Kapitel 10


Y/n:

"Dein Vater. Lauf. Y/n, lauf.."
Lauf.

Ich zuckte zusammen, als die Tür ruckartig geöffnet wurde und setzte mich auf. Dabi kam zum Vorschein und starrte mich mit kühlen Augen an. "Gut, dass du schon wach bist. Steh auf und komm mit mir mit."

"Warum?", wollte ich wissen und verengte meine Augen.

"Weil ich es sage. Ich werde es dir nicht zweimal sagen.", entgegnete er trocken.
Was ein Arschloch.

"Gib mir zwei Minuten, dass ich mich umziehen kann."

Dabi schnaubte genervt und verließ mein Zimmer, bevor er hinter sich die Tür schloss. Ich atmete tief ein und aus.
Das kann alles einfach nicht wahr sein. Es kann.. Und wieder blickte ich auf meine Hände. Ich träumte nicht.

Ich stand auf und ging in mein Bad, bevor ich hastig mein Gesicht wusch und mich im Spiegel betrachtete. Dunkle Ringe spiegelten sich unter meinen Augen ab und meine Haut war blass. Ich sah schrecklich aus. Es wäre auch ein Wunder gewesen, wenn ich nach alledem gut aussehen würde.

Statt mich weiter mit meinem Aussehen zu befassen, zog ich schnell eine Jogginghose und ein T-Shirt an, welches ich im Schrank gefunden habe, mir jedoch viel zu groß war. Danach öffnete ich die Tür und trat auf den Gang, wo Dabi auf mich wartete. Er musterte mich für einige Sekunden, was mich umso mehr reizte. "Was?"

"Nichts.", antwortete er, bevor er sich umdrehte und losging. Ich folgte ihm und kurz darauf erreichten wir Shigaraki's Büro. Dabi öffnete sie ohne überhaupt vorher anzuklopfen und trat rein. "Da ist sie."

Ich betrat ebenfalls das Büro. Es war in einem sehr eleganten Stil ausgestattet. Die alten Holzschränke und der lederüberzogene Stuhl gaben mir das Gefühl, als würde ich mich im falschen Jahrhundert befinden.

Neben Shigaraki saß Toga, die mich erfreut anstarrte. "Guten Morgen, Y/n.", verkündete sie erfreut und winkte.

Ich zwang mir ein Lächeln auf, bevor ich meine Aufmerksamkeit auf Shigaraki richtete, der mich schweigend anstarrte. "Toga, du kannst jetzt gehen.", sagte er kurz darauf und sie erhob sich von ihrem Stuhl, bevor sie in unsere Richtung kam. Ehe sie den Raum verließ, blieb sie vor mir stehen und schaute mich von oben bis unten an.

"Warum hast du Dabi's Kleidung an?", fragte sie und ich riss meine Augen auf, bevor ich mich zu ihm drehte.

"Wieso sind deine Sachen in meinem Kleiderschrank?"
Das ist also der Grund, warum er mich vorhin so lange angestarrt hatte.

"Das ist nicht dein Kleiderschrank, sondern meiner. Shigaraki hat mich gezwungen dir mein Zimmer während deines Aufenthaltes zu geben.", erwiderte er. "Denkst du ich mache mir die Mühe und räume mein ganzes Zeug aus? Wer hat denn gesagt, dass du überhaupt irgendwelche fremden Sachen anziehen sollst?"

"Was hätte ich denn sonst anziehen sollen, du Besserwisser?"

"Wenigstens stehen dir meine Sachen besser, als dein albernes Kostüm.", provozierte er und ich war kurz davor dafür zu sorgen, dass sein beschissenes Grinsen nie wieder auftauchen würde.

"Wir reden hier nicht über irgendwelche Klamotten, setzt euch hin.", befahl Shigaraki schroff und ich setzte mich widerwillig auf einen Stuhl vor seinem Pult. Dabi blieb nur hinter mir stehen.

"Also Y/n, bevor wir dich als eine Komplizin ansehen können, will ich noch eine Bedingungen aufstellen. Da unser Vertrauen seit deinem Fluchtversuch berechtigt erschüttert ist, gibt es einige Regeln, die du befolgen solltest, wenn du irgendwann wieder deine Freiheit bekommen und erfahren möchtest, wer dein Vater ist."

Ich hörte ihm zu, während sich meine Magen zusammenzog. Das, was du tust ist falsch. Hör auf damit und akzeptiere, was geschehen ist.

"Dein Vater. Lauf, Y/n. Lauf."
Ihre Worte sorgten dafür, dass ich mein Gewissen schlagartig unterdrückte.

"Um welche Regeln geht es?", wollte ich wissen und hob mein Kinn leicht an.

Seine Augen blitzten überrascht. Anscheinend wunderte er sich, dass ich plötzlich so kooperativ erscheinte.
"Erstens: Du führst alle Befehle aus, die ich dir erteile. Und damit meine ich alle, egal, ob es anderen Menschen schadet."

Ich ließ mir meine aufsteigende Wut nicht anmerken. "Okay"

"Zweitens: Du wirst vier bis fünf Mal die Woche an einem Training unterzogen, um deine Kampfart zu verbessern.
Drittens: Du verlässt nicht das Quartier ohne Aufsicht.
Viertens: Falls du versuchst zu fliehen, werden wir dich umbringen und das auf der Stelle. Wenn andere Personen dies mitbekommen sollten, werden sie ebenfalls getötet.
Und fünftens: Dabi wird dein Aufseher für die nächsten Monate sein und dein Training leiten. Du wirst auf seine Befehle wie auf meine hören, verstanden?"

"Was?!", ertönte es sowohl von Dabi als auch von mir.
Ich blickte zu Dabi und erkannte ihn zum ersten Mal leicht gefasst.

"Das haben wir nicht besprochen.", erwiderte Dabi und starrte Shigaraki genervt an.

"Ich weiß.", antwortete er schlicht. "Aber du wirst es doch trotzdem tun, oder? Nicht, dass ich mir manche Dinge anders überlege." In seinem Ton erkannte ich etwas zweideutiges, was Dabi dazu anregte, nichts mehr zu entgegnen.
Was soll das bedeuten?

"Gut, dann habe ich aber auch eine Forderung.", meinte ich und Shigaraki zog seine Brauen hoch.

"Du bist nicht in der Position welche zu stellen."

"Achja? Aber anscheinend bin ich zu wichtig, um einfach so getötet zu werden. Wie viele Feinde habt ihr denn bei euch aufgenommen?" Damit hatte ich ihn.

Er verschränkte seine Hände und lehnte sich leicht nach vorne. "Dann schieß mal los."

Ich musste innerlich grinsen. "Ich möchte nicht wie eine Gefangene, sondern wie eine Kollegin behandelt werden. Das heißt niemand hat das Recht mich zu verletzen und ich darf mich innerhalb des Quartiers frei bewegen."

"Das ist alles?"

"Nein. Ich möchte Klamotten, die nicht von einem Typen sind. Am besten meine eigenen.", fügte ich noch hinzu und hörte Dabi schmunzeln.

"Das lässt sich regeln.", antwortete Shigaraki. "Wenn dich jemand von meinen Arbeitern gegen deinen Willen anrühren sollte, sagst du mir bescheid."

Ich nickte, ehe er fortfuhr: "Du wirst zuerst als Schurkin ausgebildet und nimmst an einigen Trainingseinheiten teil, bevor du dann auch Missionen durchführen wirst. Sollten wir das Gefühl bekommen, dass du dich unseren Anforderungen widersetzt ist unser Deal geplatzt, verstanden?"

"Ja." Das ist falsch.

"Gut. Deine erste Trainingseinheit wird gleich heute mit Dabi beginnen.", erklärte er und bei dem Gedanken konnte ich schon kotzen. "Ihr seid entlassen."

Als ich aufstand, folgte ich Dabi nach draußen und er schloss die Tür hinter mir. "Das kann ja mal lustig werden.", sagte er in einem ironischen Ton.

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Ich musste mit meinem Entführer wirklich trainieren. Das Leben hat sich mit mir echt einen Spaß erlaubt.

"Wird's bald? Ich habe nicht ewig Zeit.", hörte ich ihn hinter meiner Tür sagen, während ich mir Sportkleidung anzog.
Meine Klamotten würden schon bald hergebracht werden, jedoch musste ich mich jetzt mit Dabi's Sportklamotten vergnügen.

Als ich fertig war, trat ich heraus. "Sag bloß nichts."

Sein provokanter Blick war schon genug. Doch statt einen abfälligen Kommentar zu bringen, sagte er: "Das Training wird jeden Tag um acht Uhr morgens anfangen. Wenn du verspätet kommst, dann dauert es doppelt so lang und das wollen wir beide nicht."

"Ganz schön streng.", kommentierte ich, während wir drei Etagen nach unten gingen.

"Du wirst bald sehen, was wirklich streng ist.", entgegnete er trocken und öffnete eine schwarze Tür, bevor wir einen riesigen Kraftsportraum betraten.
Mein Mund blieb offen stehen, als ich mich umschaute. Das war kein Raum, sondern eine ganze Etage voller verschiedenster Waffen, Kraftübungen und in der Mitte war ein Ring, wo bereits zwei Schurken miteinander kämpften. Einige drehten sich für einige Sekunden zu uns um und starrten uns wortlos an. Ich schaute ihnen mit einem scharfen Blick entgegnen.

"Hör auf mit dem Scheiß.", hörte ich von Dabi. "Willst du gleich getötet werden?"

"Die sollen es mal versuchen.", entgegnete ich.

Er lachte ironisch auf. "Denkst du wirklich, dass du gegen solche Typen ankommen kannst? Für sie bist du Frischfleisch."

Ich blieb vor ihm stehen. "Ich habe unzählige dieser Typen ins Krankenhaus befördert."

"Ja, mit deinem Quirk. Aber jetzt hast du keinen mehr. Wir werden vorerst nur an deinen körperlichen Fähigkeiten pfeilen und darin bist du so schlecht wie jedes schwache Mädchen.", entgegnete er und ich war kurz davor ihm in seine Fratze zu schlagen.

"Versuch's ruhig." Anscheinend konnte der Mistkerl meine Gedanken lesen.

"Zeig mir einfach, welche Übungen ich machen muss, okay?", zischte ich, doch er ließ nicht ab.

"Ich meine es ernst. Die erste Übung besteht darin, mir eine auszuwischen. Wenn du einen Treffer landest, ist die Lektion für heute beendet. Du wirst es sowieso nicht schaffen.", erwiderte er und ich spannte meine Schultern an.

"Du kannst mich am Arsch lecken." Ich drehte mich um, um zu gehen, doch er packte mich am Arm und zog mich ruckartig zurück.

"Hey!", fuhr ich ihn an und starrte ihm wütend an. Er ließ nicht locker, sondern verfestigte nur seinen Griff.
Ich wusste, worauf er hinauswollte. Dann sollte er es halt kriegen.

Ich ballte meine Hand zur Faust und holte so schnell es ging aus, um ihm ins Gesicht zu schlagen, doch er fing meinen Schlag auf und hielt meine Faust fest, bevor er mich nach hinten stieß.
"Lasch, versuch es nochmal."

Mein Adrenalin stieg in die Höhe und ich verengte meine Augen. Sofort holte ich nach einem nächsten Schlag aus, doch den fing er auch auf und ich nutzte die Gelegenheit, um mit meiner linken Faust anzugreifen, doch diesen wehrte er ebenso ab. Dabi hielt sie in einem festen Griff und ich versuchte mich zu befreien, doch es brachte nichts. Stattdessen hackte er sein rechtes Bein gegen meine Wade ein und schubste mich nach hinten, sodass ich über ihn stolperte und auf den Boden fiel.

"Und du bist die berühmte Antiheldin Venatrix?", heuchelte er und lachte amüsiert, während er sich mir näherte und ich mich gegen die Matte abstützte.

Ich atmete schnell, während er sich zu mir kniete, mich am Zaum meines Shirts packte und mich zu sich zog. "Ich könnte alles mit dir anstellen und jeder andere in diesem Raum hier auch. Also hab etwas mehr Respekt vor mir und beleidigen mich nie wieder, sonst verbrenne ich dieses hübsche Gesicht zu Asche."

Mein Herz klopfte heftig gegen meine Brust und ich fürchtete, dass er es sogar hören würde. "Versuch es ruich. Aber denkst du, dass es Shigaraki gefallen würde?" Ich lächelte ihn zuckersüß an.

"Mir ist scheißegal, was Shigaraki von dir hält oder was er in dich sieht. Für mich bist du ein schwaches Mädchen, welches verkrampft versucht eine Rebellin zu werden. Was ein Freak."
Seine Worte krachten wie Steine auf mich herab.

"Du weißt rein gar nichts über mich.", fauchte ich.

"Und das will ich auch nicht.", entgegnete er, bevor er mich ruckartig losließ und ich mich zum Glück rechtzeitig mit meinen Händen auf den Boden abstützen konnte. Dabi stand wieder auf und blickte auf mich herab.
"Tu einfach das, was ich dir sage und hör auf dich für wichtig zu halten. Du bist ein Opfer und wirst es immer bleiben."

Ich stand auf und stellte mich vor ihm.
"Gib mir noch einen Versuch."
Ich werde dir gleich zeigen, wer hier das Opfer ist.

"Nein, zuerst zeige ich dir einige Kampftechniken. Schon beim Zuschauen von deiner besonderen Kampfart bekommt man bereits Augenkrebs.", erwiderte er und mein Hass gegen ihn wurde immer größer.

Doch ich wusste, dass er irgendwo recht hatte. Ich habe mir alles mit meinem Quirk gebaut. Mein Anzug besaß eingebaute Sensoren die für meine Reflexe und Kampfbewegungen sorgte.
Ohne sie war ich aufgeschmissen.

Wir trainierten drei ganze Stunden und Dabi zeigte mir verschiedene Abwerformen und Angriffsarten. Mit der Zeit hörten wir auf uns Gegenseitig ständig zu provozieren, doch Dabi ließ gern mal Kommentare raus.

Nach dem gefühlt 100 Angriff auf ihn, landete ich immer noch keinen einzigen Treffer und ich stemmte schweratmend meine Hände auf meinen Knien ab.

"Wie kannst du bitte so ein Genie beim Kampfapparate Erfinden sein, aber nicht mal in der Lage sein einen einfachen Faustschlag zu lernen?", wollte er wissen.

"Nicht alle Menschen sind von Natur aus gerne gewalttätig."

Dabi schmunzelte provokant und verschränkte seine Arme vor der Brust. "Ich weiß worauf du hinauswillst."

"Worauf denn?"

"Du kommst immernoch nicht darauf klar, dass ich diesen Typen erschossen habe, oder?" Er zog seine Augenbrauen hoch, doch ich antwortete nicht.
Das war seine Antwort.
"Nur zur Info er wollte dich vergewaltigen.", fügte er hinzu.

"Das ist trotzdem kein Grund jemanden gleich umzubringen!"

Dabi fuhr sich mit einer Hand durch seine dunklen Haare, bevor er einige Schritte auf mich zukam. "Tu nicht so, als wärst du hier das Unschuldslamm, du hast meinem Kollegen ein Messer in die Rippen gerammt und du hättest ihn sicherlich auch umgebracht, wenn es die Situation erfordert hätte."

Ich wollte etwas erwidern, doch nichts kam aus meinem Mund. Fuck. Er hat recht. Wenn es nötig gewesen wäre, hätte ich ihn umgebracht.

"Das Training ist beendet.", sagte er plötzlich, doch ich hörte ihm gar nicht mehr zu.

Ich hätte ihn umgebracht, wenn es die Situation erfordert hätte. Ich bin nicht besser, als sie. Nein, ich bin sogar schlimmer.


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