Kapitel 66


Katsuki:

Genau das wollte ich.

Ehe mich noch Y/n's Quirk treffen konnte, rollte ich blitzschnell zur Seite und schwang mich auf die Beine.

Auf meinen Lippen bildete sich ein Grinsen, doch bevor ich überhaupt etwas sagen konnte, warf sie einen weiteren Schuss ab.
Ich wehrte ihn mit meinem Quirk ab und zog scharf die Luft ein, als ich den verwesten Geruch von dem dunklen Rauch einatmete.

Es roch praktisch nach dem reinen Tod und im nächsten Moment musste ich stark husten. Fuck, der Scheiß ist vergiftet.

Gleich darauf hielt ich den Stoff meines Ärmels vor dem Mund und versuchte dabei, mich mit einer Hand zu verteidigen.
Y/n verhärtete plötzlich den Rauch zu dunklem Stahl und formte spitze Pfeile. Mein Mund blieb offen stehen und ehe ich überhaupt realisierte, was sie tat, bombardierte sie mich mit mehreren Schüssen gleichzeitig.

Ich versuchte sie mit meinen Explosionen aufzuhalten, doch es klappte nicht. Die Pfeile durchdringten förmlich meinen Quirk und änderten nicht einmal dehren Richtung.

Während ich ihnen auswich, hörte ich ein sandiges Geräusch hinter mir und mein Herz blieb stehen.
Ich warf einen Blick in Y/n's Richtung und bemerkte, wie sich der Rauch um sie herum wie bei einem Tornado bildete.

Was macht sie da??
Sie kreiste sich parallel zu ihrem Quirk in eleganten Bewegungen und schloss dabei ihre Augen. Ihre Arme schlängelten sich um ihren Körper herum und schienen die Richtung des des Rauchs zu bestimmen.

Doch während ich sie wie in Trance dabei beobachtete, zuckte ein heftiger Stich durch meine Seite.
Ich stöhnte schmerzerfüllt auf und presste meine Hand gegen die Seite.
Flüssiges Blut rinnte über meinen Fingern und ich fluchte laut.

Der Streifschuss hatte mir sämtliche Haut aufgerissen und ich war mir sicher, dass die Wunde allzu tief war.
"Okay, es reicht.", presste ich mit aller Kraft hervor und versuchte mich auf meinen Beinen zu halten.

Das Blut tropfte bereits massenweise zu Boden und es fühlte sich an, als würde jede Fasser meines Körpers reißen. Fuck, das Gift bereitet sich in meinem Körper aus.

Ich wusste nicht, wie giftig der Pfeil war, aber ich war innerhalb von Sekunden so geschwächt, dass ich auf die Knie sank. Meine Augenlieder fühlten sich schwer an, während mein Herz raste, wie noch nie zuvor.

"Es reicht.", knurrte ich zum zweiten Mal und hustete stark. Shit.
Doch Y/n ließ nicht locker. Sie wandte sich in den Wellen des Rauches und schien komplett abwesend zu sein.

Als ich mich mit letzter Kraft vom Boden abstützte, hob ich zittrig meine blutverschmierte Hand und..
verdammt nochmal mein Blut war pechschwarz.

"STOP!", brüllte ich und ließ mich komplett auf die Erde fallen.
Mein Körper verlor die Kontrolle über sich selbst und meine Gedanken vernebelten sich aufeinmal.

Was passiert hier?! Kämpf! Doch ich..
Ich schaute zu Y/n, aber sie befand sich nicht mehr an dem Platz, wo sie gewesen war.
Im nächsten Moment hörte ich  Schritte von hinten auf mich zu kommen und der verwesene Geruch wurde abrupt stärker.

Der Tornado aus Rauch kam auf mich zu und fing an, sich um mich herum zu kreisen. Ich versuchte mich zu Y/n zu drehen, doch ich konnte nicht.
Mein Körper brachte nicht mehr die Kraft auf, sich zu bewegen. Nichteinmal was zu sagen.

Ich war mir sicher, dass ich sterben würde. Das alles hier.. sowas hatte ich noch nie zuvor erlebt. Und das hier war definitiv der Tod.

Bereits in der nächsten Sekunde blendete ich jede Sicht aus und alles wurde schwarz.

Y/n:

Das war der Grund, wieso ich meinen Quirk hasste. Er zerstörte. Verschlang. Und tötete.

Früher wurde mir bereits immer gesagt, dass ich ihn nicht benutzen sollte. Sie sagten mir, dass er nutzlos sei. Lange glaubte ich es sogar, aber dann tauchte plötzlich dieses Gefühl auf.. ja, Hass. Und der Drang nach Rache. 

Als ich erfahren hatte, was meine Mutter alles getan hat, entfesselt ich zum ersten mal meine Kraft.
So sehr, dass ich die komplette Kontrolle verlor und sie wieder für lange Zeit verschließen musste.

In den Monaten hatte sich mein Hass besonders aufgestaut und es zerfraß mich förmlich von innerlich.
Doch jetzt..
Verdammt, es tut so gut..

Als ich meinen Quirk auf Katsuki losließ, war es das beste Gefühl, welches ich je hatte. Sogar besser, als sich selber zu verletzen.

Ich ließ förmlich den Tod aus mir heraus und in dem Moment, spührte ich nichts anderes, als Befreiung.
Befreiung vor mir selber.

Mein Atem war noch nie so wie jetzt.
Mein Herz schlug noch nie so wie jetzt.
Mein Leben war noch nie so wie jetzt.
So gut.

Ich musste grinsen.
Mehr, ich will mehr.

Ich ließ alles auf ihn los.
Giftige Rauchschwaden, sogar Pfeile. Doch gerade, als ich einen Tornado erschuf, kippte er plötzlich um.

Während ich mich ihm langsam annäherte, wirbelte der Rauch immernoch um mich herum.
Er wartete nur auf meinen Befehl zu Zerstören.

Ich musterte Katsukis Wunde, welche so tief war, dass bereits der ganze Boden blutgetränkt war.
Das war ich. Niemand anderes außer ich war das.

Unbehagen ließ meine kleinen Härrchen auf den Armen aufstellen. 
Ich war das. Das alles ist wegen mir geschehen.

Ich schluckte, aber plötzlich sprach irgendeine fremde Stimme in mein Ohr: "Ja, das warst du. Aber ist das schlimm? Denk mal darüber nach, was man dir alles angetan hat. Du bist innerlich gestorben. Mehrmals sogar."

Ich biss mir auf die Lippen, während ich dabei zusah, wie sich der Tornado langsam um Katsuki kreiste.

"Wer bist du?", fragte ich in Gedanken und schaute mich um.

Plötzlich hörte ich ein ironisches Lachen. "Ist dir das nicht klar?
Ich bin du."

Gleich darauf formte sich ein Teil des Rauches zu einem Spiegel und man konnte aufeinmal klar hindurchsehen. Aber.. die Person im Spiegel war nicht ich.

Mein Blut gefror in den Adern, als ich die Umrisse meiner Mutter darin sah.
"Gefällt dir das, was du siehst?", säuselte die Stimme in einem zuckersüßen Ton, während ich wortlos in mein Spiegelbild blickte.

"Die ganze Zeit bist du deine Mutter. Schau dir den Jungen an. Hass.
Nur durch reinen Hass hast du es geschafft ihn so fertig zu machen.
Ich bin stolz auf dich, Y/n."

Mein Herz blieb stehen.
Das war keine fremde Stimme.
Diese Stimme.. Sie war auch von meiner Mutter.

"Du Miststück.", knurrte ich.
Gelächter.

"Ich bin nicht du. Ich bin nicht dieses emotionslose Miststück, welches du bist. Vergleich mich nicht mit dir!", schrie ich ins Spiegelbild und auf den Lippen meiner Mutter bildete sich ein bösartiges Lächeln.

"Achja? Schau dich doch mal genauer an." Ihre Gesichtszüge verschwammen aufeinmal mit meinen und die Umrisse veränderten sich so, dass wir uns plötzlich sehr ähnlich sahen.

Im Spiegelbild sah ich, wie sich Tränen auf dem Gesicht meiner Mutter bildeten. Und spührte diese dann auf meinen eigenen Wangen runterrollen.

"FUCK VERSCHWINDE!", schrie ich, doch sie ignorierte meine Bitte.

"Du bist ich. Ich werde immer in dir sein. Wir sind uns so viel ähnlicher, als du denkst."

"Nein! Geh! Bitte!!!" Mein Kopf pochte und meine Glieder fühlten sich so schwer wie Steine an.
Meine Gedanken rasten durch die letzten Jahre und ich fechtete innerlich einen gewaltigen Krieg aus.

Das Spiegelbild lachte.
So laut, dass ich nichts anderes mehr hören konnte, außer dieses Gelächter.
Keine einzige Stimme konnte  durchdringen, nur die von ihr.
"Du bist ich. Das ist dein Wahres Ich. Ich bin so stolz auf dich. Ich bin.."

Ich schrie so laut es ging.
Mit aller Kraft, um irgendwie dieses schreckliche Lachen auszublenden.
Um nicht zu viel zu fühlen oder durch ständige Erinnerungen geschleudert zu werden.
Doch es brachte nichts.

Sie war lauter.
"Ich bin stolz auf dich. Y/n. Y/n. Y/n. Y/-.."

Es reicht.
"SAG NIE WIEDER DIESEN NAMEN!",  stieß ich so laut es ging hervor und schlug mit voller Kraft in das Spiegelbild.

Es zerbrach sofort in 1000 Splitter und diese lösten sich gleich danach auf.
Der ganze Tornado beruhigte sich im nächsten Moment und formte sich zu einem kleinen Ball der wenige Zentimeter vor meinem Gesicht schwebte.

Die Stimmen verschwanden und das einzige was ich hören konnte, war das Rauschen der Blätter.
Ich wurde so von dieser plötzlichen Ruhe so überwältigt, dass meine Hände anfingen zu zittern.

Mein Herz schlug langsamer und viel regelmäßiger gegen meine Brust und mein Impuls sinkte.
Atmen fiel aufeinmal so viel einfacher. Ich atmete tief ein und aus.
Meine Kraft wartete geduldig, bis ich mich wieder fangen konnte.

Doch als ich nach ein paar Sekunden, zu Katsuki blickte, verkrampfte sich gleich wieder mein Magen.
Er lag bewusstlos auf dem Boden und neben ihm bildete sich eine schwarze Blutlache.

Ich habe ihn vergiftet keine Frage, aber dass meine Kraft so stark war hätte ich nie erwartet.
Sofort kniete ich mich zu ihm und zog sein Tank Top hoch.

Sein trainierter Oberkörper war blutbeschmiert und als ich die Einstichstelle an seiner Seite musterte, wurde mir Übel. Die offene Fleischwunde war schon so entzündet, dass das Gift bereits die Haut verstümmelte und alles pechschwarz färbte.

Galle stieg mir hoch und ich musste meine Nase zuhalten, da der verweste Geruch viel zu stark war.
Ich nahm hektisch seine Hand und fühlte nach seiner Pulsader.
Sein Herz klopfte viel zu langsam und unregelmäßig. Fuck.

Meine Gedanken rasten und meine Knie wurden weich.
Ich kann ihn unmöglich in weniger als 15 Minuten zum Krankenzimmer schleifen und ich habe keine Ahnung, ob Recovery Girl ihn überhaupt heilen kann.
Warscheinlich hat das Gift sogar sein Herz befallen. Er.. scheiße er wird schon bald sterben und ich habe keine Zeit mehr, um nach Hilfe zu suchen.

Verzweiflung überrollte mich und ich war kurz davor wieder in Tränen auszubrechen.
Ich hatte keine Ahnung, was ich tuen sollte. Mein Körper war selber an seine Grenzen gekommem und ich hatte nichts dabei, was ihm vielleicht helfen könnte.

Scheiße, denk nach! Denk nach! Denk nach! Ich massierte meine Stirn und zitterte am ganzen Leib.

Plötzlich stoppte Katsukis Atmung.
Und das war der Moment, wo ich realisierte, dass es vielleicht schon zu spät war.

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