Dabi's harsche Worte hallten stumpf in meinem Kopf nach, was mein Adrenalin hochschießen ließ. Ich schlug immer wieder zu, konzentrierte mich auf seinen Brustkorb, den ich als Ziel ansetzte, aber alle meine Schläge wurden abgeblockt. Seinen konnte ich meist gerade so ausweichen, aber wenn ich dran war, bewegte er sich in einem so schnellen zugleich aber auch gelassenen Tempo, dass ich gar nicht an ihn rankam.

Gerade, als ich mich duckte, um seinem Schlag auszuweichen, holte ich aus, um seine Seite zu treffen, aber er fing ihn erneut mit Leichtigkeit ab und stieß mich zurück. Schweratmend stützte ich meine Hände gegen meine Oberschenkel und ringte nach Luft, während ich Dabi dabei beobachtete wie er sich mit einer Hand durch seine Haare fuhr und keinerlei Zeichen für jegliche Körperanstrengung zeigte.

"Was ist nur los mit dir?", wollte er nach ein paar Sekunden wissen.

"Was meinst du?"

"Ich meine, dass wir tagtäglich vier Stunden trainieren und das schon seit fünf Wochen und du immer noch scheiße bist.", antwortete er und ich verengte seine Augen.

"Willst du mich verarschen? Ich sehe auf jeden Fall Fortschritte.", fuhr ich ihn an, was auch stimmte. Ich reagierte schneller auf Angriffe und meine Bewegungen waren um einiges flüssiger. Erwartete er etwa von mir, dass ich schon nach ein paar Wochen kämpfte wie jemand der schon seit Jahren trainierte?

"Dann bist du blind.", erwiderte er und ich hörte das Blut in meinen Ohren rauschen.

"Du kannst mich mal.", knurrte ich und wandte ihm den Rücken zu, bevor ich von der Matte ging.

Hinter mir hörte ich ein Schmunzeln. "Das heißt du haust wieder ab und gibst auf?"

"Ein Problem damit?" Ich packte meine Flasche und mein Handtuch in meine Tasche, ehe ich Dabi's Schritte hinter mir hörte.

"Ich habe keins. Aber du wirst eins haben, wenn dich wieder jemand von den Schurken oder wer auch immer angreifen wird, so wie es Marko getan hat." Mein Herz blieb für eine Sekunde stehen, als Dabi seinen Namen erwähnte und ich hielt kurz inne. Er stand nun hinter mir und ich spürte seinen Blick auf meinem Rücken.

Plötzlich kam er mir so nahe, dass ich seinen Brustkorb gegen meinem Rücken spürte und sein heißer Atem an meinem Ohr für eine Gänsehaut sorgte. "Sag mir, Y/n, wie hat es sich angefühlt, als er alles mit dir tun konnte, nur weil du zu schwach gewesen warst dich zu wehren?"

Das war genug.

Ich holte so schnell aus und drehte mich dabei in seine Richtung, dass er meinen zuvorkommenden Schlag erst spät bemerkte und ich seine Wange streifte, ehe er ganz ausweichen konnte.
Ich habe es noch nie geschafft ihn im Zweikampf so nahe zu kommen.

Dabi trat einen defensiven Schritt zurück und für eine Millisekunde starrte er mich überrascht an. Das hatte er auch noch nie getan. Doch in dem Moment war ich zu wütend, um mich mit so einer Kleinigkeit zu rühmen. Ich wollte diesem Arschloch so fest ins Gesicht schlagen, dass er nie wieder ein Wort gegen mich sagen könnte.

Deswegen zögerte ich keinen Moment, um noch einmal anzugreifen und steckte meine ganze Energie in meine Schläge ein. Dabi fing sie schnell ab, doch ich bemerkte wie er tiefere Atemzüge nahm und sich seine Gesichtszüge änderten.
Er war ernster. Ich schlug so oft zu, dass er kaum in der Lage war, selbst anzugreifen.

Mein Herz raste, doch das aufsteigende Adrenalin sorgte dafür, dass ich mich plötzlich umso stärker fühlte. Als ich einen kurzen Moment zögerte, nutzte Dabi ihn sofort aus und griff mich an. Dieses Mal waren seine Schläge doppelt so schnell und so fest, was ich sofort zu spüren bekam. Als er mich in meiner Magengegend traf, wollte mein Mittagessen vor Schmerz hochkommen, doch ich ignorierte es und setzte selbst zum Angriff an. Ich passte mich schnell an sein neues Tempo an und für einige Sekunden lieferten wir beide uns ein Gefecht aus Schlägen und Blocken.

Ich hörte wie seine Atmung immer schneller wurde, was ein befriedigendes Gefühl in mir auslöste. Meine Lunge fühlte sich an, als würde sie in tausend Splitter zerspringen, doch ich ließ nicht nach. Nur ein Schlag. Nur ein verdammter Schlag.

Als ich einen harten Schlag von ihm blockte und ihn von meinem Kopf weglenkte, duckte ich mich leicht, um ihn gegen seine Rippen zu treffen, doch der Mistkerl konnte meinen nächsten Zug vorausschauen und reagierte schneller. Er griff nach meinem Handgelenk, zog ihn plötzlich nach hinten und nahm mich ehe ich überhaupt reagieren konnte in einen Polizeigriff. Mein Körper spannte sich sofort an und ich versuchte mich gleich wieder zu befreien, doch sein Griff verstärkte sich.

Sein Brustkorb atmete schwer gegen meinen Rücken und ich konnte die Hitze, die sein Körper ausstrahlte, spüren. "Für einen kurzen Moment dachte ich, dass du mich kriegst.", stieß er aus und hielt mich immer noch fest.

"Wer hat gesagt, dass ich das noch nicht tun werde?" Mein Körper handelte schneller als mein Verstand. Ich stieß meinen Hinterkopf so fest ich konnte gegen sein Gesicht, sodass er seinen Griff für einen kurzen Moment lockerte und schwer ausatmete. Ich zog meinen Vorteil aus dieser Sekunde und verkeilte mein Bein in seine Kniekehle, ehe ich uns beide mit meiner ganzen Körperkraft auf den Boden stieß und wir auf die harte Matte aufeinanderprallten.

Ein gewaltiger Schmerz zuckte durch meinen Hinterkopf und meine Handgelenke, doch ich rappelte mich schnell auf und pinnte Dabi mit meinen Körper gegen den Boden. Wir starrten uns für einen Moment schweratmend an und erst jetzt bemerkte ich wie nah wir uns gerade waren. Und erst dann wurde mir bewusst, dass ich rittlings auf seinem Becken saß.

Bevor ich realisierte, was geschah, griff Dabi nach meinen Handgelenken und drehte uns beide mit Schwung in die entgegengesetzte Position, sodass ich nun unter ihn lag und mich kaum bewegen konnte. "Ein Tipp: Auch wenn dein Gegner hübsch aussieht, solltest du dich nicht von seiner Schönheit blenden lassen.", sagte er in einem amüsierten Ton und grinste.

"Fick dich.", zischte ich und wollte mich befreien, doch er ließ mich nicht los.

"Die Trainingsstunde ist beendet."

Ich lachte auf. "Hat da jemand etwa Angst bekommen?"

Seine meeresblauen Augen weiteten sich für einen Moment, bevor er seinen Griff lockerte und mich schließlich endgültig losließ und aufstand. "Sicher doch. Wer sollte vor dir Angst haben, Spider-Freak?"

Und er konnte den Spitznamen nach sieben Wochen immer noch nicht lassen. Ich blieb auf dem Boden sitzen und musterte ihn. Er bemerkte meinen nachdenklichen Blick, als er fragte: "Was?"

"Du hast mich extra provoziert, nur damit ich dich wieder angreife, oder?"

Auf Dabi's Gesicht bildete sich ein leichtes Lächeln ab, kein Grinsen. "Schlaues Mädchen."

Und dann verließ er den Kraftraum.
Ich ließ mich auf die Matte fallen und ein Gefühl von Stolz bereitete sich in meiner Brust aus. Obwohl ich schon eik Haufen Schurken besiegt habe, hatte ich mich noch nie so erfüllt gefühlt.
Zum ersten Mal kam etwas aus meiner eigenen Kraft und ich habe es wirklich geschafft. Ich habe ihn endlich das Maul gestopft. Und ich würde es wieder tun.
Ich lächelte.

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