Kapitel 74


Y/n:

"Und du willst mir echt weißmachen, dass du noch nie griechisch gegessen hast?"

Shoto schüttelte seinen Kopf und während wir die Straße überquerten, um auf die andere Seite zu kommen, mussten wir aufpassen, dass uns niemand überfuhr.

Obwohl die Stadt voller Autos war und sich häufig Stau bildete, fuhren die Fahrzeuge viel zu schnell. Als wir im gleichen Moment jemanden laut hupen hörten, zog mich Shoto mit seinem Arm näher an sich heran, doch ich wich aus.

Ich wusste nicht wieso, aber irgendwie wollte ich solch eine Nähe in der Öffentlichkeit mit ihm vermeiden. Sonst hatte ich immer wieder das Gefühl gehabt, dass die ganzen Leute uns anstarrten und über uns redeten.

Shoto warf mir einen verwirrten Seitenblick zu und ich nahm im selben Moment seine Hand, um ihm zu zeigen, dass alles in Ordnung war.
Diese Kälte. Fühlen sich meine Hände für ihn auch so eisig an??

Ich schüttelte meine aufsteigenden Gedanken wieder aus dem Kopf und beschloss, dass wir diesen Tag genießen sollten. Es war lange her seitdem wir etwas zusammen unternommen haben und ich hatte nicht vor, mir den Abend durch irgendwelche dummen Gedanken kaputt machen zu lassen.

"Okay, dann hoffe ich mal, dass dir Gyros schmecken wird.", sagte ich und drückte seine Hand etwas fester.

Shoto lächelte für eine Sekunde, aber im nächsten Moment ließ er wieder seine hochgezogenen Mundwinkel fallen und ich spührte ein dumpfes Grollen in meinem Magen.
Vergiss es. Stell keine Fragen.
Lebe diesen Tag.

Nachdem wir das blau-weiße Aushängeschild vor dem Restaurant bemerkten, stieg uns bereits im nächsten Moment ein intensiver Geruch in die Nase und ich stöhnte erleichtert auf. Ich habe das Fleisch dort schon so lange nicht mehr gegessen, dass ich sogar fürchtete den Geschmack vergessen zu haben.

Wir öffneten die Tür und unsere eisigen Hände wurden gleich darauf durch die stickige Luft gewärmt.
Der ganze Raum war voller gesprächiger Menschen und die griechische Musik im Hintergrund beruhigte mich auf irgendeine Weise.

"Anscheinend fühlst du dich hier wie zuhause.", stellte Shoto fest und ich schreckte leicht auf.

"Früher war ich mit meinen Eltern oft in Griechenland.", sagte ich und bemerkte erst jetzt, dass ich in die Leere starrte.
Ich wandte meinen Blick zu ihm rüber und lächelte ihn an.
"Du musst irgendwann dorthin. Es ist wirklich eins der freundlichsten und familiärsten Länder die es geben kann."

Shoto erwiederte mein Lächeln.
"Okay, aber lass uns doch zuerst einen Platz finden, bevor sich die rechtlichen Leute hinter uns noch unseren wegschnappen."

Ich nickte und wir suchten einen Kellner, der uns einen geben sollte. Während wir uns umschauten, bemerkte ich aber Mina und Eijiro, die einige Meter vor uns zusammen an einem Tisch saßen und redeten.

Ich stubste Shoto leicht an, ehe ich sagte: "Schau mal, da sind Mina und Eijiro!" Er folgte meinem Blick und stieß ein "Oh ja" aus, als er sie auch sah.

"Komm lass uns sie mal begrüßen.", forderte ich ihn auf und nahm wieder seine Hand, bevor ich geradewegs auf sie zuging.

"Oh, hey Leute! Wie cool, dass wir uns hier getroffen haben.", sagte ich, als die beiden uns überrascht ansahen.

"Hey Y/n und Shoto!", jappste Mina und sprang auf, um uns beide in ihre Arme zu reißen.

"Hey.", stieß Eijiro aus und wirkte etwas angespannt. Warscheinlich war er sehr nervös wegen dem Date gewesen und es verbesserte gerade nicht seine Lage, dass wir auch noch aufgekreuzt sind.

Ich schaute ihn aufmunternd an und unterbrach Mina, ehe sie mit ihrem unendlich langen Gespräch anfangen konnte. "Y/n, als wir..-"

"Leute, es wäre echt schön, wenn wir etwas länger reden könnten, aber hinter ins baut sich bereits eine Schlange auf und ich bin mir sicher, dass sie nicht zögern werden, uns einfach den Platz wegzunehmen, wenn wir uns jetzt nicht hinsetzen."

Mina ließ mich los und nickte verständnisvoll. "Ja, da hast du Recht. Egal, dann erzähle ich es dir einfach am Montag."

"Okay super." Ich drehte mich noch einmal kurz zu Eijiro, welcher mir tief in die Augen blickte und mir nur ein schiefes Lächeln schenkte.
Ich wusste, dass irgendetwas nicht stimmte, wandte mich aber wieder zu Shoto, um mit ihm zu unseren Tisch zu gehen.

Aber als wir uns gerade hinsetzen wollten, hörten wir plötzlich hinter uns ein dumpfes Geräusch und gleich darauf lautes Klirren.
Wir drehten uns erschrocken um und sahen zerbrochene Gläser und Teller auf dem Boden liegen und daneben einen Kellner, der lauthals einem Typen das Wort "Malaka" nachschrie.

Der andere Mann, der durch seinen dicken braunen Mantel und seinem Pelzhut nicht einmal zu erkennen war, ignorierte ihn komplett und stürmte aus dem Restaurant.
Im nächsten Moment traten auch andere Kellner heran, um das Chaos zu beseitigen und der Manager rufte mit einem sehr starken Akzent "Es ist alles gut".

"Hast du nicht gesagt, dass die Griechen freundlich sind?", fragte Shoto und starrte mich dabei skeptisch an.

"Ja, sind sie auch. Aber anscheinend habe ich vergessen zu erwähnen, dass sie gerne etwas aggressiv mit ihrer Wortwahl umgehen.", antwortete ich, hielt meinen Blick aber immernoch starr auf die Tür gerichtet, wo wenige Sekunden zuvor der verschleierte Mann herausgestürmt war.

Dieser Typ. Wieso habe ich das Gefühl, dass er mir bekannt vorkommt?
Diese Gangart, diese Unruhe..
kann es etwa sein..
Nein, konzentriere dich auf den Abend.
Lebe diesen Tag.

Katsuki:

Das kann nicht sein.
Nein. Das ist nicht wahr.

Meine Lunge schnürrte sich zu und die kalte Luft erschwerte mir das Atmen umso mehr.
Die Leute gingen an mir vorbei, die Farben der Stadt vermischten sich alle zu Eins und meine Augen brachten nicht mehr die Kraft auf, um scharf zu sehen.

Ich fühlte mich, wie als wäre ich in einem Rausch.
Shoto war Y/n's Freund.
Doch das war nicht das größte Problem.
Kiri der Bastard.
Er hat mich belogen.

Ich stützte mich gegen irgendeine vermoderte Wand in einer Gasse ab und versuchte den aufquellenden Zorn zu unterdrücken.

Er wusste es.
Die ganze Zeit hatte mir diese Hurensohn ins Gesicht gelogen und mich betrogen. Er wusste, dass Shoto mit Y/n zusammen war und er wusste, dass ich sie liebte. Und doch hatte er mir es nicht gesagt.

Es fühlte sich an, als hätte mir jemand einen Pfahl durch mein Herz gebohrt.
Er wusste es. Mein bester Freund, die einzigste Person, der ich wirklich jemals vertrauen konnte, hatte mich angelogen.

Ich keuchte, setzte alles daran meine aufsteigenden Tränen zu unterdrücken und die ganzen Gefühle auszuhalten, aber es ging nicht.
Mein Herz pochte, mein Magen rummorte und in meiner Brust öffnete und schloss sich der Knoten zugleich.

Was ist das? Hass, Trauer, Verletzlichkeit??
FUCK, ICH WILL NICHT FÜHLEN!

Ich fasste mir an dem Bauch, drückte mit meinen Fingern die Haut zusammen und schlug mir danach so fest in den Magen, dass ich von meiner eigenen Kraft zurückstolperte.
Hör auf, hör auf, hör auf!

Tränen rollten mir über die Wange und die Gedanken in meinem Kopf vernebelten sich. Ich nahm nur noch die Szenarien mit ihm und die Worte, die er mir immer wieder eingeprügelt hatte wahr.

"Du kannst mir vertrauen."
"Ich bin immer für dich da."
"Ich würde dich nie anlügen."
Lüge. Das alles war eine Lüge.

Seine Gesichtszüge und all die Erinnerungen mit ihm verschwammen in meinem Kopf.
Ich hasse ihn.

Mein Körper brannte wie Feuer.
Ich spührte, wie mein Quirk regelrecht danach drängte eingesetzt zu werden, um meine Gefühle zu kanalisieren. Und zu zerstören.

Meine Hand krippelte und meine Finger zuckten.
Geh zu ihm. Räche dich. Er ist nicht mehr dein Freund, sondern dein Feind.

Ich hörte das Blut in meinen Ohren rauschen und fühlte eine Kraft in mir aufsteigen, die so vorher nie existiert hatte. Ich konnte es nicht mehr aufhalten.

Zu viel Hass, Wut und Enttäuschung.
Ich habe so oft versucht all das abzustellen, aber es ging nicht.
Alles vermischte sich zu Einem einzigen Gefühl, welches ich nicht einmal benennen konnte.

Ich kann nicht. Ich kann nicht.
Halte durch. Schluck es runter.
Nein.. es.. FUCK!

Mit all meiner Kraft schlug ich ohne darüber nachzudenken auf die Wand ein und ein lauter Knall hallte in meinen Ohren nach.
Nein, nicht das Geräusch meines Quirks, sondern das Bröckeln der steinernden Mauer und das Knacken meiner Hand.
Ich hatte meinen Quirk nicht benutzt.

Gleich darauf durchzuckte ein überaus starker Schmerz durch meine Knochen und ich fluchte laut.
Der Abdruck auf der Wand war voller Blut und als ich meinen Blick auf meine Hand richtete, zuckte ich unmerklich zusammen.

Das Blut rinnte durch die kleinen Fleischwunden an meinen Knöcheln auf meine ganze Hand und tropfte letztendlich auf den Boden.
Es war fast unmöglich meine Finger zu bewegen und ich war mir sicher, dass ich etwas gebrochen hatte.

"Scheiße.", zischte ich und ließ mich auf dem Boden sinken.
Die Schläge meines Herzens wurden immer weniger pro Minute und das Rauschen meines Blutes wurde leiser.

Ich blendete das Hupen der Autos und das Jubeln der Menschen aus und plötzlich wurde alles still.
Das einzige, was ich hörte, waren die Tropfen meines Blutes, die auf den Boden ankamen.

Und dann wurde mir erst klar, was ich vorhin gefühlt habe.
Reue.
Ich hätte Kiri nie vertrauen dürfen. Und ich hätte Y/n loslassen sollen.

Bạn đang đọc truyện trên: AzTruyen.Top