Überanstrengung

Täglich wurde für die Aufführung, die in ein paar Monaten stattfand sollte, geprobt. Ich hatte das Gefühl, die Schritte schon im Schlaf zu beherrschen. Der Pas de deux Teil erschien mir plötzlich ganz einfach und ich fand sogar Freude daran, mit Lucas zu tanzen. Seine Schritte waren korrekt, er machts keinen einzigen Fehler. Trotzdem wirkte bei ihm alles so leicht, im Gegensatz zu mir. Auch wenn ich jetzt wusste, was ich tanzen musste, war es anstrengend. Ich keuchte immer wieder laut und ich schwitzte ununterbrochen. Und das täglich. Ich hatte gewusst, dass es in der Kompanie anstrengend werden würde, ich hätte aber nie gedacht, dass es so schlimm sein könnte. ''Ich kann nicht mehr'', flüsterte ich Lucas leise ins Ohr. ''Du schaffst das schon'', bekam ich zur Antwort. Er hatte ja keine Ahnung. Mein Rücken begann wieder zu schmerzen, ich hatte ihn nicht intensiv genug aufgewärmt. Ich lehnte mich, unter extremen Schmerzen leidend, zurück. Fest presste ich meine Zähne aufeinander und redete mit selbst gut zu. Wie sollte das weitergehen? Ich war mir nicht mehr so sicher, ob ich für die Kompanie geschaffen war.

Nach Ende der Probe wollte ich einfach nur noch nach Hause. ''Tara! Ein Drink?'' Lucas stand hinter mir. Ich konnte nicht, die Schmerzen waren zu groß, doch wenn ich ihm das sagte, würde er mich definitiv zu einem Arzt schicken. Ich hatte schon genug Zeit bei Ärzten verbracht. ''Mir geht es nicht gut, ich möchte gerne heim gehen.'' Diese Aussage war nicht einmal gelogen. ''Ein Drink. Danach geht es dir bestimmt besser.'' ''Nein. Heute nicht!'' ''Es dauert nicht lange. Versprochen.'' Wie sollte ich mich da rausreden? ''Na gut.'' Ich versuchte möglichst wehleidig zu klingen, vielleicht würde er dann doch aufgeben. Aber ich hatte falsch gedacht, wenig später saßen wir wieder in dem kleinen Café.
Plötzlich wurde Musik gespielt. ''Komm, wir tanzen!'' Ich schüttete energisch den Kopf. ''Ich möchte nicht.'' ''Aber ich!'', rief Lucas, sprang auf, nahm meine Hand und zerrte mich in eine Ecke, in der keine Tische standen. Mein Rücken schmerzte. Ich war überanstrengt. Lucas drehte mich schnell ich Kreis. Mir wurde schwindelig und ich nahm nur noch die Hälfte von dem, was um mich herum geschah, war.
Ich hatte keine Kraft mehr. Ich war müde, mein ganzer Körper schmerzte und ich atmete stockend.

''Tara?'' Ich öffnete die Augen und fand mich in meinem Bett wieder. ''Wie bist du hier reingekommen und woher weißt du überhaupt wo ich wohne?'' ''Du bist in meinen Armen zusammengebrochen. In deiner Tasche habe ich einen Ausweis mit deiner Adresse und den Schlüssel zu deiner Wohnungstür gefunden. Ich habe dich hierher getragen. Ich wollte nicht die Rettung anrufen, weil ich vermutet habe, dass du einfach überanstrengt bist.'' ''Danke'' Ich war erleichtert. ''Soll ich noch hierbleiben, oder schaffst du das?'', fragte er mitfühlend, ''Ich mache mir schon ein wenig Sorgen.'' ''Nein, das brauchst du nicht. Mir geht es gut, ich war nur sehr übermüdet.'' ''Sicher?'' ''Ganz sicher.'' ''Ich habe dir meine Nummer aufgeschrieben. für den Fall der Fälle.'' Er küsste mich auf die Stirn und verließ dann eilig meine Wohnung. Eigentlich war er ja ganz nett.
Doch ich war zu müde, um über ihn nachzudenken. Ich fiel augenblicklich in einen tiefen, traumlosen Schlaf.

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