Kapitel 30


Katsuki:

"Wieso hast du mich geküsst?!"
Wieso habe ich sie geküsst??

Immer weider hallten ihre Worte in meinem Kopf nach und ich sah ihr hinterher, wie sie fluchend nachhause ging.
Und wieder wollte ich ihr folgen.

Doch dieses mal hörte ich auf meinen Verstand und tat es nicht. Ich würde nur erneut alles kaputt machen. Wenn es kaputter sein könnte, denn sie hasste mich jetzt wirklich.

Wieso habe ich sie geküsst?!
Stehe oder stand ich auf sie? Nein.
Fand ich sie einfach attraktiv. Vielleicht.
Tat sie mir leid? Ja, aber deswegen hätte ich sie bestimmt nicht geküsst.
Warum habe ich es dann getan?!

Ich verstand mich selber nicht, verstand nicht, warum ich das hier alles tat.
Von einem auf den anderen Tag wurde ich ein komplett anderer Mensch. Wieso nur?
Ich bin mir sicher, dass ich nicht auf sie stehe und deshalb so bin, weil es bei meiner letzten Beziehung auch nicht so war.

In mir kamen immer mehr Fragen auf, weswegen ich sie so gut wie möglich versuchte zu verdrängen und nachhause ging.

Y/n:

Verzweifelt setzte ich alles daran meine Tränen zu unterdrücken, während ich mein Handy öffnete und auf WhatsApp ging.

Alles war komplett zerstört und ich konnte nichts reparieren.
Ich hoffte auf einen Neuanfang, doch das Vergangene konnte man nicht einfach ausradieren.
Wieso habe ich auch gehofft, schlagartig ein anderer Mensch sein zu können?

Ich ignorierte die Nachrichten meiner Mutter und ging sofort auf den Chat von Kyoka und mir.
Reparieren. Bitte lass mich wenigstens heute eine Sache gut machen.

Mein Magen zog sich abrupt zusammen, als am Ende des Verlaufs "Du hast diesen Kontakt blockiert." stand.

Sie hätte meine Freundin sein können und ich habe es kaputt gemacht.
Ich wollte ihr schreiben, mich für das, was ich getan habe entschuldigen und sie hundert mal um Verzeihung bitten, doch ich konnte nicht.

Ich meine, wie assozial wäre es denn, wenn ich ihr nach zwei Monaten ohne Kontakt einfach schreiben und mich so plötzlich entschuldigen würde?
Nein, ich musste das analog machen.
Bitte verzeih mir. Bitte.

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Ich fühlte mich wie ein Zombie, als ich aufstand.
Die halbe Nacht hindurch dachte ich nur darüber nach, was ich Kyoka sagen würde und habe mir schon in Gedanken alles aufgeschrieben.

Mein Herz fing langsam an schneller zu schlagen, als ich mein Longboard holte, um zur Schule zu fahren.
Scheiße, mein Longboard.

Irgendein Penner hatte gestern mein Longboard beschädigt und die Rollen waren komplett am Arsch.
"Bestimmt war das Ibara.", war mein erster Gedanke gewesen.
Das hieß, dass ich mindestens für zwei Wochen nicht fahren konnte, bis es wieder repariert war.

Fluchend ging ich raus und schaute reflexartig zu Katsukis Haus rüber. Wieso hatte er mich geküsst?

Und mitten in der Nacht bekam ich auch die Antwort darauf.
Entweder ich wurde ausgenutzt oder er tat es aus Mitleid. Egal, beide Gründe waren schon schlimm genug.

Ich brauchte 25 Minuten bis ich die UA erreichte und alles in mir verkrampfte sich. Okay, du hast dir heute drei Stunden deine Entschldigung überlegt und ausgearbeitet. Du schaffst das, brings hinter dich.

So schnell es ging, lief ich zur Bushaltestelle, wo sie immer ausstieg und schaute auf die Zeitentabelle. 07:46 Uhr. In genau vier Minuten muss er da sein.

Während ich wartete, wandte ich mich zum Schulhof um, wo massenweise Schüler standen und redeten. Unter ihnen war bestimmt auch Katsuki. Hör auf über ihn zu nachzudenken! HÖR. AUF.

Aufeinmal bog von der Seite der Bus ab und blieb direkt auf der Straße vor mir stehen.
Mir wurde übel und ich zupfte nervös die Haut von meinen Fingernägeln ab.
Mein Herz fing an, immer schneller zu schlagen und ich wünschte mir einfach nur, ich würde wieder in meinem Bett liegen und Zeit zum nachdenken haben.

Scheiße, ich brauche doch noch Zeit. Ich bin noch nicht bereit. Shit, shit, shit.
Kyoka stieg als letztes aus und nahm mich nicht einmal wahr.

Sie hatte Kopfhörer an und wirkte sehr abwesend und distanziert. Ich war mir sicher, dass sie gerade wirklich keine Lust zum Reden hatte. Oder gar auf mich.

Doch ich musste es tuen. Egal ob sie mir verzeihen würde oder nicht, ich musste es hinter mich bringen.
Langsam hielt ich diese ganzen schlaflosen Nächste nicht mehr aus, die mich voller Gedanken quälten.

Also folgte ich ihr und tippte sie an der Schulter an.
Als sie sich umdrehte, weiteten sich ihre Augen für einen kurzen Moment, aber sonst regte sich nichts an ihr.

Stille. Kein "Hallo, wie geht es dir?", sondern nur Stille.
Ich hab's wirklich verbockt, denn sie starrte mich an, wie als wäre ich ein Fremder. Was ich jetzt für sie auch warscheinlich war.
Eine alte Bekannte, nichts mehr.

Wir hielten für wenige Sekunden Augenkontakt, bis ich es nicht mehr aushielt. Ich will weg. Ich kann das nicht.

Doch aufeinmal schoss mir Katsukis
Bemerkung in den Kopf. "Wieso läufst du immer weg?"
Dieser Satz hatte mich getroffen.
Und deswegen will ich jetzt nicht weglaufen. Ich regel das.

"Kyoka ich muss mit dir reden.", sagte ich und meine Lippen bebten.
Sie schaute mich nur erwartungsvoll an, zog ihre Kopfhörer aber nicht aus.
"Woanders.", fügte ich aber nur noch gepresst hinzu.

"Heyy Kyoka!"
Abrupt drehte ich mich um und sah ein großes Mädchen mit schwarzen  Haaren und Augen auf uns zukommen.
Sie war in unserer Klasse.

Sofort veränderte sich Kyokas Gesichtsausdruck und sie lächelte sie an. "Oh, hey Momo!"

Als sie sich umarmten fühlte ich mich komplett fehl am Platz und das Stechen in meiner Brust nahm zu.
"Hey! Y/n, oder?", fragte mich Momo und lächelte leicht.

"Äh, ja genau.", ich versuchte ihr Lächeln zu erwidern, wusste aber nicht genau, ob es klappte.

Es war für einen kurzen Moment still und ich wandte meinen Blick wieder zu Kyoka um und starrte sie eindringlich an.

"Sag was du zu sagen hast jetzt.", forderte sie mich in einem kalten Ton auf und ihr Blick verhärtete sich schlagartig.

Ich schluckte und alle meine einstudierten Worte flossen aus meinem Hirn.
Momo schaute uns verwirrt an, was mich nur noch mehr irritierte.

"Kyoka, ich würde das jetzt ungern vor allen anderen sagen.", flüsterte ich und traute mich nicht in ihre gefühlskalten Augen zu blicken.

"Du schämst dich also, dich vor allen bei mir zu entschuldigen?"
Sie schnaubte genervt und warf einen Blick auf die Uhr.
"Wir haben keine Zeit mehr, Momo komm lass uns reingehen."
Zu schnell. Alles geht einfach zu schnell.

Sie wollte gerade losgehen, doch ich hielt sie fest. "Es tut mir leid. Wirklich."
Ich atmete kurz tief ein und aus, nachdem sie mir wieder in die Augen schaute.

"Meine.. meine Eltern haben sich vor ein paar Monaten getrennt und ich bin hierhergezogen. Ich..habe alle meine Freunde auf einen Schlag verloren und du warst meine erste Freundin." Mein Herz raste.
"Doch an dem Tag, an dem ich dich blockiert habe, ist etwas passiert und ich wollte einfach nur einen Neuanfang, verstehst du? Ich fühlte mich nicht dazu bereit, um eine Freundschaft zu pflegen und fürchtete, dass ich sowieso alles verkacken würde."

Ich wandte meinen Blick ab und knackte nervös meine Finger, bevor ich weiterredete.
"Ich weiß, ich hätte dir das alles auch einfach schreiben können, aber ich hatte Angst, dass du Fragen stellen würdest. Deswegen blockierte ich dich einfach und glaub mir ich hatte das sofort bereut. Ich hasse mich so sehr dafür, weil ich dich verletzt habe und du dir solche Sorgen gemacht hast. Es tut mir wirklich leid und ich will nicht, dass du jetzt Mitleid oder so empfindest, weil es nicht das rechtfertigt, was ich getan habe."

Meine Stimme zitterte und meine Augen waren feucht und glasig.
Mir war alles egal, die Blicke, das Getuschel von den anderen, oder das die Schule gleich anfangen würde.
Ich bohrte meine Fingernägel in den Stoff meiner Hose und alles verkrampfte sich in mir.

"Oh Y/n.." Und ehe ich mich versah, umarmte sie mich.

Sofort bereite sich Wärme in mir aus und ich erwiederte sie.
"Es tut mir so sehr leid! Ich bin so ein schrecklicher Mensch.", wisperte ich.

"Nein, bist du nicht, sonst hättest du dich nicht so entschuldigt. Und schon gar nicht in der Öffentlichkeit.", beruhigte sie mich in einem ruhigen Ton und streifte mit ihrer Hand über meinen Rücken.

"Trotzdem habe ich dich verletzt!"

"Aber du wolltest es nicht und darauf kommt es an. Y/n, das ist Vergangenheit. Aber das, was du jetzt getan hast, das ist das Hier und Jetzt. Und darauf kommt es am Ende am meisten an.
Ich verzeihe dir."

Die letzten drei Worte brachten mich zum weinen. Ich konnte es einfach nicht mehr unterdrücken.
Dann wurde ich eben wieder verletzlich.

"Danke.", schluchzte ich und verspürte ein sicheres Gefühl in mir.
"Das ist Vergangenheit. Aber was du jetzt getan hast, das ist das Hier und Jetzt. Und darauf kommt es am Ende am meisten an."

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