Kapitel 87 (Teil 3)


Teil drei: Man sagt ja immer "Die Ruhe vor dem Sturm."
Hier würde ich es aber lieber "Die Ruhe vor dem Meteoriteneinschlag" nennen.

Y/n:

Ein Kapitel wurde beendet und ein weiteres angefangen.
Ja, genau so könnte man es beschreiben.

Aber war ich glücklich?
Ich ließ mich auf mein Bett fallen und starrte für geschlagene drei Minuten auf die Decke. Mein Herz klopfte im regelmäßigen Tempo gegen meine Brust, aber zog sich doch immer wieder zusammen.

Ich habe mich von Shoto getrennt.
Nein, deswegen schmerzte es nicht, da war ich mir sicher. Aber das sollte es doch, oder? Was ist nur los mit mir?

Ich schloss für einen kurzen Moment meine Augen und atmete tief ein und aus. Währenddessen versuchte ich über alles nachzudenken. Die Bilder von Shoto gingen mir durch den Kopf,  wie er verschwand und mich einfach.. fallen ließ.

Und dann kam mir Katsuki in den Kopf. "Y/n, ich weiß nicht wieso, aber ich vertraue dir. Sehr sogar."
"Ich vertraue dir auch."

Und da war der Schmerz.
Das Ziehen in meiner Brust, aber diesmal auf eine angenehme Weise.
Bei Shoto mochte ich das Gefühl nicht, aber bei ihm.. liebte ich es.

Ich musste lächeln, als ich an sein erleichtertes Gesicht dachte, nachdem wir uns wieder angefreundet haben.
Wieso bin ich verdammt nochmal glücklich?! Sei traurig, du hast dich gerade von Shoto getrennt.

Doch wieder spührte ich nur dieses Ziehen und Kribbeln in meinem Magen und ich vergrub mein Gesicht in die Matratze. Hör auf!!

"Freunde."

Katsukis tiefer Blick ließ mich laut aufatmen. Freunde, wir sind ab jetzt Freunde. Aber wieso springt mein Herz gerade aus meiner Brust?

"Ich.. Ich glaube, ich muss los.", stammelte ich etwas unbeholfen, gefangen von seinem Blick.

Nein, ich musste nicht los, ganz und gar nicht. Aber mein Körper spannte sich so sehr an und und ließ mich im Moment so viel fühlen, dass ich kurz vorm platzen war. Freunde. Freunde. Freunde.

Wir haben so viel erlebt, waren Feinde, dann wieder Freunde, auch mal mehr als das und dann Fremde.
Aber jetzt.. ich spührte, dass es anders war. Ein Neuanfang. Dieses mal würde alles anders werden. Hoffentlich.
In dem Moment konnte ich mir nichts anderes vorstellen.

"Okay, gehst du nachhause?", erkundigte er sich und rieb sich mit einer Hand über den Nacken.

Ich nickte, bevor ich fragte: "Du?"
Sag ja, sag ja, sag ja.
Ich wusste gar nicht mehr, wieso ich überhaupt gesagt habe, dass ich gehen musste, wenn ich so sehr wollte, dass er mich nachhause begleitete.

Katsuki blickte kurz auf den Boden und schien sich für seine nächsten Worte wappnen zu müssen. "Nein, ich muss noch etwas erledigen."

Ich wusste genau, was er meinte.
"Ich bin stolz auf dich.", sagte ich und meinte es auch komplett erst.

Aber er verzog sein Gesicht und schüttelte leicht seinen Kopf.
"Sag das erst, wenn ich es auch wirklich ohne jegliche Anwendung von Gewalt geschafft habe mit ihm zu reden."

"Du wirst es schaffen, da bin ich mir sicher.", bekräftigte ich ihn, während ich leicht grinste.
Wir wussten beide, wie leicht er sich von seinen Emotionen mitreißen lassen konnte.

Katsuki wollte darauf etwas erwidern, sprach aber seinen Gedanken nicht aus. Stattdessen flackerte etwas in seinen Augen auf und sein Gesichtsausdruck veränderte sich.
"Y/n."

Y/n. Ich mochte es, wie er meinen Namen aussprach. Wie konnte ich ihm nur verboten haben ihn zu sagen?
"Ja?"

"Wieso hast du an der Zigarette gezogen? Du rauchst doch nicht, oder?"

Ich schnaubte, ehe ich antwortete: "Nein, aber ich tat es aus dem gleichen Grund wie du. Weil ich nicht mehr atmen konnte."

Er schweigte für einen Moment, bevor er langsam fragte: "Willst du mir erzählen, was passiert war?"

Nein, wollte ich nicht.
Aber ich wusste, dass es nicht fair war, es ihm zu verschweigen. Er hatte sich ja auch geöffnet und jetzt war ich dran.
Auf so etwas basierte Vertrauen.

"Ich habe mich von Shoto getrennt.", stieß ich schnell und gepresst hervor.
Diese Worte laut auszusprechen taten weh, fühlten sich aber auch befreiend an.

Katsukis Pupillen weiteten sich für einen Moment, ehe er mich auf einmal in seine Arme zog und mich seine komplette Körperwärme umgab.
Wow. Dieses Gefühl.. Ich habe es vermisst.

Sein allzu bekannter Geruch strömte in meine Nase und zum ersten mal nach langer Zeit füllte ich mich wieder sicher. Obwohl Shoto und ich uns oft umarmt und geküsst haben, war das hier so viel intimer, als ich es hätte beschreiben können.

Wie als hätte jemand ein Pflaster auf meine blutende Wunde geklebt.
Hör nicht auf, bitte.

Jede Sekunde, die verstrich, wurde jetzt umso kostbarer und ich genoss sie so sehr ich konnte. Hör nicht auf, hör nicht auf, hör nicht auf.

"Das tut mir leid.", war das einzige was Katsuki sagte, aber die Worte klangen irgendwie gefälscht.

"Muss es nicht, es war so oder so schon seit längerem vorbei.", versuchte ich die Sache kleinzureden und lächelte etwas.

Als er mich losließ, schaute er mir wieder tief in die Augen und suchte wahrscheinlich nach der Wahrheit.
Aber das war sie. Das, was zwischen mir und Shoto die letzten Wochen gewesen war, konnte man nicht mehr "eine Beziehung" nennen.

Anscheinend wusste Katsuki, dass ich nicht darüber reden wollte, weswegen er schwieg. Meine Augen wurden feucht, aber ich unterdrückte mir die Tränen. Dieser Moment hier war zu schön gewesen, als dass ich ihn jetzt mit Weinen zerstören wollte.

"Ist egal, wir haben einen Neuanfang gestartet. Ich mache einfach auch einen mit alles andere."

Er nickte und ging einen Schritt zurück. Wahrscheinlich weil er fürchtete, dass ich im Moment alles andere, als seine Nähe gebrauchen konnte. Aber das war eine Lüge.

Ich wollte, dass er mich noch einmal umarmte, mich mit seinem Blick anschaute und er damit nicht aufhörte.
Denn ich hatte keine Ahnung wieso, aber ich genoss es gerade so sehr wie noch nie zuvor, bei ihm zu sein.

Doch wie würde es morgen sein?
Werden alle Gefühle dann erloschen sein? Werden wir wieder zu Fremde, die nur einen bedeutungslosen Abend miteinander verbracht haben und sich dehren Wege danach wieder getrennt haben?? Es war leicht etwas zu versprechen, aber dieses Versprechen auch einzuhalten, konnte schwieriger als alles andere sein.

"Ich vertraue dir auch."

Katsuki:

Obwohl meine Finger wegen der Kälte schon längst eingefroren waren, erhitzen sie schlagartig, nachdem ich mich dazu aufraffte, an Kiris Haustür zu klopfen.

Ich wollte nicht hier sein, nein, ich konnte nicht. Mein Herz und eigentlich mein kompletter Körper sträubte sich dagegen hier stehen zu bleiben und auf ihn zu warten.
"Geh. Lauf. Hasse ihn.", raunte es ihm meinem Kopf, aber ich widersetzte mich dem Gedanken.

"Wer bist du?", hatte mich Y/n gefragt und es stimmte. In den letzten Monaten bin ich wirklich ein Weichei geworden. Und das wollte ich nicht.
Ich rannte weg, obwohl das nicht meine Art war. Das hier war ich.
Jemand der sich seinen Problemen stellte.

Ich schüttelte meinen Kopf und bog meinen Rücken durch, als ich Schritte von drinnen hörte. Als sich dann die Tür öffnete, veränderte sich die Atmosphäre abrupt.
Wie als wäre die Zeit stehen geblieben.

Kiri starrte mich für eine Sekunde überrascht an und seine Brust hob sich merklich. In seinen Augen spiegelte sich immernoch der gleiche Schatten wie von heute Abend ab.

Trotzdem bildete sich auf seinen Lippen ein freundliches Lächeln ab, was mich umso mehr traf.
Er war wirklich ein Mensch mit reiner Seele. Und ich habe solch eine Person einfach weggeworfen.

"Hey, komm doch.."
Ich konnte ihn nicht ausreden lassen, da ich so sehr von meinen Gefühlen überwältigt wurde, dass ich ihn in eine Umarmung zog.

Seine Atmung stoppte kurz, aber er erwiderte sie.
Wann habe ich ihn eigentlich zum letzten Mal umarmt? Ich meine, dass es auch von mir kam. Habe ich das überhaupt schon einmal getan??
Wenn nicht, dann war ich ein riesiger Idiot.

"Es tut mir leid.", stieß ich gepresst hervor und mein ganzer Magen zog sich zusammen.

"Alles gut, ich habe es verdient, dass du auf mich wütend bist.", entgegnete er und ich schnaubte.

"Nein, ich bin das Problem. Du wolltest mich nur nicht verletzen und ich habe das nicht gecheckt. Ich habe dich schon immer wie den größten Shit behandelt und dich nie wertgeschätzt. Wirklich, es tut mir so sehr leid." Ich wollte es nicht zugeben, aber meine Augen brannten.

"Was redest du da? Du bist mein bester Freund und ich würde mir keinen anderen wünschen."
Lüge. Er sagt das nur, weil ich mich dann dadurch besser fühlte.

Anscheinend kannte er mich so gut, dass er mir genau ansehen konnte, dass ich ihm nicht glaubte.
"Katsuki, soll ich dir mal was sagen?"

Obwohl ich nicht antwortete, sprach er weiter. "Weißt du noch, als ich
mein erstes Date mit Mina hatte?
Ich war furchtbar nervös und dachte, dass ich es komplett vermasseln werde.", fing er an und mir wurde etwas warm ums Herz, als ich daran dachte.

"Ich wollte, dass du mitkommst. Nicht Denki, nicht Hanta, du solltest bei meinem ersten Date dabei sein." 

"Ich verstehe bis heute nicht wieso du das wolltest.", sagte ich und zuckte mit den Achseln.

"Weil ich dir vertraue. Ich habe daran geglaubt, dass wenn irgendein Scheiß passieren sollte, dass du dann für mich da bist." Er legte eine kurze Pause ein und blickte kurz in den Himmel, wo sich endlos viele Sterne über uns erstreckten.

"Mein Vater hat mich mal gefragt, mit wem von meinen Freunden ich in den Krieg ziehen würde. Bei wem ich mir sicher war, dass er nicht von meiner Seite weichen würde, wenn es mir schlecht ginge. Jemand, der für mich bis zum Ende kämpfen würde.
Ich habe gesagt, dass du es bist."

Ich? Das kann nicht sein.
"Wieso?" Eine Frage die so viel für mich bedeutete, aber letztendlich mit einer Lüge beantwortet werden würde. Denn ich war nie für Kiri da gewesen, sondern er für mich.

In seinen Lächeln spiegelte sich so eine Weiche ab, dass ich für einen kurzen Moment wirklich die Hoffnung hatte, dass seine nächste Antwort einen Sinn ergeben würde.
Dass irgendwo ein Fünkchen Wahrheit drinsteckte und ich kein so schlechter Freund war.

"Zum Beispiel, als wir an der Bushaltestelle gewartet haben und du obwohl du richtig abgefuckt warst, so schnell es ging zu Denki gerannt bist, um einen Blumenstrauß zu machen.
Du weißt nicht, wie viel mir das bedeutet hatte."

"Das war nichts besonders, das macht man halt für..", erklärte ich, aber er unterbrach mich.

"..beste Freunde. Nein, das ist nicht selbstverständlich." Ich zog meine Augenbrauen zusammen, erwiderte aber darauf nichts.

"Du hast mir an dem Tag das Leben gerettet. Mina hat den Blumenstrauß geliebt, weil er selbstgemacht war.
Als wir zusammengekommen sind, hat sie sogar gesagt, dass das einer der Gründe war, wieso sie sich in mich verliebt hatte." Mein Herz hatte einen kurzen Aussetzer.

"Ihr seid zusammen?", presste ich überrascht heraus und meine Mundlade fiel etwas nach unten.

"Durch deine Hilfe."
Jetzt war Kiri derjenige, der mich umarmte. "Bitte lass uns nie wieder so streiten."

Ich nickte und fühlte mich immer noch etwas überrumpelt von der ganzen Situation. Und das wars.
Ich habe mich so sehr vor diesem Moment gefürchtet, obwohl es keinen Grund dazu gab. Das alles wäre nie ohne Y/n passiert.

Y/n, danke.
Ich liebe dich.

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