Kapitel 11
Y/n:
Es war vier Uhr morgens und ich trainierte. Und das schon seit Stunden.
Meine Arme zitterten, als ich zum tausendsten Mal gegen den Boxsack schlug und ein scharfer Schmerz über meine Fingerknöchel zuckte. Sie waren bereits wund. Das Gefühl ließ mein Adrenalin ansteigen und ich schlug umso fester zu. Beim nächsten Schlag blieb Blut an der Oberfläche kleben.
Ich pausierte für einen Moment und atmete schnell, während sich meine Brust hastig hob und senkte. Mein Körper sehnte sich danach sich endlich im Bett fallen lassen zu können und sich auszuruhen, doch ich konnte nicht.
Die letzten zwei Nächte sind komplett schlaflos vergangen und jedes Mal fraßen mich meine Gedanken förmlich auf. Ich durfte nicht zulassen, dass mich die Angst und Hoffnungslosigkeit verschlang. Der Trainingsplatz hier war mein einziger sicherer Ort.
Ich trainierte bereits seit sechs Stunden durch und Dabi wusste bis jetzt nichts davon. Wir übten zwei Mal am Tag immer wieder dieselben Kampftechniken, doch ich schlich mich nach unseren Trainingseinheiten erneut in den Saal. Da die anderen Schurken es besonders auf mich abgesehen haben, ging ich erst meist zu deren Schlafzeiten in den Kraftraum, sodass ich immer alleine war. Das war der einzige Moment, wo ich meine Einsamkeit genoss. Vielleicht konnte ich damit nur der Realität entfliehen, denn irgendwo glaubte ich noch in Tokio zu sein.
Wo alles gut war. "Lauf."
Ich schlug so fest gegen den Boxsack, dass mein Oberkörper aufgrund des Schmerzes zusammenzuckte.
"Wie wäre es mal mit Boxhandschuhen?", ertönte es hinter mir und ich drehte mich schnell um.
Ein großgewachsener Mann mitte zwanzig mit braunen Haaren kam auf mich zu und grinste mich amüsiert an.
Ich kannte den Kerl vom Aussehen und habe ihn schon öfters hier mit anderen ringen sehen. Irgendwie kam er mir bekannt vor. Bis jetzt bin ich seinen Blicken immer gut ausgewichen, doch nun war es zu spät.
"Hier trägt niemand Boxhandschuhe.", entgegnete ich und zuckte mit meinen Achseln, bevor ich mich weiter auf meine Schläge konzentrierte.
"Weil auch niemand so zerbrächliche Hände hat wie du.", erwiderte er und ich hielt kurz inne.
"Konzentriere dich auf deinen eigenen Scheiß."
Ich hörte wie seine Schritte immer lauter wurden, bevor er sich vor mich stellte und seine Arme vor die Brust verschränkte. Scheiße ist er groß.
Sein Blick wanderte von oben bis unten und es fühlte sich an, als würde er mich wie seine Beute ansehen. Er kann mich mal.
"Du bist also die berühmte Antiheldin Venatrix? Ich habe mich immer gefragt wie es wäre gegen dich zu kämpfen.", fing er an und ich wusste worauf er hinaus wollte.
Als ich nicht antwortete und ihm somit ein deutliches Zeichen gab, dass ich nicht mit ihm reden wollte, fuhr er fort: "Ich habe immer gehofft, dass wir uns in Tokio begegnen und ein bisschen quatschen. Wie oft ich mich gefragt habe, wer wirklich unter dieser Maske steckt. Jetzt weiß ich es. Y/n L/n." Er sprach meinen Namen besonders langsam aus.
"Und wer bist du, wenn ich fragen darf?", wollte ich wissen und lächelte in einem ironischen Ton.
Er grinste und hielt mir seine rechte Hand vor. "Marko Blackwood."
Ich stoppte und starrte ihn an.
Damian Blackwood. Ist er..
"Ich muss jetzt los, Dabi wartet bereits auf mich.", meinte ich stockend und versuchte so ruhig es ging zu klingen, bevor ich mich umdrehte, um zu gehen. Marko war jedoch schneller und packte mein Handgelenk, ehe er mich kräftig zu sich zog. "Nicht so schnell."
Fuck.
In seinen grünen Augen spiegelte sich purer Hass ab, während er jedoch in einem ruhigen Ton fragte: "Denkst du nicht, dass du mir was schuldig bist? Ich meine, du hast ja meinen Vater sogar an Heiligabend an die Bullen verpfiffen."
"Ja, weil er ein Arschloch ist.", platzte es aus mir heraus und seine Gesichtszüge wurden die seines Vaters immer ähnlicher. Als er seinen Griff um meinen Arm merklich verstärkte, bereute ich sofort meine Aussage.
"Vielleicht konntest du meinen Vater mit deinem erbärmlichen Spider Man Scheiß reinlegen, aber mich nicht.", knurrte er in einem bedrohlichen Ton, was mich umso mehr provozierte.
"Dieser Spider Man Scheiß hat ihn aber ziemlich armselig dastehen lassen, denkst du nicht?"
Und das war der Moment, wo Marko's Geduldsfaden endgültig geplatzt ist.
Er zog mich blitzschnell mit sich mit und als ich mich versuchte zu wehren, fing er meinen Schlag einfach ab und kugelte meinen Arm aus. Ich schrie schmerzerfüllt auf, doch er achtete gar nicht darauf, sondern stieß mich plötzlich von sich, sodass ich auf den Boden fiel - nein, auf eine Matte.
Mein Herz blieb für eine Sekunde stehen, als ich realisierte, wo ich mich gerade befand.
"Du und ich kämpfen. Jetzt. Niemand anderes, der sich einmischen kann und der, der gewinnt, lebt.", hörte ich und ich hob meinen Kopf, um ihm in die Augen blicken zu können.
"Bist du komplett übergeschnappt?! Wir sind auf der gleichen Seite!" Meine Stimme zitterte leicht vor Angst, als er über mir ragte und seine Silhouette immer größer wurde.
"Wir beide werden nie auf der gleichen Seite sein. Wegen dir ist mein Vater jetzt jahrelang - wahrscheinlich für immer im Knast. Ich werde dir jetzt genau das antun, was du mir angetan hast.", sagte er und ich rappelte mich schnell auf die Beine.
"Shigaraki wird nicht zulassen, dass du mir was antust.", versuchte ich auf ihn einzureden und er lachte ironisch auf.
"Und wie genau soll Shigaraki erfahren, was wir hier tun? Denkst du wirklich, dass nach unserem Kampf so viel von dir übrig bleiben wird, dass du mich verpfeiffen kannst?"
Mein Magen zieht sich zusammen, als seine Gestalt immer größer wurde und er mich vergnügt angrinst. "Dann zeig mir mal, was du draufhast, Y/n."
Ich riss meine Augen auf, als er seine Hand zur Faust ballte, um gleich darauf anzugreifen, ehe ich mich jedoch fasste und schnell auswich. Schweratmend schwang ich mich auf die Beine und hielt schützend meine Handballen vor meinem Gesicht, was ihn zum schmunzeln brachte.
"Denkst du wirklich, dass dir das was bringen wird?", wollte er wissen, bevor er wieder zuschlug und ich um ein Haar ausweichen konnte und einige Schritte zurücktrat. Ich wusste, dass er mit mir spielte.
"Ach komm schon, ich beiße nicht. Von dir hätte ich mir schon mehr erwartet.", provozierte er mich und kam näher.
Ich drückte mich gegen den Ring und schluckte schwer. Denk nach, denk nach!
Als er das nächste mal zuschlug, duckte ich mich schnell und erwischte gerade so seine Seite. Marko hielt kurz inne, bevor er plötzlich einen so schnellen Faustschlag gegen meinen Magen gab, dass ich durch seine Kraft wieder gegen den Ring gestoßen wurde. Für eine Sekunde blieb mir die Luft weg und ich atmete schwer.
"Schluss mit den Spielchen.", knurrte er und verengte seine Augen, während er erneut auf mich zukam.
Ich hustete, als ich versuchte auf meinen Beinen zu stehen und wegzulaufen, doch plötzlich spürte ich wie sich irgendetwas um meine Beine schlang und mir den Boden unter den Füßen riss. Als ich auf die Matte knallte, schrie ich laut auf, während ich bemerkte, dass dieser Bastard seinen Quirk gegen mich anwendete und mich mit Ranken gegen den Boden pinnte. Die Dornen bohrten sich in meine Haut, während sie sich immer enger wurden und sich um meine Handgelenke und Taille umschlungen. Ich wollte nach Hilfe schreien, doch Marko beugte sich über mich und nahm mir mit seiner Hand um meinem Hals meine Luft zum Atmen.
"Schluss mit den Spielchen.", knurrte er und ich schüttelte heftig meinen Kopf und mich irgendwie zu befreien. Währenddessen bohrten sich die Dornen von den Ranken seines Quirks noch tiefer in meine Haut, sodass mir automatisch die Tränen kamen.
Marko fing eine mit seinem Finger auf.
"Schau dich an, wie armselig du geworden bist. Ohne deinem Quirk kannst du dich nicht einmal verteidigen, sondern nur rumheulen."
Er ließ mich los, doch im nächsten Moment schlang sich eine Ranke um meinen Hals und ich spürte wie sie Dornen sich leicht reinbohrten. "Beweg dich nur einen Zentimeter und deine Halsschlagader wird durchtrennt.", drohte er und ich atmete schwer.
"Das gehört nicht zu den Regeln. Wir haben ausgemacht, dass wir unseren Quirk nicht anwenden.", stieß ich stotternd aus und er lachte ironisch aus.
"Haben wir das?"
Nein, das haben wir nicht.
Mein Mund öffnete sich, doch es kamen keine Worte raus. Ich war zu verängstigt, um irgendetwas zu sagen.
Mein Herz schlug wie wild gegen meine Brust und ich wusste, dass ich jede Sekunde sterben könnte.
Marko konnte anscheinend meinen Gedanken von meinem Gesicht ablesen. "Keine Sorge ich töte dich nicht. Noch nicht. Zuerst werde ich ein wenig Spaß mit dir haben."
Meine Lungen schnürrten sich bei seinen Worten zu und ich drohte zu ersticken. Sein grausames Grinsen wurde umso breiter.
"Es wird nicht lange dauern, versprochen.", versicherte er und ich spürte seine Finger unter mein Shirt rutschen. Seine Berührungen brannten auf meiner Haut und ich versuchte mich zu bewegen, zu schreien, doch die Dornen bohrten sich so tief in mein Fleisch, dass der Schmerz mir den Atem raubte.
"Bitte nicht. Bitte.", flehte ich und weitere Tränen flossen über meine Wange.
Seine Worte waren noch schmerzvoller als die Dornen. "Ach, tu nicht so, als würdest du das alles nicht verdient haben."
Ich keuchte schwer. Habe ich das wirklich verdient? Wahrscheinlich.
Seine Hand näherte sich immer weiter meinem Dekolte, doch ich war zu schwach um mich auf irgendeine Weise zu verteidigen. Doch als ich gerade meine Augen schließen wollte, um der Realität zu entkommen, erkannte ich hinter Marko eine dunkle Silhouette, die immer größer wurde, bis..
"Lass deine dreckigen Finger von ihr, du Bastard.", befahl Dabi in einem schroffen Ton, kurz bevor er Marko mit kräftig von mir stieß und sich die Ranken auflösten.
Ich hustete stark und drehte mich schwach zur Seite, um einen Blick zu den beiden zu werfen. Marko schrie laut auf, als Dabi sein Feuer entfachte und es direkt auf ihn richtete.
Mein Herz schlug schwer gegen meine Brust und bevor ich überhaupt realisieren konnte, was passierte, wurden meine Augenlider schwer und alles um mich herum wurde schwarz.
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