Kapitel 134


Y/n:

Ich konnte meinen Augen kaum trauen.

Als Ibara Kyoka mit einem wehleidigen Ausdruck anstarrte und eine Träne über ihre Wange kullerte, versuchte ich meinen schnellen Atem zu verlangsamen, während mein Herz fest gegen meine Brust schlug. Nein, dass kann nicht stimmen. Das..

"Kyoka, bitte. Es tut mir leid, du weißt, wie sehr ich es bereue Y/n das alles angetan zu haben! Bitte vergib mir, ich liebe dich." Ihre Stimme brach am Ende des Satzes und sie hielt sich eine Hand vor ihren Mund, um ihr verzweifeltes Gesicht etwas zu verbergen.

"Es ist mir scheißegal, wie leid es dir tut, das Einzige, was zählt, ist, dass du es getan hast! Hast du wirklich gedacht, dass du einfach hier aufkreuzen kannst und mit einer laschen Entschuldigung alles wiedergutmachen kannst?", fuhr Kyoka sie an und die einzige Antwort, die sie erhielt, war ein weiteres Schluchzen von Ibara.

Mein Magen zog sich zusammen und ich bekam abrupt ein schlechtes Gewissen.
Ich sollte die beiden nicht belauschen, dass ist deren Angelegenheit. Ich hätte es auch nicht so gewollt.

Doch als ich ein paar Schritte zurückging, trat ich ausversehen auf einen Stock, der unter mir das Gespräch mit einem lauten Knacken sofort unterbrach. Ehe ich irgendetwas tun konnte, drehten sich Kyoka und Ibara mit Blitzgeschwindigkeit zu mir um und erkannten mich hinter dem Gebüsch stehen. Verdammt.

"Y/n?", fragte Kyoka und nahm eine defensive Haltung ein.
Ibara starrte mich nur geschockt an, ehe sie schnell ihre Tränen mit ihren Händen auffing und an ihrem Top abwischte.

"Ich..", suchte ich nach Worten und schluckte. "Ähm, tut mir leid, falls ich gestört habe, ich wollte nur nach dir suchen und habe dann Stimmen gehört. Ich lasse euch besser alleine."

"Nein, wir sind sowieso schon fertig.", meinte Kyoka trocken und ging an mir vorbei ohne Ibara eines Blickes zu würdigen.

Ich schaute zwischen den beiden hin und her und wusste nicht so recht, was ich tun sollte, bis Ibara die unangenehme Stille unterbrach.
"Ich glaube, ich gehe besser jetzt nachhause."

Sie wartete auf keine Antwort, sondern drehte sich nur um, um zu gehen, doch ich griff nach ihren Arm, um sie zu stoppen. "Ibara, ich bin für dich da, falls zu jemanden zum Reden brauchst."
Ich konnte ihren Gesichtsausdruck nicht deuten, weil sie auf den Boden schaute, doch ich wusste genau, wie sie sich fühlte.

"Danke, Y/n. Ich brauche nur etwas Zeit für mich.", stieß sie aus und schniefte erneut. "Kyoka hatte Recht. Du bist wirklich ein Goldstück."

Und dann ging sie aus dem Garten und verschwand hinter den Gebüschen.
Alles in mir sehnte sich danach ihr zu folgen, wei ein Teil von mir ihren Schmerz fühlen konnte, doch ich wusste, dass ich ihr nicht weiterhelfen konnte.
Sie hatte gerade einen Kampf mit sich selbst und nur sie allein konnte diese Hürde überwältigen.

Ich schnaubte, bevor ich mich umdrehte und zurück in mein Haus ging, um mich zu meinen Freunden zu gesellen.
Als ich wieder reinkam war ich erleichtert, dass Kyoka zumindest auf der Couch saß und bei uns war.

Als ich mich zu ihr setzte, schaute sie weiterhin auf ihr Handy und ich wusste genau, dass sie nur so tat, als dass sie beschäftigt wäre, um nicht mit mir reden zu müssen. Musik und Social Media war so etwas ähnliches wie ein Zufluchtsort für sie, doch auch wenn ich genau wusste, wie unangenehm das für sie wäre, musste ich mit ihr reden.

"Kyoka?", fragte ich sanft, doch obwohl sie genau neben mir saß, antwortete sie nicht. Sie lehnte ihren Kopf nach unten, was dafür sorgte, dass ihre Haare leicht ihr Gesicht bedeckten. Ich wusste, dass sie weinte.

Als ich kurz überlegte, was ich tun könnte, holte ich schließlich mein Handy aus meiner Hosentasche und begann eine Textnachricht an sie zu schreiben.

Mein Sonnenschein<3

Du: - Wenn du nicht reden willst, dann schreibe ich dir zumindest. Ich hoffe, du weißt, dass ich immer für dich da bin und dir nie etwas Übel nehmen werde.
Falls du also jemanden zum Quatschen brauchst, kannst du immer zu mir kommen oder ich zu dir, wie du willst.
Wir können auch den Alkoholschrank meiner Mutter wie letztes mal plündern, wenn es für dich einfacher ist :)

Die zwei Häkchen unter meiner Nachricht wurden nicht blau, aber ich wusste sofort durch ihr leises Schmunzeln, dass sie sie gelesen hatte.
Sie schaute zu mir auf und schenkte mir ein leichtes Lächeln, welches ich sofort erwiderte.

"Danke.", sagte sie leise und atmete tief ein und aus.

"Du bist meine beste Freundin Kyoka, es gibt nichts zu Danken.", entgegnete ich und schloss sie gleich darauf in eine leichte Umarmung.

Obwohl ich noch nicht die ganze Geschichte wusste, war mir klar, dass diese Kyoka lange Zeit belastet haben musste. Leider war sie vom Typ nicht die Person, die gerne über ihre Probleme sprach, sondern sie einfach ignorierte, bis sie das Fass zum Überlaufen brachte.
Doch ich wollte für sie da sein, denn so war sie es auch immer für mich gewesen.

Nach ein paar Minuten beschlossen wir beide aufzustehen und uns zu den anderen zu gesellen. Auf dem Weg zu Kücheninsel bemerkte ich Katsuki, der immernoch schlafend auf dem Sofa lag und ein leichtes Grinsen spielte sich um meine Lippen.

Ich ging auf ihn zu und musterte sein friedliches Gesicht, welches ausnahmsweise mal nicht wütend oder genervt aussah. Da es aber bereits halb drei war und er sonst noch bis zum Abend schlafen würde, beschloss ich ihn doch zu wecken.

"Katsuki, guten morgennn.", sagte ich in einem fröhlichen Ton und stieß ihn leicht an.

Als er nicht reagierte, wiederholte ich mich etwas lauter und stieß ihn fester an, wodurch er mir nur mit einem Grummeln den Rücken zuwandte.
Will er mich verarschen?

"Katsuki, es ist halb drei, schwing deinen Hintern vom Sofa und steh auf!"

Ich hörte sein Schmunzeln, ehe er fragte: "Und was willst du denn dagegen machen?"

Ich griff nach seinem Handy auf dem Tisch. "Vielleicht dem lieben Neito eine Freundschaftsanfrage auf Instagram senden. Darüber werden sie sich doch sicherlich freuen.", meinte ich und wedelte mit seinem Handy.

Er drehte sein Gesicht zu mir und starrte mich gelangweilt an, während seine zerzausten Haare in sein Gesicht fielen.
"Netter Versuch. Leider kennst du aber mein Passwort nicht."

"Wie süß. Natürlich kenne ich es, es ist mein Geburtstag." Mein Grinsen wurde breiter, als er seine Augen aufriss.

"Wer hat dir das gesagt?"

Ich entsperrte sein Handy, bevor ich auf sein Instagram ging. "Und das war die Bestätigung für meine Vermutung."

Ehe ich realisieren konnte, was passierte, griff Katsuki nach meinen Arm, zog mich zu sich runter und pinnte mich auf das Sofa. "Gib mir mein Handy."

Er starrte mich mit einem eiskalten Blick an, der aber nicht mehr bei mir ziehte.
"Erst wenn du zugibst, dass ich ein Genie bin."

"Lieber würde ich mich ertränken lassen.", entgegnete er scharf und musste leicht grinsen.

"Tja, dann werde ich mal..", doch als ich auf seinem Handy auf die Suchanfrage klickte, spürte ich, wie er meine Handgelenk gegen das Sofa drückte und gerade danach greifen wollte, ehe ich es auf den Boden zwei Meter weiter weg von uns fallen ließ.

Katsuki stand sofort auf, um es zu holen.
"Ha, Pech gehabt."

Aber als ich im lauten Gelächter ausbrach, zog er seine Augenbrauen hoch und verschränkte seine Arme.
"Was gibt es da zu lachen?"

Ich stand lachend auf und konnte nicht fassen, dass mein Plan wirklich geklappt hat. "Danke, dass du es endlich geschafft hast mir zu liebe aufzustehen."

Die Realisation traf ihn wie ein Schlag.
"Fuck, du bist wirklich ein Genie."

"Ich weiß.", gab ich grinsend zurück und er zog mich mit seinen Händen auf meinen Hüften zu sich, um mich zu küssen.

"Deine Selbstsicherheit könnte man auch ruich etwas runterschrauben.", murrte er danach und rollte seine Augen.

"Sagt genau der Richtige.", erwiderte ich und er zog mich nur noch enger zu sich.

"Ich liebe dich, Y/n. Auch wenn du der nervigste Mensch auf der Welt bist. Irgendwie liebe ich auch das an dir.", sagte er plötzlich in einem ernsteren Ton und mein Herz machte einen Satz.

"Ich liebe dich auch. Auch wenn du nicht gerne zugibst, dass ich um einiges schlauer als du bin."

Er grinste. "Weil du es nicht bist."

Danach küsste er mich.

Katsuki:

Verdammt, sie ist wirklich schlauer als ich. Doch dafür liebe ich sie nur umso mehr.


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