Kapitel 12


Dabi:

Hätte Twice sich nicht eingemischt, würde dieser Mistkerl nicht mehr am Leben sein. Doch ich hätte seinen Tod auch nicht bereut. Ich wollte ihn immer noch.

"Bist du dir eigentlich im Klaren, was du getan hast?!", schrie Shigaraki mich an und haute mit seiner Faust so hart auf dem Tisch, dass ich ihn wieder anschaute.

"Ich habe nur meine Schülerin verteidigt.", entgegnete ich trocken und lehnte mich mit verschränkten Armen im Stuhl zurück.

"Zwischen jemanden verteidigen und jemandem am ganzen Körper Verbrennungen zweiten und dritten Grades zuzufügen liegt ein gewaltiger Unterschied. Marko konnte gerade so von unseren Heilern gerettet werden."
Leider.

"Was willst du von mir? Soll ich mich bei ihm entschuldigen und ihm eine Packung Schokolade kaufen, oder was?", fragte ich in einem ironischen Ton und Shigaraki's Augen blitzten.

"Lass deinen scheiß Sarkasmus beiseite. Ich will, dass du dich zusammenreißt und aufhörst unsere Kollegen anzukockeln."

Ich musste anfangen zu lachen.

"Dabi."

"Okay, chill mal, ich werde es nicht mehr tun. Ich hab's verstanden."

Shigaraki zog ungläubig seine Augenbrauen hoch. "Muss ich dich erinnern, dass ich unseren Deal jederzeit Platzen lassen kann?"

Mein Grinsen verschwand sofort.

"Willst du mich verarschen? Du hast mir befohlen, dass ich den Babysitter für Y/n spielen soll und das habe ich. Wenn Marko nicht die Kompetenz hat sich zu wehren, dann gehört er nicht hierher. Das war keine große Flamme.", argumentierte ich, wohlwissend, dass der letzte Teil eine glatte Lüge war.

"Ich meine das ernst, Dabi. Wenn du mit dem Scheiß weitermachst, dann kannst du den Plan vergessen deinen Vater mit zweihundert weiteren Schurken umzubringen. Und du weißt, dass du ohne uns nie an ihn rankommen wirst, also benimm dich. Das ist meine letzte Ermahnung.", drohte er und ich stand auf.

"Gut.", gab ich von mir und öffnete die Tür, um zu gehen.

"Und Dabi-.."

Ich blickte über meine Schulter, direkt in sein Gesicht, wo sich ein Grinsen abspiegelte.

"Entschuldige dich bei Blackwood.", befahl er, bevor ich die Tür hinter mir zuknallte. Leck mich.

Ich durchquerte den dunklen Gang und blickte auf die Uhr. Es war neun Uhr morgens. Als ich die Treppen rauging und gerade in Richtung von Y/n's Zimmer gehen wollte, kam mir Toga mit einem schockierten Gesichtsausdruck entgegen. "Dabi, sag mir, dass die Gerüchte nicht wahr sind!"

"Was meinst du?" Natürlich hatte ich eine Ahnung, aber ich hoffte inständig, dass es um wen anderen ging und nicht um mich.

"Ja, dass du Marko fast umgebracht hättest!", meinte sie und hob energisch ihre Hände hoch.

"Wer hat dir das erzählt? Twice?"
Wenn ja, dann würde ich ihn gleich darauf auch ins Krankenhaus verfrachten.

"Nein, Marko hat es uns allen erzählt, als uns gesagt wurde, dass er zu den Heilern gebracht wurde. Er meinte, dass du Y/n und ihn beim Rummachen erwischt hast und du dann voll eifersüchtig reagiert hast und das der Grund deines Angriffs auf ihn war."

Mein Adrenalin stieg sofort hoch.
Anscheinend will er wirklich sterben.
"Ach, anscheinend ist er ganz schön gesprächig dafür, dass ich ihn fast umgebracht hätte.", entgegnete ich scharf.

"Stehst du etwa auf Y/n?", wollte sie wissen und grinste mich an.

"Toga, geh mir aus den Augen.", knurrte ich und ging an ihr vorbei.

"Das heißt also ja.", meinte sie und ich atmete tief aus. Sie machte mich wahnsinnig.

"Glaubst du wirklich jeden Scheiß, den dir dieser Typ erzählt, aber nicht mir? Ich dachte ich wäre nach deinen Worten ein Bruder für dich.", sagte ich in einem abfälligen Ton und sie kicherte.

"Ja natürlich, aber du lügst mich ständig an. Und da du gerade auf dem Weg zu
Y/n's Zimmer bist, weiß ich nicht so recht, ob man dir glauben kann."

"Kümmere dich einfach um deinen eigenen Kram, ja?", sagte ich ihr hinterher und hörte ihr nachhallendes Lachen. Wann wird sie endlich erwachsen werden?

Als ich vor Y/n's Tür stand, blieb ich davor stehen und zögerte kurz den Knauf nach unten zu drücken. Ich überlegte zu klopfen, entschied mich jedoch um und öffnete sie gleich.

Mein Blick schweifte über ihr Zimmer bis zu ihrem Bett, wo sie drauflag. Ihre leeren Augen waren starr auf die Decke gerichtet und es schien so, als hätte sie meine Anwesenheit gar nicht bemerkt. Ich ging auf sie zu und blickte auf sie herab. Als ich ihre verbunden Arme und Beine entdeckte und einige Blutergüsse an ihrem Hals und ihrer Schulter sah, fing mein Herz an schneller zu schlagen.

"Papa, bitte hör auf!", flehte ich und streckte meine Arme schützend vor mein Gesicht. Er riss sie weg und stieß mich nach hinten, sodass ich hart auf den Boden knallte.

Meine Knöchel schmerzten und die Blutergüsse vom letzten Mal Taten umso mehr weh. Ich wimmerte, als er auf mich zukam und drückte mich gegen die Wand.

"Hör auf zu heulen, Toya!" Er packte mich am Zaum meines Shirts und zog mich näher zu sich. "Das sind die Konsequenzen, wenn du dich gegen mich auflehnst!"

Der nächste Schlag sorgte dafür, dass alles um mich herum dunkel wurde.

"Was willst du hier?", hörte ich Y/n und ich wurde sofort zurück in die Realität geschleudert. Ich schluckte schwer und versuchte mir nichts anmerken zu lassen.

"Wir müssen deine Wunden regelmäßig reinigen.", erklärte ich und ließ meinen Rucksack fallen, bevor ich mich neben ihr an die Bettkante setzte und den Reißverschluss öffnete.

Y/n versuchte sich mit ihren Handgelenken gegen das Bett zu stützen, doch als ich bemerkte, dass sie kurz davor war wieder einzusacken, schlang ich einen Arm um ihren Rücken und half ihr sich aufzusetzen. "Ich hätte das auch selber gekonnt.", murrte sie und ich unterdrückte einen provokanten Kommentar. Ihr Tag war schon schlimm genug.

"Zieh dein T-Shirt aus."

Sie riss leicht ihre Augen auf, worunter sich dunkle Ringe abzeichneten. Obwohl sie so niedergeschlagen und müde aussah, klang ihr energischer Ton ganz anders: "Ich kann mich selber verarzten, also lass die Sachen einfach da und geh."

Meine Geduldsspanne wurde immer kürzer. "Du kannst geradeso aufrecht sitzen, also pack einmal deine Sturheit weg und lass mich dir helfen."

Wir starrten uns für ein paar Sekunden herausfordernd an, ehe sie endlich nachgab und ihr T-Shirt auszog. Ich wusste, dass es ihr nach Marko's Aktion sicher noch unangenehmer war sich mir im Dekolte zu zeigen, weswegen ich versuchte so sanft es ging ihre Verbände am Brustkorb abzumachen.

"Was hast du mit Marko gemacht?", fragte sie nach ein paar Minuten zögerlich, während ich ihr eine Creme auftrug und bemerkte, dass sich auf ihrer zarten Haut plötzlich eine Gänsehaut abbildete.

"Ihm eine Lektion erteilt.", antwortete ich knapp und konzentrierte mich auf meine Arbeit.

"Geht es ihm gut?", wollte sie wissen und ich schmunzelte in einen ironischen Ton.

"Machst du dir wirklich um dieses Arschloch sorgen?"

"Du hast ihn in Flammen gesetzt, natürlich will ich wissen wie es ihm geht.", entgegnete sie gereizt.

"Gut genug für das, was er getan hat."

Y/n schluckte schwer, als sie sich auf mein Kommando umdrehte und ich nun ihren Rücken bearbeitete. Ich hielt für einen Moment still, als ich neben ihren Wunden an ihrer Wirbelsäule ein mittelgroßes, schwarz-weißes Tattoo von zwei Koifischen entdeckte.

"Haben die Fische eine Bedeutung?", wollte ich wissen, doch Y/n schüttelte ihren Kopf. Wieso interessierte es mich überhaupt?

"Warum hast du überhaupt um so eine späte Uhrzeit trainiert?", hackte ich weiter nach.

"Weil ich besser werden wollte.", antwortete sie in einem schlichten Ton, doch, aber ich hörte die Zweideutigkeit heraus. Weil ich dir das Gegenteil beweisen wollte.

"Und dann findest du es sinnvoll mitten in der Nacht unter Schurken alleine zu trainieren? Du weißt schon, dass Marko und alle anderen Schurken nur auf so eine Gelegenheit gewartet haben."
Wie konnte sie nur so dumm sein?

Sie schwieg für einen Moment.
"Ich habe seinen Vater den Helden ausgeliefert. Deswegen hasst er mich."

"Verständlich. Aber er hat seine Strafe bekommen und wird es nie wieder tun. Doch du trainierst nie wieder ohne mich, verstanden?"

"Du bist nicht mein Babysitter.", fuhr sie mich an und ich verengte meine Augen.

"Warum muss ich mich dann immer wieder wie einer benehmen?"

Sie wollte etwas erwidern, doch schwieg letztendlich. Als ich jedoch mit ihrem Rücken fertig war und jetzt ihren Hals behandeln wollte, griff sie blitzschnell nach meinem Handgelenk, bevor ich ihn überhaupt berühren konnte. "Nicht."

Ich bemerkte wie ihre Finger zitterten und sich ihre Brust schwer hob und senkte. "Ich mache das.", sagte sie und ich zog meine Augenbrauen hoch.

"Was ist dein Problem?", wollte ich wissen und stand auf. Y/n zog schnell ihre T-Shirt wieder an und schaute zu mir hoch.

"Ich will es einfach selber machen, okay?" Eigentlich hätte ich etwas erwidert, aber in dem Moment klang ihr Ton bereits so verzweifelt, dass ich schnaubte und sie machen ließ.
Ich schaute ihr geduldig dabei zu, wie sie langsam ihr Verband abzog, es reinigte und dreimal langsamer wie ich behandelte.

Nachdem sie komplett fertig war, packte ich die Sachen ein und legte den Ranzen zur Seite. "Brauchst du noch was?", erkundigte ich mich, doch sie schüttelte ihren Kopf.

"Gut, ruh dich aus, ich komme in fünf Stunden wieder.", sagte ich und ging zur Tür, um hinauszugehen.

"Dabi.", hörte ich sie meinen Namen sagen, was sie sonst eigentlich nie tat.

Ich blickte über meine Schulter zu ihr rüber, doch ihr Blick war wieder auf die Decke gerichtet. "Danke."

Danach ließ ich die Tür ins Schloss fallen und ließ sie alleine. Mein Herz schlug wie wild gegen meine Brust, als ich immer wieder Y/n in mir selbst wiedererkannte. Diese Wunden, die Blutergüsse, ihr leerer Blick..
Ich werde diesen Mistkerl umbringen.



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