Ihm zu Ehren

Ich stieg langsam die Stufen hinab. Mit jedem Schritt kamen mehr Erinnerungen hoch. Mit jedem Schritt wurde ich trauriger. Und mit jedem Schritt vermehrten sich meine Tränen.
Ich erinnerte mich, als ich von der Bühne gekommen war und Christian mir die Nachricht überbracht hatte. Ich war zurückgekommen in die Akademie, alle hatten geweint. Alle außer ich. Wir hatten auf dem Boden geschlafen, da wir gewusst hatten, dass wir alleine nicht schlafen hätten können. Als alle eingeschlafen waren hatte ich eine Nachricht erhalten. Von Sammy. Ich hatte die Akademie verlassen und sie mir angehört. Es war schlimm gewesen. Aber geweint hatte ich erst eine Woche später, beim Finale. Ich hatte die 'Roten Schuhe' getanzt. Während diesem Tanz hatte ich mich von meinem besten Freund verabschiedet. Er hatte meine Hand losgelassen. Ich würde so viel tun, um sie einmal noch greifen zu können.

Unten angekommen war mein Gesicht tränenverschmiert. Ich schnappte nach Luft und weinte bitterlich. Die Erinnerungen waren so stark, zu stark. Ich kam nicht dagegen an. Sie holten mich ein, und ich wusste, das würden sie immer tun.
Auch die anderen versanken nahezu in ihrer Trauer. Kat kam auf mich zu und umarmte mich. "Er hätte nicht gewollt, dass wir traurig sind, und schon gar nicht wegen ihm. Er hätte es nicht gewollt," schluchzte sie unter Tränen. Ich nickte. Ich wusste, dass er es nicht gewollt hätte.
Wir gingen auf die anderen zu. Sie saßen auf der Couch. Abigail hatte die Hände vors Gesicht geschlagen und weinte jämmerlich. Ich setzte mich neben sie und legte meinen Arm um ihre Schulter.
Der erste, der sich schließlich wieder fasste war Eathan. "Er hätte gewollt, dass wir Spaß haben. Dieser Tag soll kein trauriger Tag werden, sondern ein fröhlicher, in Erinnerung an ihn." Er hatte Recht. Wir sollten nicht so in unserer Trauer versinken.
Nacheinander standen wir auf, wischten die Tränen weg und strichen uns die Haare aus dem Gesicht.

Draußen schien die Sonne. Wir verließen die Villa und genossen die Wärme.
Plötzlich griff Christian meine Hand und schaute mir tief in die Augen. Er legte seine Hand auf meinen Rücken. Ich beugte mich ein Stück zurück. Christian drehte mich langsam im Kreis. Er tanzte mit mir. Es war ein wunderschönes Gefühl, denn ich wusste bei wem er mit seinen Gedanken war.
Wenig später merkte ich, dass auch alle anderen angefangen hatten zu tanzen. Er fühlte sich gut an, dies zu Ehren Sammys zu tun. Denn wir wussten, er hätte das gleiche getan.

Wir verbrachten den ganzen Tag am Strand. Wir dachten an ihn, waren dabei aber nicht traurig. Wir waren glücklich, ihn kennengelernt zu haben.

Gegen Abend schrieben wir alle eine kleine Gedenk-Karte an ihn. Anschließend banden wie unsere Karten jeweils an einen Luftballon. Den Blick zum Horizont gerichtet, ließen wir sie los. Die Ballons flogen hoch und höher und verschwanden schließlich im Sonnenuntergang. Ich wusste, dass Sammy unsere Karten bekommen würde, denn egal, wo die Luftballons hinflogen, der Text würde immer in unserem Herzen blieben, genau wie er.

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