Kapitel 58


Katsuki:

Ich musste mich drei mal davon abhalten, Y/n zu schreiben oder einfach nur ein Wort mit ihr zu wechseln.

Jedes Mal, wenn ich auch nur über sie nachdachte, ermahnte ich mich mit ihren letzten Worten und versuchte mich auf die Realität zu konzentrieren.

"Katsuki, wo warst du eigendlich die ganze Zeit auf der Party? Du hast das ganze Wochenende nicht auf meine Nachrichten geantwortet."

Kiri lief neben mir auf einem Laufband und schaute mich fragend an. Wir haben vor ein paar Wochen beschlossen uns beide in einem Gym anzumelden, da wir beide koordinierter sein wollten.

Für einen kurzen Moment antwortete ich nicht. Was sollte ich denn bitte auch sagen? Dass ich einen Zusammenprall mit Y/n hatte und wegen des Streits die Party verlassen habe?

"Ich.." Ich suchte verzweifelt nach passenden Worten.
"Tut mir leid, irgendwann hatte ich einfach keine Lust mehr. Du weißt, so etwas liegt mir nicht besonders."
Kiri atmete hörbar aus und schlagartig wurde mir auch bewusst, wieso. Es tut mir leid.

Seit wann entschuldige ich mich?
Und seit wann muss ich mich rechtfertigen?

"Und wieso hast du nicht auf meine Nachrichten geantwortet?", hackte er vorsichtig erneut nach und ich warf ihm einen kurzen Seitenblick zu, ehe ich wieder nach vorne schaute.

Die Fließbänder standen vor einem unglaublich großem Fenster und da wir in einem Hochhaus auf dem 21 Stock waren, hatten wir einen Überblick auf ganz Tokio.
Viele würden für so einem Anblick die Hand ins Feuer halten, aber gerade war mir der Ausblick volkommen egal.

"Ich hatte einfach keine Zeit. War es was wichtiges?" Ich spührte, wie mir ein paar Schweißperlen über die Stirn liefen und wischte sie gleich darauf mit einem Handtuch ab.

"Naja, ich wollte dir erzählen, dass ich und Mina.." Er machte eine Pause und verlangsamte sein Tempo.

Ich machte es ihm nach und wandte mich erwartungsvoll zu ihm.
"Ihr seid zusammen?"

Abrupt schüttelte er seinen Kopf und ich hob skeptisch eine Braue.
"Dass ihr einen One night Stand hattet?"

"Was? Nein!"

Langsam wurde ich ungeduldig, weswegen ich befahl: "Sag es doch einfach."

Er biss sich leicht auf die Lippen und wechselte seinen Blick immer wieder von unten nach oben.
"Wir werden in einer Woche ein Date haben."

Er atmete erleichtert aus und ich schnaubte. "Und das war so schwierig zu sagen, oder was?"

"Ich bin aufgeregt.", erklärte er und spielte nervös mit seinen Fingern.

Ich zuckte nur mit den Achseln.
"Ist jeder mal.", meinte ich und beschleunigte wieder meine Geschwindigkeit.

"Katsuki, du verstehst das nicht! Das ist nicht nur aufgeregt sein, das ist.."
Wieder diese bescheuerte Pause.

"Was, kriegst du schon einen hoch, wenn du sie siehst, oder was?"
Er starrte mich entgeistert an und erst jetzt bemerkte ich, wie sich die anderen Leute umdrehten.

Kiri atmete kurz tief ein und aus, bevor er so leise wie möglich murmelte: "Ich hatte noch nie ein Date."

Er traute sich nicht, mir in die Augen zu schauen. Was? Ach du scheiße.
"Oh.", bekam ich nur heraus und starrte ihn überrascht an.

"Hilf mir.", flehte er jetzt etwas armselig und ich fühlte mich etwas überfordert.

"Wie denn? Denkst du wirklich, dass meine "Frauentipps" hilfreich sind?"
Sofort dachte ich wieder an Y/n und daran nach, wie ich es komplett vermasselt habe.

"Du hattest schon einmal eine Freundin!", platzte es aus ihm aufeinmal heraus und warf mir einen herausfordernden Blick zu.
Sofort schloss er wieder seinen Mund und es sah so aus, als würde er das Gesagte bereuen.
Und das sollte er auch.

"Tut mir leid.", sagte er zögerlich, aber ich antwortete nichts darauf.
"Es ist nur, ich habe Fragen. Wieso..", fing er an, aber ich ließ ihn nicht ausreden.

"Hör auf.", knurrte ich.
Meine frühere Beziehung war ein Tabuthema. Wir redeten nie darüber und das sollte auch immer so bleiben.

"Ich dachte du bist über sie hinweg. Ich dachte du liebst Y/n?"

Mein Adrenalin schoss schlagartig in die Höhe und ich spührte, wie sich meine Hand verkrampfte. Sofort ballte ich sie zur Faust und fühlte schlagartig meine Kraft durch die Adern fließen.

"Ich liebe sie nicht! Weder die eine noch die andere, also lass den verdammten Scheiß!", fuhr ich ihn zornentbrannt an und er zuckte zusammen.

Die ganze Wut kam wieder hoch und ich war kurz davor, ihm ins Gesicht zu schlagen. Und das nur für seinen Ausdruck, denn ich wusste, dass er mir nicht glaubte.

"Komm nie wieder zu diesem Thema zurück."

"Katsuki.."
Kiri schaute mich eindringlich an und wollte seine Hand auf meine Schulter legen, doch ich klatschte sie ab.

"Nie wieder.", knurrte ich, ehe ich mein Handtuch nahm und verschwand.

Y/n:

Der Zusammenstoß mit Ibara hatte nur eine gute Sache an sich.
Das Verhältniss mit Momo war wie von Zauberhand wieder normal.

Doch sonst war ich kurz davor zusammenzubrechen.
Wir wechselten kein Wort über den Vorfall. Warscheinlich, weil sie mir ansehen konnte, wie sehr sie mich wirklich verletzte.

Ich hatte keine Ahnung, wie ich den Schultag überleben konnte, aber um ehrlich zu sein, war ich nur physisch anwesend gewesen.
Mein Gehirn hat komplett abgeschaltet und für die rechtlichen vier Stunden habe ich nur in meinen Erinnerungen gelebt.

Als der Schultag irgendwann dann ein Ende nahm und ich im Bus war, fühlte es sich an, als hätte mir jemand knallhart ins Gesicht geschlagen.
Meine Gefühle vermischten sich ineinander und ich wusste garnicht mehr, was ich fühlte.

Denn das einzige was ich im Kopf hatte, war meine Mutter.
Und ich wusste, dass das, was ich jetzt machen würde, mich zerstören könnte.

Das fürchterliche Stechen in meiner Brust breitete sich schon so sehr aus, bis meine Augen anfingen zu tränen. Zum Glück war Katsuki mir nicht gefolgt und hoffentlich würde er es auch nie wieder tun.

Als ich aus dem Bus ausstieg hastete ich geradewegs so schnell ich konnte nachhause und mein Herz fing bei jedem Schritt an schneller zu schlagen. Ich war mir sicher, dass meine Mutter zuhause war.

Nachdem ich mit zittrigen Händen die Tür öffnete, hörte ich sie schon im Wohnzimmer wie üblich telefonieren.
Ich ging ein paar Treppenstufen hoch und wartete, bis sie fertig war.

Es vergingen bestimmt schon zehn Minuten, während sie immer mal wieder auf ihrem Handy tippte und dabei etwas aufschrieb.
Langsam wurde ich ungeduldig und wollte gerade meinen Plan aufgeben, als meine Mutter aufeinmal das Zimmer verließ, um auf die Toilette zu gehen.

Nachdem sie die Tür hinter sich zusperrte, sprang ich regelrecht die Treppen runter und lief ins Wohnzimmer.
Ich schaute mich eilig im Zimmer und und nahm ihr Handy, als ich es auf dem Tisch liegen sah.

Sie war mit Ibaras Vater zusammen, das war höchstwahrscheinlich sicher.
Aber irgendetwas trieb mich an, ihre Nachrichten zu lesen.

Ich wollte etwas haben, ihr irgendwie einen Schlag ins Gesicht geben und ihr Leben so chaotisch wie meins machen. Denn sie hatte es verdiehnt, im gleichen Dreck wie ich zu leben.

Egal, was ich tuen musste, ich würde es machen. Ich würde ihr das Leben so ruinieren, wie sie meins ruiniert hat.

Als ich den Display öffnete und gleich darauf den Code eingab, der nichts weiteres als ihr Geburtstag war, ging ich auf WhatsApp.
Und obwohl ich dachte, dass ich Mental vorbereitet dafür gewesen wäre, sackte mein Herz trotzdem zusammen als ich seinen Namen las.

Kuro Shiozaki

Das ist Ibaras verdammter Nachname!

Sofort wurde mir Übel, als ich gleich darauf die Nachrichten las.

Shiozaki:
-Na Schatz heute wieder bei mir?
-Ich hab da auch was besonderes für dich. ;)

Du:
-Gerne, ich freue mich schon. :*

Während ich weiter durch deren sexualisierten Nachrichten scrollte und irgendwann auch Nacktbilder fand, war ich kurz davor mich zu übergeben.
Scheiße, sie sind schon seit Monaten in einer Beziehung. Warte..

Als ich nach einer gefühlten Ewigkeit ganz oben im Chat war, zog sich mein ganzer Magen zusammen.
Die beiden sind schon seit fast zwei Jahren zusammen. Das heißt..

Ich drückte das Telefon zu fest mit meiner Hand zusammen, dass es knackte.
Meine Augen brannten wie Feuer und ich musste krampfhaft dagegen ankämpfen, nicht in Tränen auszubrechen.

Die ganze Zeit. Er war die ganze Zeit ihr Freund gewesen. Als sich meine Eltern trennten und wir hierherzogen..
Das war alles wegen ihm.

Ich musste mich an dem Tisch festhalten, um nicht umzukippen.

Als sie telefoniert haben an dem Tag wo ich erfahren habe, dass sie meinem Vater fremdgeht.. das war er.
Diese ganze Scheiße hat nur wegen ihm angefangen. Wegen ihm...
Wegen diesem Hurensohn ist mein Vater im Gefängniss. Ich... ich..

Schlagartig wandelte sich meine Trauer in Zorn um.
Mein Vater ist wegen diesem Dreckskerl im Knast!

Ich biss mir so fest auf die Lippen, biss ich Blut auf meiner Zunge schmeckte. Ich habe alles verloren wegen ihm!

Mein Kopf erhitzte sich komplett und das einzige, an was ich denken konnte war, wie er mit meiner Mutter fickte, während mein Vater im Knast war. Fuck, ich bringe beide um.
Sie werden so leiden. Ich sorge dafür, dass sie das alles bis zu ihrem verdammten Tod bereuen werden.

Meine Finger brannten, während ich verzweifelt nach irgendetwas suchte, was ich gegen die beiden anwenden konnte. Diese Wut.. ich spührte nichts weiteres, als diesen unglaublichen Zorn.

Es war wie ein Tunnelblick nur auf Rache. Ich ließ keinen Platz in meinem Herzen mehr, als reinen Hass übrig. Und das war gut. Denn sie würden mich nicht nochmal verletzen.

Doch aufeinmal hörte ich die Spülung.
Scheiße!

So schnell es ging, suchte ich noch nach irgendetwas. Als ich nach ein paar Sekunden schon am aufgeben war, weil die Zeit davonlief, kam aufeinmal eine Nachricht an.

Sie war nicht von Ibaras Vater, aber..
Verdammt, was?

Logan:

Logan: -Du weißt, was du tun musst, damit du an sein Geld kommst.
-Wenn du ihn dann im Griff hast, sind wir bereit, um ihm alles zu nehmen.
Den Rest besprechen wir später.

Ich schnappte nach Luft, doch mir blieb keine Zeit mehr, um weiter zu lesen.
Abrupt zog ich mein Handy aus der Tasche und machte ein Bild von dem Chat und dazu noch eins von ihrem Profil.

Gleich danach hörte ich schon die Badezimmertür aufgehen und ich legte schnell ihr Handy dort hin, wo es davor gewesen war. Danach rannte ich schnell aus dem Wohnzimmer und sprang die Treppen hoch.

Während ich meiner Mutter zusah, wie sie den Raum betrat, atmete ich stark aus.

Mein Vater hatte Recht.
Er hatte immer so, so Recht.
"Es ging immer nur ums Geld."

(Hallo meine Lieben <33 Ich habe ein kleines Update für die Playlist. Da ich aber nur max. 2000 Wörter in die Beschreibung einfügen kann, bitte euch euch, mir zu schreiben, falls ihr die weiteren Songs auch haben wollt. Viel Spaß noch beim Lesen, eure Zuki :))

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